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Nord-Kivu: Zunehmende Ausbreitung der Ebola-Krankheit bringt Behandlungszentren an ihre Grenzen
Demokratische Republik Kongo 2 Min.
Inzwischen entfallen fast 40 Prozent aller neu bestätigten Infektionen im Land auf die Provinz Nord-Kivu. Ende August waren es noch 24 Prozent. Infolge der raschen Ausbreitung können die lokalen Gesundheitseinrichtungen den wachsenden Zustrom von Erkrankten kaum noch bewältigen. Sowohl die anderen Patient:innen als auch das Gesundheitspersonal selbst sind einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt.
Wir sind wie Feuerwehrleute im Kampf gegen einen gewaltigen Flächenbrand: Überall brechen gleichzeitig Feuer aus, die unterschiedlich heftig sind und weit auseinanderliegen.
«Solange immer neue Infektionsherde auftreten, lässt sich diese Epidemie nicht eindämmen. Die Entwicklung der Epidemie ist zurzeit sehr dynamisch. In Butembo sanken die Fallzahlen vergangene Woche leicht, während sie in Beni stark anstiegen. Doch die Lage kann sich jederzeit ändern. Wir müssen befürchten, dass sie sich in den kommenden Wochen weiter verschärft.»
Behandlungszentren stossen an ihre Grenzen und das Ansteckungsrisiko steigt
In Nord-Kivu erkranken immer mehr Menschen am Ebola-Fieber. Doch die Möglichkeiten, sie medizinisch zu versorgen, sind weiterhin stark begrenzt.
Am 28. September befanden sich noch 34 Prozent der positiv getesteten Patient:innen in Einrichtungen ohne geeignete Versorgungsmöglichkeiten. Grund dafür waren überlastete Ebola-Behandlungszentren und Verzögerungen bei den Diagnosen. Diese Einrichtungen erhalten keinerlei gezielte Unterstützung für die Versorgung von Ebola-Erkrankten, was die Gefahr von Virusübertragungen zwischen Patient:innen und medizinischem Personal erheblich erhöht.
Bis vor Kurzem gab es im Gebiet um Butembo nur zwei spezialisierte Behandlungszentren. Inzwischen wurden zwar zwei weitere Zentren eröffnet, doch in den nicht spezialisierten Einrichtungen entspricht die Qualität der Versorgung weiterhin nicht den Standards, die für die Behandlung des hämorrhagischen Fiebers erforderlich sind.
Vertrauen schaffen, damit Erkrankte rechtzeitig medizinische Hilfe suchen
Gesundheitseinrichtungen allein können die Ausbreitung der Krankheit nicht stoppen. Noch immer ereignen sich über 60 Prozent der Ebola-bedingten Todesfälle ausserhalb von Gesundheitseinrichtungen.
Ebenso wichtig ist es daher, das Vertrauen zwischen den Menschen vor Ort und den an der Eindämmung der Epidemie beteiligten Akteuren zu stärken. Denn nur wenn die Erkrankten Vertrauen haben, lassen sie sich auch behandeln und isolieren. Ohne dieses Vertrauen drohen in den kommenden Wochen noch mehr Todesfälle und eine weitere Ausbreitung der Krankheit auf benachbarte Regionen.
Damit Erkrankte nicht aus Angst oder Misstrauen gegenüber den Massnahmen zur Eindämmung der Epidemie zu Hause bleiben, arbeitet Ärzte ohne Grenzen eng mit Vertreter:innen der betroffenen Bevölkerungsgruppe, lokalem Gesundheitspersonal und Jugendorganisationen zusammen. Wir möchten die Menschen dazu ermutigen, sich schnell testen zu lassen, die Notwendigkeit einer Isolierung verständlich erklären und das Vertrauen in die medizinische Versorgung wiederherstellen.
Die Gesundheitskrise in Nord-Kivu hat ein Ausmass erreicht, das Ärzte ohne Grenzen nicht allein bewältigen kann. In der gesamten Provinz werden dringend zusätzliches Personal und mehr logistische Mittel benötigt.