Demokratische Republik Kongo, 22.09.2014
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Demokratische Republik Kongo, 22.09.2014
© Gabriele François Casini/MSF

Was ist Ebola? Und wie helfen wir dank jahrelanger medizinischer Expertise?

Ebola ist eine hämorrhagische Fiebererkrankung, die durch Viren verursacht wird. Um die Ausbreitung zu stoppen, müssen Erkrankte isoliert, das Gesundheitspersonal mit spezieller Schutzausrüstung geschützt und strenge Hygieneregeln eingehalten werden. Die  Übertragung des Virus zu verhindern, ist eine zentrale Massnahme, da Behandlungsmöglichkeiten von Ebola oft begrenzt sind.

Am 15. Mai 2026 bestätigte das Gesundheitsministerium der Demokratischen Republik Kongo einen Ebola-Ausbruch in der Provinz Ituri. Auch das Nachbarland Uganda bestätigte einen Ebola-Fall. Wir bereiten die Ausweitung unserer Hilfe in der Region vor und setzen in den bestehenden Projekten strenge Präventionsmassnahmen um. 

Bis zum 8. Juli 2026 wurden offiziell 1 708 bestätigte Erkrankungen und 580 Todesfälle gemeldet.

Die Epidemie breitet sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo weiter aus. Besonders betroffen sind die Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu. Zudem wurden importierte Fälle in Haut-Uélé und Tshopo bestätigt. Mehrere neu betroffene Gesundheitsbezirke befinden sich in Regionen mit einer instabilen Sicherheitslage, insbesondere im Norden von Nord-Kivu, was eine rasche Ausweitung der Hilfsmassnahmen erschwert.

Ebola: Eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit 

Das Virus wurde 1976 entdeckt. Im März 2014 wütete die weltweit grösste Ebola-Epidemie der Geschichte. Innerhalb von fast zwei Jahren wurden in den drei westafrikanischen Staaten Guinea, Sierra Leone und Liberia mehr als 28 000 Ebola-Fälle und rund 11 000 Todesfälle erfasst. Ärzte ohne Grenzen hat vor Ort Ebola-Behandlungszentren eingerichtet. Unsere Teams boten auch psychologische Betreuung an, führten Massnahmen zur Gesundheitsförderung durch, halfen bei der epidemiologischen Überwachung, der Kontaktnachverfolgung und bei der Organisation von sicheren Bestattungen.

Sobald ein Ebola-Ausbruch gemeldet wird, hält sich Ärzte ohne Grenzen bereit, um die jeweiligen Gesundheitsministerien bei ihren Bekämpfungsmassnahmen zu unterstützen. Unsere Teams behandeln dabei nicht nur Erkrankte, sondern geben auch Schulungen für lokales und internationales Personel (vor Ort, aber auch in Europa) und beteiligen sich aktiv an Forschungsprojekten.

Symptome

  • plötzliches hohes Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • allgemeines Unwohlsein
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Hautausschlag
  • Blutungen

Die Reaktion auf Ebola war nicht nur aufgrund von fehlenden internationalen Mitteln begrenzt, es mangelte auch am politischen Willen, der betroffenen Bevölkerung schnell zu helfen. Bei der Bekämpfung einer Epidemie muss der Fokus auf den Bedürfnissen der Patienten und betroffenen Bevölkerungsgruppen liegen und nicht auf politischen Interessen.

Joanne Liu, ex-internationale Präsidentin von MSF

Eine seltene, aber gefährliche Krankheit

Ebola ist die Bezeichnung für mehrere Stämme desselben Virus, das beim Menschen erstmals 1976 im Südsudan und in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) entlang des Flusses Ebola festgestellt wurde.

Ebola ist eine sehr seltene Krankheit. In rund der Hälfte der Fälle verläuft sie tödlich – die Zahl variiert zwischen 25 und 90 %, je nach Virusstamm und Behandlung. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis 21 Tagen verursacht die Krankheit Symptome, die jenen von Krankheiten wie Malaria ähneln. Das Virus breitet sich über das Blut aus und schaltet das Immunsystem aus. Ebola ist umso gefährlicher, als die Viren vom Organismus nicht sofort erkannt werden. Bis der Körper reagiert, ist es oftmals schon zu spät. Das Virus verursacht Blutgerinnsel, die die Blutgefässe verstopfen, was schliesslich zu starken Blutungen und einem Versagen der lebenswichtigen Organe führt.

Ebola wird durch das Ebola­virus verursacht. Bislang bekannt sind fünf Spezies von Ebolaviren:  

  • Zaire,  
  • Sudan,  
  • Taï Forest,  
  • Bundibugyo und  
  • Reston.  

Reston ist als einzige Spezies für Menschen in der Regel nicht gefährlich.   

Den jüngsten Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda im Mai 2026 verursacht das Bundibugyo-Ebola-Virus. Der Bundibugyo-Ebola-Virus unterscheidet sich von der häufiger vorkommenden Zaire-Variante dadurch, dass es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene Behandlung gibt.  

