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DR Kongo: Ebola darf andere Gesundheitskrisen nicht vergessen machen
Demokratische Republik Kongo 4 Min.
Seit Beginn des Ebola-Ausbruchs steht diese Krise im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit und erhält auch die grösste finanzielle Unterstützung. Dies ist zweifellos nötig, um die Epidemie einzudämmen. Es ist jedoch wichtig, dass dadurch die anderen gesundheitlichen und humanitären Bedürfnisse in Nord- und Süd-Kivu nicht in den Hintergrund gedrängt werden.
Tatsächlich betrifft der Ausbruch ein Gebiet, das bereits mit zahlreichen anderen Krisen zu kämpfen hat. Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Gruppen führen immer wieder dazu, dass ganze Bevölkerungsgruppen vertrieben werden, es kommt zu Unterbrechungen von Impfkampagnen oder Einschränkungen beim Zugang zu Trinkwasser und medizinischer Versorgung.
Dazu kommt nun die Angst vor der Krankheit Ebola. In Provinzen, in denen die Epidemie grassiert, suchen erkrankte Menschen oft keine Gesundheitseinrichtung auf, aus Angst, sich mit dem Bundibugyo-Ebolavirus anzustecken. Zu späte medizinische Hilfe kann jedoch dazu führen, dass selbst häufige Krankheiten zu einer Gefahr werden und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen.
Ebola ist ein Notfall, keine Frage. Aber es ist nicht der einzige. Jeden Tag betreuen wir auch Patient:innen mit diversen anderen Krankheiten oder mit gewaltbedingten Verletzungen sowie Überlebende von sexualisierter Gewalt. Es braucht Hilfsmassnahmen, um all diese Probleme gleichzeitig anzugehen. Wenn die medizinische Grundversorgung beeinträchtigt ist, besteht die Gefahr, dass mehr Menschen an vermeidbaren Krankheiten sterben. Deshalb ist es äusserst wichtig, den Betrieb der regulären Gesundheitsdienste aufrechtzuerhalten.
Deutlicher Anstieg von Masern- und Cholera-Erkrankungen
Im Schatten von Ebola breiten sich im Osten des Landes andere Krankheiten aus. Offiziellen Angaben zufolge wurden von Januar bis zum 19. Juli 2026 landesweit mehr als 108 600 Masern-Verdachtsfälle und 1394 Todesfälle gemeldet. Fast die Hälfte der Fälle, mehr als 50 800, wurden in Nord- und Süd-Kivu erfasst. Gleichzeitig wurden im Land fast 35 500 Cholera-Verdachtsfälle und rund 1050 Todesfälle gemeldet; mehr als 14 800 der gemeldeten Fälle stammten aus diesen beiden Provinzen.
Ärzte ohne Grenzen ist mit Teams in Nord- und Süd-Kivu präsent und hat bereits sechs Einsätze zur Bekämpfung der Masern durchgeführt, zuletzt in Shabunda in Süd-Kivu und in Walikale in Nord-Kivu. Insgesamt konnten mehr als 12 050 Patient:innen behandelt und über 283 150 Kinder geimpft werden.
Kinder spielen im Ruzizi-Fluss, wo eine Chlorierungsanlage installiert wurde, um das Wasser trinkbar zu machen und die Übertragung von Cholera zu verhindern.
Gleichzeitig bereitet den Teams der Vormarsch von Cholera Sorge. Tatsächlich war es im letzten Jahr in Süd-Kivu zu einem sprunghaften Anstieg der Cholera-Erkrankungen gekommen, weshalb Ärzte ohne Grenzen die Hilfsmassnahmen in Bukavu und Shabunda weiterführt. Auch in Goma bekämpften die Teams von Mai bis Anfang August einen Cholera-Ausbruch. Dabei wurden insgesamt mehr als 2400 Cholera-Patient:innen in den von uns unterstützten Einrichtungen behandelt.
Für die Familien, denen wir helfen, gibt es keine Rangordnung unter den Krankheiten. Ob ein Kind an Masern oder Malaria stirbt, ob ein Mensch der Cholera oder Ebola erliegt – es ist immer gleich schlimm.
Neben der Bekämpfung dieser Krankheiten stellen die Teams auch die medizinische Grundversorgung in Masisi, Mweso, Walikale, Bambo, Kibirizi, Kirotshe, Goma und Rutshuru in Nord-Kivu sowie in Minova, Bunyakiri und Uvira in Süd-Kivu sicher. Angesichts des anhaltenden Hilfebedarfs reicht dies jedoch bei weitem nicht aus. Damit auch besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen Zugang zu Gesundheitsversorgung haben, braucht es dringend verstärkte Massnahmen von den Gesundheitsbehörden und anderen Hilfsorganisationen.
Andere Krisen nicht vernachlässigen
Während der Hilfebedarf stetig steigt, schrumpfen die verfügbaren Finanzmittel. So könnte etwa Nord-Kivu aus dem nächsten dreijährigen Finanzierungszyklus des Globalen Fonds zur Malariabekämpfung ausgeschlossen werden.
Dabei ist Malaria nach wie vor die häufigste Krankheitsursache in der DR Kongo, auch in Nord-Kivu. Die Kämpfe zwischen verfeindeten Gruppen zwingen viele Familien dazu, in den Wäldern oder in abgelegenen Gegenden Zuflucht zu suchen, wo sie Mücken schutzlos ausgesetzt sind und medizinische Versorgung besonders schwer erreichbar ist.
Es besteht die Gefahr, dass ausgerechnet die Mittel zur Bekämpfung von Malaria gekürzt werden, obwohl die Krankheit in dieser Region die meisten Todesopfer fordert. Es darf nicht sein, dass zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs beträchtliche Ressourcen bereitgestellt werden und gleichzeitig die Massnahmen gegen eine andere Krankheit reduziert werden – zumal diese weiterhin weit mehr Todesfälle verursacht.
Jahrelange Konflikte, massive Bevölkerungsvertreibungen und die konstant unsichere Lage haben dem Gesundheitssystem in Nord- und Süd-Kivu stark zugesetzt. Hinzu kamen die drastischen Mittelkürzungen für humanitäre Hilfe. Wegen Personalmangels, fehlender Medikamente oder Gerätschaften sind zahlreiche Gesundheitszentren und Spitäler nur teilweise funktionsfähig; andere mussten aufgrund der Gewalt den Betrieb sogar ganz einstellen. In mehreren Gebieten haben hunderttausende Menschen nach wie vor keinen verlässlichen Zugang zu medizinischer Versorgung.
«Der Bedarf an medizinischer und humanitärer Hilfe im Osten der DR Kongo nimmt weiter zu. Wir appellieren daher an die Behörden, Geldgeber und andere humanitäre Akteur:innen, ihre Investitionen und Aktivitäten im Land aufrechtzuerhalten und nach Möglichkeit zu verstärken. Es müssen alle Krisen mit der gleichen Dringlichkeit angegangen werden», so Eckley abschliessend.