Bang Bol, Leiter des Pflegeteams von Ärzte ohne Grenzen, untersucht den 11-jährigen Nhial Mayiel unter der Aufsicht seiner Mutter. Der Junge wird in unserem Spital in Lankien im Bundesstaat Jonglei im Südsudan behandelt.
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Bang Bol, Leiter des Pflegeteams von Ärzte ohne Grenzen, untersucht den 11-jährigen Nhial Mayiel unter der Aufsicht seiner Mutter. Der Junge wird in unserem Spital in Lankien im Bundesstaat Jonglei im Südsudan behandelt.
© Nasir Ghafoor

Südsudan: Regierung verhindert Zugang zu humanitärer Hilfe

Ärzte ohne Grenzen verurteilt die Beschränkungen der Regierung Südsudans für die humanitäre Hilfe. Sie gelten ausschliesslich für Teile der von der Opposition kontrollierten Gebiete im Bundesstaat Jonglei und erschweren es, die dortigen Gemeinden mit lebenswichtiger medizinischer Hilfe zu versorgen. Insbesondere für Kinder, Schwangere und Menschen mit chronischen oder lebensbedrohlichen Erkrankungen hat dies gefährliche Folgen.

Diese Beschränkungen gelten seit Dezember 2025 und betreffen die Orte Lankien, Pieri und Akobo. Infolgedessen sind alle humanitären Flüge ausgesetzt, was es schwierig oder unmöglich macht, medizinische und andere wichtige Hilfsgüter und Personal dorthin zu bringen. Stand 29. Januar müssen mindestens 23 schwerkranke Patient:innen aus Lankien und Pieri dringend verlegt werden, da ihr Leben unmittelbar gefährdet ist.

Die Patient:innen werden sterben, wenn die Regierung weiterhin humanitäre und medizinische Hilfe in Jonglei blockiert. Humanitäre Hilfe einzuschränken und den Zugang der Menschen zu Gesundheitsversorgung zu verhindern, sind ein krudes politisches Manöver. Es ist inakzeptabel, dass sich Behördenvertreter:innen öffentlich dafür aussprechen, massive Gewalt gegen Zivilist:innen einzusetzen und deren Vertreibung zu erzwingen. Wir fordern die südsudanesische Regierung dringend auf, den Schutz der Zivilbevölkerung sicherzustellen.

Abdalla Hussein, Projektverantwortlicher für den Südsudan

Ärzte ohne Grenzen war aufgrund dieser Einschränkungen gezwungen, Mitarbeitende aus Lankien und Akobo zu evakuieren und die dortige medizinische Hilfe auf Notfall- und lebensrettende Versorgung zu reduzieren. Am 29. Januar musste auch das Team der Organisation in Pieri aufgrund der unmittelbaren Gefahr von bewaffneten Auseinandersetzungen die Einrichtung verlassen. Die meisten Patient:innen mussten entlassen werden, und Mitarbeitende flohen gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung aus der Stadt.

Ärzte ohne Grenzen bietet die einzige medizinische Versorgung für etwa 250 000 Menschen in Lankien und Pieri sowie weitere 112 000 Menschen in Akobo. Wenn die Regierung Ärzte ohne Grenzen den Zugang verweigert und die Organisation gezwungen ist, das Gebiet zu verlassen, hätten fast 400 000 Menschen keinen Zugang mehr zu medizinischer Versorgung.

Der anhaltende Konflikt und die Vertreibungen in Jonglei gefährden die Zivilbevölkerung und schaffen zusätzlich zu der ohnehin schon begrenzten medizinischen Versorgung neue und dringende humanitäre Bedürfnisse.

Gul Badshah, Projektverantwortlicher für den Südsudan

Die sich verschärfende humanitäre Krise im Südsudan erfordert dringend internationale Priorisierung: Die Gemeinden in den betroffenen Regionen sind mit sich überlappenden Krisen konfrontiert, und die derzeitige Hilfe reicht nicht aus, den steigenden humanitären Bedarf im ganzen Land zu decken. Wenn Ärzte ohne Grenzen während der Trockenzeit – solange die Strassen noch befahrbar sind – keine Nachschublieferungen in die medizinischen Einrichtungen bringen kann, werden die Folgen noch dramatischer sein.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1983 im heutigen Südsudan und ist nach wie vor eine der grössten medizinischen Hilfsorganisationen des Landes. Die Organisation ist in 7 Bundesstaaten und 2 Verwaltungsbezirken tätig. Im Jahr 2025 führte die Organisation über 830 000 ambulante Konsultationen durch, versorgte mehr als 93 000 Patient:innen stationär – darunter 12 000 operativ – und untersuchte 107 000 Kinder auf Mangelernährung.

Gul Badshah, Projektverantwortlicher für den Südsudan