Demokratische Republik Kongo, 22.09.2014
Demokratische Republik Kongo, 22.09.2014
© Gabriele François Casini/MSF

Ebola: eine schwere Krankheit – aber es gibt Massnahmen, um Epidemien einzudämmen

Die Viren des Typs Ebola verursachen hämorrhagisches Fieber, das zu inneren oder äusserlichen Blutungen führt. Diese Infektionskrankheiten verlaufen oft tödlich. Jahrzehntelang gab es weder eine Behandlung noch eine Impfung, um sich vor der Krankheit zu schützen. Seit 2018 werden jedoch während Ebola-Ausbrüchen Impfstoffe eingesetzt, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen.

Das Virus wurde 1976 entdeckt. Im März 2014 wütete die weltweit grösste Ebola-Epidemie der Geschichte. Innerhalb von fast zwei Jahren wurden in den drei westafrikanischen Staaten Guinea, Sierra Leone und Liberia mehr als 28 000 Ebola-Fälle und rund 11 000 Todesfälle erfasst. Ärzte ohne Grenzen hat vor Ort Ebola-Behandlungszentren eingerichtet. Unsere Teams boten auch psychologische Betreuung an, führten Massnahmen zur Gesundheitsförderung durch, halfen bei der epidemiologischen Überwachung, der Kontaktnachverfolgung und bei der Organisation von sicheren Bestattungen.

Sobald ein Ebola-Ausbruch gemeldet wird, hält sich Ärzte ohne Grenzen bereit, um die jeweiligen Gesundheitsministerien bei ihren Bekämpfungsmassnahmen zu unterstützen. Unsere Teams behandeln dabei nicht nur Erkrankte, sondern geben auch Schulungen für lokales und internationales Personel (vor Ort, aber auch in Europa) und beteiligen sich aktiv an Forschungsprojekten.

Symptome

  • plötzliches hohes Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • allgemeines Unwohlsein
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Hautausschlag
  • Blutungen

Die Reaktion auf Ebola war nicht nur aufgrund von fehlenden internationalen Mitteln begrenzt, es mangelte auch am politischen Willen, der betroffenen Bevölkerung schnell zu helfen. Bei der Bekämpfung einer Epidemie muss der Fokus auf den Bedürfnissen der Patienten und betroffenen Bevölkerungsgruppen liegen und nicht auf politischen Interessen.

Joanne Liu, internationale Präsidentin von MSF

Eine seltene, aber gefährliche Krankheit

Ebola ist die Bezeichnung für mehrere Stämme desselben Virus, das beim Menschen erstmals 1976 im Südsudan und in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) entlang des Flusses Ebola festgestellt wurde.

Ebola ist eine sehr seltene Krankheit. In rund der Hälfte der Fälle verläuft sie tödlich – die Zahl variiert zwischen 25 und 90 %, je nach Virusstamm und Behandlung. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis 21 Tagen verursacht die Krankheit Symptome, die jenen von Krankheiten wie Malaria ähneln. Das Virus breitet sich über das Blut aus und schaltet das Immunsystem aus. Ebola ist umso gefährlicher, als die Viren vom Organismus nicht sofort erkannt werden. Bis der Körper reagiert, ist es oftmals schon zu spät. Das Virus verursacht Blutgerinnsel, die die Blutgefässe verstopfen, was schliesslich zu starken Blutungen und einem Versagen der lebenswichtigen Organe führt.

Übertragungswege der Krankheit

Die Krankheit wird durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten von infizierten Menschen oder Tieren (wie die Flughunde, die als Reservoir der Krankheit gelten) wie Urin, Schweiss, Blut oder Muttermilch übertragen. Familienangehörige und Pflegepersonal, die an Ebola Erkrankte pflegen, sind einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Auch die Bestattungsrituale, während denen Angehörige die Verstorbenen waschen, bergen ein hohes Ansteckungsrisiko.

Ebola-Hilfsmassnahmen von Ärzte ohne Grenzen

Aktuell gibt es zwei Behandlungsmethoden, die auf dem Einsatz von monoklonalen, d. h. virusspezifischen Antikörpern beruhen. Diese erhöhen die Überlebenschancen erheblich. Gleichzeitig können Infusionen nötig sein, um eine Dehydratation infolge von Durchfall zu verhindern. Auch Vitamine oder Schmerzmittel können hilfreich sein. Wenn die Patient:innen das Bewusstsein verlieren und starke Blutungen haben, kann man nicht mehr viel für sie tun. In diesem Fall lindern wir ihre Schmerzen und stehen ihnen bis zum Schluss mit Palliativpflege bei.

Um eine Ansteckung des Pflegepersonals zu vermeiden und den Erkrankten die besten Überlebenschancen zu bieten, müssen strikte Vorschriften befolgt werden. Mitarbeitende, die in direktem Kontakt mit Verdachtsfällen oder bestätigten Ebolafällen sind – welche sofort isoliert werden –, müssen eine persönliche Schutzausrüstung tragen. Diese besteht aus einem undurchlässigen Overall, einer Schürze, Überschuhen, Handschuhen, einer Schutzmaske und Schutzbrille. Zwischen den Isolationsstationen und der Aussenwelt werden Dekontaminationsschleusen eingerichtet.