Die geschätzte Sterblichkeitsrate der Bundibugyo-Variante liegt zwischen 25 und 40 Prozent. Dies ist der 3. nachgewiesene Ausbruch des Bundibugyo-Ebola-Virus nach Ausbrüchen in Uganda in den Jahren 2007–2008 und in der Demokratischen Republik Kongo im Jahr 2012.  

Bisher wurden die grossen Ausbrüche in Westafrika (2014-2016) und der Demokratischen Republik Kongo (2018-2020) durch das Zaire-Ebolavirus verursacht. Für den Ausbruch in Uganda im September 2022 hingegen war der Sudan-Typ verantwortlich.  

Beim Bundibugyo-Ebola-Virus liegt die geschätzte Sterblichkeitsrate bei 25 bis 40 Prozent.
Dies ist die dritte dokumentierte Epidemie, die durch dieses Virus verursacht wird – nach den Ausbrüchen in Uganda (2007–2008) und in der Demokratischen Republik Kongo (2012).

Übertragungswege der Krankheit

Das Ebola-Virus überträgt sich  

  • von Mensch zu Mensch durch den direkten Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten und Organen.   
  • über Oberflächen, die Infizierte mit dem Ebola-Virus kontaminiert haben.    

Vor allem für Gesundheitspersonal besteht ein hohes Ansteckungsrisiko, denn sie arbeiten eng mit infizierten Patient:innen. Die Mitarbeiter:innen in Gesundheitszentren müssen daher immer eine persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen.    

Das Ebola-Virus kann zudem auch durch den direkten Kontakt mit an Ebola Verstorbenen übertragen werden. Bestattungen von an Ebola Verstorbenen müssen daher ebenfalls mit Schutzausrüstung durchgeführt und die Leichen keinesfalls direkt berührt werden. Dies widerspricht natürlich oft kulturellen Praktiken und dem menschlichen Bedürfnis von Angehörigen Abschied zu nehmen.   

Wie wird Ebola diagnostiziert? 

Aufgrund der unspezifischen Frühsymptome ist die Diagnose von Ebola zunächst schwierig. Besteht bei Patient:innen der Verdacht auf Ebola, sind folgende Massnahmen angezeigt:  

  • Ein Labortest (PCR-Tests, die in vielen Kontexten oft nicht ohne weiteres verfügbar sind) bestätigt die Diagnose.   
  • Die Patient:innen werden isoliert gepflegt, um das Infektionsrisiko für Angehörige und Betreuer:innen zu minimieren.   
  • Expert:innen des öffentlichen Gesundheitswesens müssen über den Verdacht der Ebola-Infektion benachrichtigt werden. 

Die Testkapazitäten sind jedoch weiterhin auf wenige Zentren konzentriert, und abgelegene Regionen sind nach wie vor unzureichend versorgt. Das verzögert die Erkennung und Bestätigung neuer Fälle.


Derzeit verfügen nur wenige Labore im Osten der Demokratischen Republik Kongo über die notwendige Ausrüstung, das erforderliche Material und entsprechend geschultes Personal, um die Tests sicher durchzuführen.

Wie wird Ebola behandelt? 

Seit Oktober 2020 sind die Therapeutika Inmazeb® (REGN-EB3) und 2020 Ebanga (mAB114) für die Behandlung von Zaire-Ebola-Infektionen zugelassen.  

In Ausbrüchen, die durch einen anderen Typ verursacht werden, werden weiterhin zunächst experimentelle Therapieoptionen untersucht bzw. die Krankheit symptomatisch behandelt.   

Gegen das Bundibugyo-Virus, das die aktuelle Epidemie ausgelöst hat, gibt es derzeit weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene spezifische Behandlung.

Am 2. Juli 2026 wurde in der Demokratischen Republik Kongo im Rahmen des von der WHO gesponserten «PARTNERS Trial» eine klinische Therapiestudie gestartet.

Die symptomatische Behandlung beinhaltet unterstützende Massnahmen:  

  • Symptome wie Fieber und Übelkeit lindern Ärzt:innen mit Fieber- und Schmerzmitteln.  
  • Mit Trinklösungen normalisieren sie den Flüssigkeitshaushalt der Patient:innen (Rehydrierung).  
  • Ausserdem behandeln sie zusätzliche Krankheiten der Patient:innen wie Malaria oder eine Sepsis.  
  • Das Gesundheitspersonal unterstützt die Patient:innen bei der Ernährung.  
  • Die Patient:innen sollten zudem isoliert werden, um eine Ansteckung bisher nicht infizierter Menschen zu verhindern.  
  • Die von Ebola Betroffenen und ihre Familien sollten psychologisch unterstützt werden.  

Von zentraler Bedeutung ist, die Übertragung des Ebola-Virus zu vermeiden:   

  • Patient:innen werden in speziellen Behandlungszentren betreut, in denen strenge Vorschriften zur Kontrolle der Infektion gelten.   
  • Darüber hinaus ist es wichtig, alle weiteren möglicherweise Infizierten zu finden, zu denen Patient:innen mit Ebola zuvor Kontakt hatten, sowie Leichen sicher zu bestatten.   
  • Expert:innen klären in Gesundheitskampagnen über die Bedrohung auf und versorgen die Bevölkerung mit Informationen, wie sich diese vor Ebola schützen können und was sie tun sollen, wenn Ebola-Symptome auftreten. 

