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Nigeria: 350 000 Kinder in Maiduguri gegen Diphtherie geimpft
Nigeria 3 Min.
Während der ersten Impfrunde, die vom 9. bis zum 15. Februar 2026 dauerte, konnten 490 000 Kinder erreicht werden, was das ursprüngliche Ziel von 387 000 deutlich übertraf. Die zweite Runde fand vom 9. bis 15. April statt. Dabei wurden 360 000 Kinder aus der ersten Runde erneut geimpft, um den Schutz zu stärken. Trotz der hohen Zahl der Kinder, die erreicht werden konnten, schränkte der nur begrenzt verfügbare Impfstoff die Bekämpfung der Krankheit ein.
Nigeria kämpft mit einem der schwersten Diphtherie-Ausbrüche in der Geschichte des Landes. Das Nationale Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (NCDC) meldete von Mai 2022 bis zum 22. März 2026 insgesamt 65 759 Verdachtsfälle und 2229 Todesfälle. Der Ausbruch wurde 2023 offiziell bekannt gegeben. Im Bundesstaat Borno, der besonders stark betroffen ist, hat Ärzte ohne Grenzen seit 2023 mehr als 7400 Verdachtsfälle medizinisch versorgt, 4200 allein im letzten Jahr. In enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Gesundheitsbehörden behandelt Ärzte ohne Grenzen zudem auch im Rest des Landes tausende von Menschen, bei denen der Verdacht auf Diphtherie besteht oder die Krankheit bestätigt wurde. Aktuell unterstützt die Organisation Bekämpfungsmassnahmen in den Bundesstaaten Bauchi, Borno, Kano und Sokoto.
Diphtherie ist eine akute Infektionskrankheit, die sich vor allem über Tröpfchen oder durch Kontakt mit entzündeten Wunden verbreitet. Zu den Symptomen gehören Halsschmerzen, Fieber, Lymphknotenschwellungen und ein gräulicher Belag, der sich im Rachen ansammelt und die Atmung behindern kann. In schweren Fällen kann das von den Bakterien produzierte Gift Schäden an Herz, Nieren oder Nerven verursachen und zu Lähmungen führen. Besonders gefährdet sind ungeimpfte Menschen: Ohne angemessene Behandlung kann Diphtherie bei ihnen in rund 30 Prozent der Fälle tödlich verlaufen; das höchste Sterberisiko haben Kleinkinder.
Ärzte ohne Grenzen unterstützte das Gesundheitsministerium bei der Durchführung der Impfkampagne und bot dazu logistischen Support wie die Lagerung und den Transport der Impfstoffe an, kam für die Vergütung der Impfteams auf, führte Massnahmen zur Gesundheitsförderung durch und übernahm das Monitoring. Die Impfstoffe wurden vom Gesundheitsministerium zur Verfügung gestellt. Dank dieser Zusammenarbeit konnten die Impfteams weite Gebiete abdecken und die Bevölkerung reagierte während beider Impfrunden sehr positiv auf das Angebot.
Die Impfung wird dazu beitragen, die Immunität von Kindern unter 14 Jahren in Maiduguri wesentlich zu stärken. Tatsächlich stammen in unserem Behandlungszentrum die meisten Diphtheriefälle aus diesem Gebiet. Diese proaktive Massnahme ist entscheidend, um die Krankheit unter Kontrolle zu bringen und einzudämmen.
Ärzte ohne Grenzen unterstützte zudem in Zusammenarbeit mit der Gesundheitsbehörde auch die Diphtherie-Abteilung am Ausbildungsspital in Maiduguri. Es zeigte sich, dass während der Kampagne hier deutlich mehr Verdachtsfälle aufgenommen wurden, da die Impfmassnahmen das Bewusstsein für die Krankheit erhöhten und dazu führten, dass lokale Gesundheitshelfer:innen bei der Überweisung effizienter vorgingen.
Um künftige Ausbrüche von vermeidbaren Krankheiten wie Diphtherie zu verhindern, sind verschiedene Massnahmen erforderlich: eine Routineimpfung, ein verbesserter Versorgungszugang in unsicheren Gebieten und kompetente Kommunikation, um Vorurteilen und Impfskepsis zu begegnen. Zentral ist auch, dass die Impfstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, damit möglichst viele Kinder geschützt werden können. Nur durch die Impfung ist es möglich, in Borno weitere Ansteckungen zu verhindern und Leben zu retten.
Neben den Aktivitäten zur Bekämpfung von Diphtherie unterstützt Ärzte ohne Grenzen in Maiduguri auch ein spezialisiertes Entbindungs- und Notfallspital für Geburtshilfe mit 60 Betten, das über eine Intensivstation und eine neonatologische Intensivstation verfügt. Im Gesundheitszentrum in Shuwari und in der Ernährungsklinik von Nilefa Kiji behandeln unsere Teams Kinder unter fünf Jahren, die an schwerer und mittelschwerer akuter Mangelernährung leiden.