Bei einem Ebola-Ausbruch ist es entscheidend, dass die Bekämpfungsmassnahmen in direkter Nähe der betroffenen Bevölkerung stattfinden. Ärzte ohne Grenzen empfiehlt deshalb die Einrichtung von kleineren Gesundheits- oder Isolationszentren, wo Patient:innen möglichst in der Nähe ihres Wohnorts erste Hilfe erhalten. Im Gegenzug können spezialisierte Einrichtungen Kranken in fortgeschrittenem Stadium mehr Behandlungsmöglichkeiten bieten. Bei vergangenen Ausbrüchen wurden Ebola-Kranke häufig direkt in grosse Einrichtungen ausserhalb ihrer Gemeinschaft gebracht, was bei der Bevölkerung zu Ablehnung führte und Gerüchte entstehen liess. Es ist deshalb zentral, Hand in Hand mit der betroffenen Bevölkerung zu arbeiten, um so direkt auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können.

Während der grossen Ebola-Epidemie in Westafrika nahmen unsere Behandlungszentren insgesamt 10 376 Patient:innen auf, darunter 5 226, die positiv auf Ebola getestet worden waren.

Eindämmung des Virus und Hilfe für Überlebende

Um eine Epidemie einzudämmen, muss die gesamte Ansteckungskette verfolgt werden. Dazu müssen sämtliche Kontaktpersonen der Verdachtsfälle ausfindig gemacht werden, die anschliessend überwacht und vom ersten Anzeichen einer Ansteckung an isoliert werden. Schliesslich müssen die betroffenen Gemeinschaften über die Krankheit und die zu treffenden Vorsichtsmassnahmen informiert werden, um das Infektionsrisiko zu begrenzen.

Während des Ausbruchs in der DR Kongo im Jahr 2018 hat sich der Impfstoff Ervebo als wirksamer Schutz gegen den Zaire-Stamm des Ebola-Virus erwiesen. Dieser ist nun fester Teil der Bekämpfungsmassnahmen bei einem Ebola-Ausbruch.

Die Überlebenden von Ebola haben häufig mit Spätfolgen zu kämpfen, die man «Post-Ebola-Syndrom» nennt. Dazu gehören Gelenkschmerzen, chronische Müdigkeit oder Seh- und Hörprobleme. Rund ein Viertel der Überlebenden zeigen Anzeichen für posttraumatischen Stress und genauso viele leiden unter Depressionen.

FOKUS: EPIDEMIE 2014

Inwiefern hat sich diese Epidemie von den vorherigen unterschieden?

Diese Ebola-Epidemie war sowohl in Bezug auf die geographische Verteilung als auch die Anzahl der Fälle die grösste der Geschichte. Während die vorherigen Epidemien in örtlich sehr begrenzten Regionen stattfanden, brach die Krankheit dieses Mal in Guéckédou in Guinea aus, das ein Handelsknoten im Dreiländereck Guinea–Liberia–Sierra Leone ist. Der starke Warenhandel und -transport begünstigte die Ausbreitung der Epidemie zwischen den verschiedenen Städten und Ländern. Die Situation geriet schnell ausser Kontrolle und die Epidemie erreichte Hauptstädte mit mehreren Millionen Einwohnern, insbesondere überbevölkerte Armenviertel. Trotz der wiederholten Appelle von MSF liessen die Einsätze der anderen militärischen, zivilen und Nichtregierungsorganisationen auf sich warten. An einem bestimmten Punkt der Epidemie waren die Teams in Monrovia in Liberia so überfordert, dass sie ansteckenden Patienten den Zugang zum Spital verweigern mussten, da keine Betten mehr frei waren.

Welches waren die grössten Schwierigkeiten vor Ort?

MSF hatte mit zahlreichen und hartnäckigen Gerüchten vor Ort zu kämpfen. Die Krankheit, die in dieser Region Afrikas noch unbekannt ist, die hohe Sterblichkeitsrate und die nicht vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten führten in der Bevölkerung zu Panik. Die Behandlungszentren, die «Isolationsstationen» genannt wurden, und sich ausserhalb der Dörfer befanden, verschärften die Ängste gegenüber der Krankheit. Daraufhin wurden die Teams verstärkt, um mehr und besser zu kommunizieren und ein Vertrauensverhältnis mit den Patienten, den Angehörigen und den Dörfern aufzubauen. Eine andere Schwierigkeit besteht darin, dass die Krankheit weiterhin schwer nachzuweisen ist, da die ersten Symptome jenen von Malaria ähneln (Fieber, Erbrechen, Durchfall, allgemeine Abgeschlagenheit). Nur die Tests bestimmter Labore, die in einem hoch ansteckenden Umfeld arbeiten können, können einen Fall von Ebola bestätigen.