Ebola-Hilfsmassnahmen von Ärzte ohne Grenzen

Aktuell gibt es zwei Behandlungsmethoden, die auf dem Einsatz von monoklonalen, d. h. virusspezifischen Antikörpern beruhen. Diese erhöhen die Überlebenschancen erheblich. Gleichzeitig können Infusionen nötig sein, um eine Dehydratation infolge von Durchfall zu verhindern. Auch Vitamine oder Schmerzmittel können hilfreich sein. Wenn die Patient:innen das Bewusstsein verlieren und starke Blutungen haben, kann nicht mehr viel für sie getan werden. In diesem Fall lindern wir ihre Schmerzen und stehen ihnen bis zum Schluss mit Palliativpflege bei.

Um eine Ansteckung des Pflegepersonals zu vermeiden und den Erkrankten die besten Überlebenschancen zu bieten, müssen strikte Vorschriften befolgt werden. Mitarbeitende, die in direktem Kontakt mit Verdachtsfällen oder bestätigten Ebolafällen sind – welche sofort isoliert werden –, müssen eine persönliche Schutzausrüstung tragen. Diese besteht aus einem undurchlässigen Overall, einer Schürze, Überschuhen, Handschuhen, einer Schutzmaske und Schutzbrille. Zwischen den Isolationsstationen und der Aussenwelt werden Dekontaminationsschleusen eingerichtet.

Bei einem Ebola-Ausbruch ist es entscheidend, dass die Bekämpfungsmassnahmen in direkter Nähe der betroffenen Bevölkerung stattfinden. Ärzte ohne Grenzen empfiehlt deshalb die Einrichtung von kleineren Gesundheits- oder Isolationszentren, wo Patient:innen möglichst in der Nähe ihres Wohnorts erste Hilfe erhalten. Im Gegenzug können spezialisierte Einrichtungen Kranken in fortgeschrittenem Stadium mehr Behandlungsmöglichkeiten bieten. Bei vergangenen Ausbrüchen wurden Ebola-Kranke häufig direkt in grosse Einrichtungen ausserhalb ihrer Gemeinschaft gebracht, was bei der Bevölkerung zu Ablehnung führte und Gerüchte entstehen liess. Es ist deshalb zentral, Hand in Hand mit der betroffenen Bevölkerung zu arbeiten, um so direkt auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können.

Diese Ebola-Epidemie ist nicht die einzige Herausforderung für die öffentliche Gesundheit in der Demokratischen Republik Kongo. Sie verschärft eine bereits bestehende humanitäre Krise.

Eine der wichtigsten Lehren aus früheren Ebola-Epidemien ist, dass die medizinische Grundversorgung auch während eines Ausbruchs gewährleistet und ausreichend finanziert werden muss.

Während der grossen Ebola-Epidemie in Westafrika nahmen unsere Behandlungszentren insgesamt 10 376 Patient:innen auf, darunter 5 226, die positiv auf Ebola getestet worden waren.

Eindämmung des Virus und Hilfe für Überlebende

Um eine Epidemie einzudämmen, muss die gesamte Ansteckungskette verfolgt werden. Dazu müssen sämtliche Kontaktpersonen der Verdachtsfälle ausfindig gemacht werden, die anschliessend überwacht und vom ersten Anzeichen einer Ansteckung an isoliert werden. Schliesslich müssen die betroffenen Gemeinschaften über die Krankheit und die zu treffenden Vorsichtsmassnahmen informiert werden, um das Infektionsrisiko zu begrenzen.

Die Einbindung der lokalen Gemeinschaften ist heute entscheidend und wird es auch in den kommenden Monaten bleiben. Sie ist unabdingbar für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, eine frühzeitige Versorgung und die Umsetzung der Massnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit.

Dass die Menschen die Massnahmen zur Eindämmung der Epidemie mittragen, ist keineswegs selbstverständlich. Viele Menschen in der Demokratischen Republik Kongo haben bereits frühere Ebola-Epidemien erlebt. Die teils belastenden und traumatischen Erfahrungen prägen ihre Wahrnehmung der aktuellen Massnahmen bis heute.

Während des Ausbruchs in der DR Kongo im Jahr 2018 hat sich der Impfstoff Ervebo als wirksamer Schutz gegen den Zaire-Stamm des Ebola-Virus erwiesen. Dieser ist nun fester Teil der Bekämpfungsmassnahmen bei einem Ebola-Ausbruch.

Überlebende von Ebola haben häufig mit Spätfolgen zu kämpfen, die man «Post-Ebola-Syndrom» nennt. Dazu gehören Gelenkschmerzen, chronische Müdigkeit oder Seh- und Hörprobleme. Rund ein Viertel der Überlebenden zeigen Anzeichen für posttraumatischen Stress und genauso viele leiden unter Depressionen.

Aktualisiert am 8.07.2026