100 jours d'Ebola - Décontamination
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© Julien Dewarichet/MSF

100 Tage Ebola-Krankheit in der DR Kongo: Zur Eindämmung des Ausbruchs muss Hilfe schneller und flexibler sein

Der Ausbruch der Ebola-Krankheit in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) dauert bald 100 Tage an. Ärzte ohne Grenzen warnt, dass die Hilfe für die betroffenen Gebiete nicht ausreicht, um die Krankheit unter Kontrolle zu bringen. Der Ausbruch ist mittlerweile zum grössten in der Geschichte des Landes geworden, mit einer so hohen Zahl von Todesfällen wie noch nie. Die Krankheit breitet sich weiterhin mit alarmierender Geschwindigkeit aus und trifft die Bevölkerung von Orten, die bereits unter den Folgen von bewaffneten Konflikten, Vertreibung, Hunger und anderen gesundheitlichen Krisen leiden.

Benötigt werden dringend Schulungen für das Gesundheitspersonal und Gemeindevorsteher:innen zur Fallerkennung und Überweisung an Gesundheitseinrichtungen sowie verstärkte Massnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle.

In der vergangenen Woche wurde im Schnitt halbstündlich ein Ebola-Todesfall gemeldet. Von Beginn des Ausbruchs bis zum 16. August wurden mehr als 5000 bestätigte Fälle und über 2300 Todesfälle gemeldet.

Diese Epidemie breitet sich mit einer Geschwindigkeit aus, mit der die Hilfe nicht mithalten kann. Behandlungszentren sind unverzichtbar, um Leben zu retten, aber es braucht mehr als zusätzliche Betten. Wichtig sind auch eine bessere Erkennung, sichere Isolierstationen für Erkrankte und ihre Kontaktpersonen, aber auch mehr Unterstützung für das Gesundheitspersonal. Auch Menschen, die aus anderen Gründen eine Gesundheitseinrichtung aufsuchen, müssen vor einer Ansteckung geschützt werden. Entscheidend ist, dass die Massnahmen gemeinsam mit der Bevölkerung erarbeitet werden und nicht an ihnen vorbei.

Dr. Javid Abdelmoneim, internationaler Präsident von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF).

So waren im Vertriebenencamp Rho bei Drodro in der Provinz Ituri Gemeindevorsteher:innen gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen im Einsatz, um Menschen mit Symptomen zu ermutigen, sich frühzeitig testen, isolieren und behandeln zu lassen. Sie machten auch auf die Wichtigkeit von Massnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle aufmerksam, um das Risiko einer Übertragung zu verringern. Denn in dem überfüllten Camp leben fast 50 000 Menschen auf engem Raum. Die gemeinsamen Bemühungen trugen dazu bei, die Ausbreitung von Ebola einzudämmen und die Sterblichkeitsrate zu senken.

«Wir kennen unsere Gemeinschaften und wissen, wie wir unsere Leute erreichen können», erzählt Ezrome Kiza Lumani, eine im Camp lebende Gemeindevorsteherin. «Als Ebola ausbrach, haben wir nicht erst abgewartet. Wir haben mit den Familien gesprochen, uns ihre Ängste angehört und Menschen mit Symptomen dazu ermutigt, medizinische Hilfe aufzusuchen. Wir haben eine entscheidende Rolle bei der Eindämmung dieses Ausbruchs.»

Ebola map
© MSF

 

 

Seit der offiziellen Bekanntgabe des Ausbruchs wurden mehr als 60 Prozent der Ebola-Todesfälle in der DR Kongo ausserhalb der Ebola-Behandlungszentren verzeichnet, oft sogar weit davon entfernt. Das bedeutet, dass viele Menschen zu Hause oder in ihrem Dorf sterben, ohne eine Behandlung erhalten zu haben. So kann sich das Virus unbemerkt weiter ausbreiten. Besorgniserregend ist, dass die Fallzahlen auch ausserhalb des Epizentrums Ituri rapide ansteigen. In der Provinz Nord-Kivu sind sowohl die Sterblichkeitsraten als auch das Misstrauen gegenüber den Hilfsmassnahmen besonders hoch.

Da nun Fälle in Gebieten auftreten, in denen es bisher nur wenig oder gar keine Erfahrung mit der Ebola-Krankheit gab, braucht es dringend medizinische Fachkräfte, die für den Umgang hiermit geschult sind – nicht nur in den Behandlungszentren, sondern auch direkt in den Dörfern.

Trish Newport, Programmleiterin für Notfalleinsätze von Ärzte ohne Grenzen in der Provinz Ituri.

Ärzte ohne Grenzen ist aktuell in den Provinzen Ituri, Nord-Kivu, Süd-Kivu, Tshopo und Haut-Uélé im Einsatz. Dort leiten die Teams sechs Ebola-Behandlungszentren und mehrere Beobachtungsstationen in den betroffenen Gebieten. Die mehr als 430 Betten machen einen Drittel aller Betten aus, die im Rahmen der gesamten Hilfsmassnahmen zur Verfügung stehen. Insgesamt sind mehr als 1400 Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen im Einsatz. Seit Beginn des Ausbruchs haben unsere Teams mehr als 2000 Patient:innen aufgenommen, von denen bei mehr als 800 die Ebola-Krankheit bestätigt wurde.

In Beni, in der Provinz Nord-Kivu, arbeiteten wir daran, unsere Hilfsmassnahmen in die Dörfer zu verlagern. Durch die Unterstützung bestehender Einrichtungen, die auch allgemeine Gesundheitsdienste anbieten – was ebenfalls entscheidend ist, um Leben zu retten –, kann rasch mit einer symptomatischen Behandlung begonnen werden. Es muss im ganzen Land mehr dafür getan werden, damit die Menschen sich näher an ihrem Wohnort behandeln lassen können.

«Gesundheitspersonal und Gemeindevorsteher:innen müssen so geschult werden, dass sie Fälle frühzeitig erkennen und bei Bedarf weiterverweisen können. Sie sollen in der Lage sein, sich selbst und andere vor einer Ansteckung zu schützen und für eine bessere Infektionsprävention und -kontrolle zu sorgen», so Newport. «Dazu braucht es dringend zusätzliche Anstrengungen von allen – von der WHO, anderen UN-Organisationen, anderen Hilfsorganisationen, inklusive Ärzte ohne Grenzen, und von den kongolesischen Gesundheitsbehörden.»

Gemeindevorsteher wie Emery Guba Mateso, ebenfalls aus dem Vertriebenencamp Rho, teilen ihre Erfahrungen mit dem Ziel, die Menschen zu ermutigen, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Er verlor seinen Sohn an Ebola und steckte sich später selbst mit der Krankheit an.

Als jemand, der selbst an Ebola erkrankte und wieder gesund wurde, kann ich es nicht genug betonen: Bei ersten Symptomen ist es von grösster Wichtigkeit, unverzüglich medizinische Hilfe aufzusuchen, denn eine frühzeitige Behandlung erhöht die Heilungschancen enorm.

Emery Guba Mateso, Gemeindevorsteher und Ebola-Überlebender