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Psychologische Unterstützung bei Ebola-Fieber – auch für Angehörige
Demokratische Republik Kongo 4 Min.
Im Gang des Ebola-Behandlungszentrums in Butembo, Nord-Kivu, sitzt Kasoki Zawadi auf einem Plastikstuhl vor dem Fenster, das sie von Victoire, ihrem Ehemann, trennt. Er wurde vor 13 Tagen hospitalisiert. Hinter dem Fenster erhellt ein Lächeln bisweilen sein Gesicht.
Das Zentrum, in dem Victoire behandelt wird, gehört zu den Einrichtungen, in denen Ärzte ohne Grenzen die Versorgung von Patient:innen unterstützt, die am Ebola-Fieber leiden. Von Mai bis Ende Oktober 2026 gab es in Butembo 1472 bestätigte Krankheits- und 735 Todesfälle. Die Epidemie trifft eine ohnehin bereits mit einer prekären Sicherheitslage und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten konfrontierte Bevölkerung. Viele in der Region haben Vertriebene bei sich aufgenommen, obwohl Ausgangssperren und Handelsengpässe ihnen selbst den Alltag erschweren.
Im Behandlungszentrum betreuen unsere Teams nicht nur Patient:innen, sondern auch deren Angehörige, die mit der Angst vor der Krankheit und dem Warten auf die Testergebnisse umgehen müssen. Ab dem Tag der Einweisung stehen ihnen daher Psycholog:innen zur Verfügung, die ein offenes Ohr für ihre Sorgen haben, ihnen die Abläufe im Spital erklären und versuchen, ihnen die Angst davor zu nehmen.
Kasoki kommt jeden Morgen um 6.30 Uhr ins Zentrum und bleibt bis 18.30 Uhr. Ihr Schwager löst sie dann für die Nacht ab. «Wir können trotz der Plexiglasscheibe miteinander reden», erzählt sie. «Dass ich ihn besuchen darf und wir so miteinander kommunizieren können, hilft sehr.»
Sie ist Lehrerin, doch seit der Einweisung ihres Mannes arbeitet sie nicht mehr. Familienangehörige helfen den beiden in dieser Zeit finanziell über die Runden. Auch um ihre eigene Gesundheit macht sich Kasoki Sorgen, und wenn sie nach Hause geht, vermisst sie ihren Mann: «Am Abend, wenn ich nach Hause komme und mein Mann nicht da ist, kann ich nicht gut schlafen.»
Einige Tage später erzählt uns Kasoki, dass ein negatives Testergebnis ihnen Hoffnungen auf eine baldige Entlassung gemacht habe. Doch das nächste Ergebnis fiel dann wieder positiv aus.
Das war ein grosser Rückschlag für uns, psychisch wie physisch. Zum Glück hatten wir psychologische Unterstützung, die uns erneut Mut machte und das Warten erleichterte.
Den Kontakt aufrechterhalten – auch während des Spitalaufenthalts
Victoire, der sich mit dem Ebola-Virus infiziert hat, verbringt seine Tage im Notfallbehandlungszentrum (ETC) von Kitatumba in Butembo und wartet darauf, die Einrichtung verlassen zu können, sobald sich sein Gesundheitszustand verbessert. Er glaubt, sich das Ebola-Virus während seiner Tätigkeit als Krankenpfleger in einem anderen Krankenhaus zugezogen zu haben, da er einen Patienten betreut hat, bei dem später eine Ebola-Infektion festgestellt wurde.
Die Erkrankung und die darauffolgende Einweisung in ein Behandlungszentrum können Patient:innen wie Angehörige aus der Bahn werfen. Patrice Muyisa Kokotz, Leiter des psychologischen Dienstes in Butembo, bietet ihnen psychologische Unterstützung an. Er sieht, mit welchen Ängsten die Menschen ins Zentrum kommen: Angst vor der Krankheit, aber auch davor, was sie hier erwartet. Für viele kommt die Isolation einem Wegsperren gleich. Sie haben Angst, sich selbst überlassen zu werden.
«Bei uns können sie frei reden, über ihre Vergangenheit, ihre Sorgen», erklärt Patrice. Sein Team klärt sie über die Abläufe im Zentrum und die Behandlungen auf und organisiert die Besuche.
Manche sind auch der Ansicht, dass psychologische Unterstützung den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann.
«Das durch das Bundibugyo-Virus verursachte Ebola-Fieber ist eine schwere und traumatisierende Erkrankung. Die Betroffenen stehen unter enormem Stress und haben das Gefühl, jederzeit sterben zu können», erklärt Rachel Kashimoto, klinische Psychologin, die für Ärzte ohne Grenzen in Beni, ebenfalls in Nord-Kivu, im Einsatz ist.
«Psychische Labilität und fehlende psychologische Unterstützung können dazu führen, dass sich die Patient:innen auch körperlich schlechter fühlen. Bei psychisch stabilen Menschen, die richtig betreut werden, ist es dagegen umgekehrt: Denn wer sich die Hoffnung auf Heilung bewahrt, folgt auch eher den Anweisungen des medizinischen Personals. Der Zustand der Patient:innen kann sich dann mitunter rasch verbessern.»
Die Rückkehr nach Hause begleiten
Das psychologische Angebot endet nicht am Austrittstag. In Mongbwalu, Ituri, werden Geheilte auch noch mehrere Monate nach ihrer Entlassung in der «Klinik für Überlebende» begleitet. In diesem Rahmen werden sie regelmässig untersucht, um möglichen Spätfolgen der Erkrankung vorzubeugen, und erhalten auch längerfristig psychologische Betreuung.
«Wir organisieren dort Einzel- und Gruppengesprächstherapien», so Phoebe Zueya Yonkeu, Verantwortliche psychische Gesundheit im Ebola-Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen in Mongbwalu. «Viele berichten, dass sie nach ihrer Rückkehr ihre Arbeit verloren haben, stigmatisiert und ausgegrenzt wurden, weil sie noch immer als ansteckend galten. Andere hegen Schuldgefühle gegenüber ihren Angehörigen, die die Krankheit nicht überlebt haben, und fragen sich, ob sie vielleicht sogar an ihrer Ansteckung schuld sind.»
Patrice Muyisa Kokotz, Leiter des Bereichs psychische Gesundheit in Butembo. Er ist 23 Jahre alt und stammt aus Butembo.
Selbst wenn die Entlassung nach Hause für manche mit Stigmatisierung und der traumatisierenden Erfahrung einhergeht, knapp dem Tod entronnen zu sein, ist die Rückkehr in die gewohnte Umgebung auch eine grosse Erleichterung für die Überlebenden und ihre Angehörigen.
Im Behandlungszentrum in Butembo erfahren Kasoki und Victoire am 23. Tag seines Aufenthalts, dass er noch am selben Tag entlassen wird. Victoire wurde erneut negativ getestet, und er und Kasoki dürfen endlich nach Hause.
Dass Kasoki zu mir durfte, war praktisch Teil der Behandlung. Das gab mir Trost. Sie zu sehen, hat mir geholfen, mit der Angst umzugehen.