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Nigeria: Kampf gegen schweren Lassa-Fieber-Ausbruch
Nigeria 4 Min.
So auch Musa aus dem Bundesstaat Bauchi im Norden Nigerias. Anfang Jahr litt er unter Kopf- und Bauchschmerzen.
Ich dachte, ich hätte Malaria. Niemand wusste, was mir fehlt.
. Er wurde in eine private Klinik eingewiesen, jedoch nach fünf Tagen wieder entlassen, obwohl es ihm immer noch sehr schlecht ging.
Porträt von Musa Abubakar Yarwa, einem Bewohner der Gemeinde Yarwa in der Gemeinde Toro im Bundesstaat Bauchi. Musa hat das Lassa-Fieber überlebt. Er erklärt, dass er, nachdem er zuverlässige Informationen über diese Krankheit erhalten hat, nun in der Lage ist, Verdachtsfälle leicht zu erkennen, und mehrere Mitglieder der Gemeinde an die Gesundheitsdienste verwiesen hat, von denen viele anschließend positiv getestet wurden.
Einige Tage später kam ein Team von Ärzte ohne Grenzen zur Gesundheitsförderung in Musas Dorf und riet ihm, sofort das spezialisierte Behandlungszentrum der Abubakar Tafawa Balewa University aufzusuchen. Dort wurde bei ihm Lassa-Fieber diagnostiziert.
Musa hatte so schwere Symptome, dass er Angst hatte, zu sterben. Dank der Behandlung verbesserte sich sein Zustand und er konnte nach 29 Tagen entlassen werden. Nun leistet er Aufklärungsarbeit in seiner Gemeinde und sensibilisiert die Menschen dafür, frühzeitig medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Was ist Lassa-Fieber?
Das Lassa-Fieber ist eine schwere und mitunter tödlich verlaufende virale hämorrhagische Infektionskrankheit, die durch das gleichnamige Virus verursacht wird. Übertragen wird das Virus von der Vielzitzenmaus, einem in Westafrika weit verbreiteten Nagetier.
Die Krankheit ist in Nigeria endemisch und tritt vor allem während der Trockenzeit von Oktober bis April gehäuft auf.
Rund 80 Prozent der infizierten Personen entwickeln nur milde oder gar keine Symptome. Bei schweren Verläufen kann es jedoch zu Blutungen, Organversagen und sogar zum Tod kommen.
Die Ansteckung erfolgt meist über Lebensmittel oder Haushaltsgegenstände, die mit Urin oder Kot infizierter Nagetiere verunreinigt sind. Das Virus kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden, etwa durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten und kontaminierten Oberflächen oder Materialien wie Bettwäsche oder medizinischen Geräten. In seltenen Fällen ist auch eine Tröpfcheninfektion möglich.
«Eine frühzeitige Diagnose, die Isolation infizierter Personen und eine rasche Behandlung sind entscheidend», erklärt Dr. Raji.
Ebenso wichtig sind Präventionsmassnahmen. Dazu gehört regelmässiges Händewaschen, den Kontakt mit Nagetieren zu vermeiden und ein hygienischer Umgang mit Lebensmitteln.
Gravierender Anstieg der Infektionszahlen
Nigeria verzeichnet in diesem Jahr einen besonders schweren Ausbruch von Lassa-Fieber. Seit Januar wurden 516 Fälle registriert. 135 Menschen sind an der Krankheit gestorben – 31 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Das Lassa-Fieber stellt – ähnlich wie Ebola und andere hämorrhagische Fieber – auch ein besonderes Risiko für Mitarbeitende im Gesundheitswesen dar. Um eine Ansteckung zu vermeiden, müssen sie bei der Behandlung eine komplette Schutzausrüstung bestehend aus Handschuhen, Atemschutzmaske, Schutzbrille und Kittel tragen.
Da viele Erkrankungen erst spät diagnostiziert werden, hatte das medizinische Personal oft schon Kontakt mit dem Virus.
Seit Jahresbeginn haben sich landesweit 38 Gesundheitsfachpersonen infiziert, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Im Februar steckten sich auch drei unserer Kolleg:innen an. Eine von ihnen, die im Bundesstaat Kano arbeitete, starb.
Wir sind derzeit in den besonders betroffenen Bundesstaaten Benue, Kano, Taraba, Sokoto, Zamfara und Bauchi im Einsatz. In Bauchi, einem der ärmsten Bundesstaaten des Landes, arbeiten wir seit 2022 eng mit dem Gesundheitsministerium zusammen. Im Behandlungszentrum für Lassa-Fieber in Bauchi erhalten die Patient:innen kostenlos medizinische Hilfe – von der Diagnose über die antivirale Therapie bis zur psychologischen Unterstützung.
Vom 1. Oktober 2025 bis zum 23. März 2026 wurden dort 311 Menschen positiv getestet, 68 von ihnen starben.
Parallel dazu sind unsere Teams in den umliegenden Gemeinden in den Verwaltungsgebieten Bauchi, Kirfi, Toro und Tafawa Balewa im Einsatz, um Verdachtsfälle frühzeitig zu erkennen und zu isolieren und sie ins Behandlungszentrum zu überweisen. Ausserdem arbeiten wir mit lokalen Gesundheitseinrichtungen zusammen, um das Personal zu unterstützen und die Infektionsprävention und -kontrolle zu verbessern. Durch gezielte Gesundheitsförderung in den Gemeinden helfen wir dabei, die Menschen zu sensibilisieren und Ängste abzubauen
Ein Team von Gesundheitsförderern bei einer Aufklärungsveranstaltung in der Gemeinde Yarwa im Verwaltungsbezirk Toro im Bundesstaat Bauchi. Yarwa gilt als eines der Lassa-Fieber-Herde, da mehrere Patienten aus dieser Gemeinde stammen.
Die Menschen dachten, es sei Hexerei.
Angst und Stigmatisierung bleiben zentrale Herausforderungen im Umgang mit Lassa-Fieber in Nigeria und anderen betroffenen Ländern. In vielen Gemeinden ist die Krankheit wenig bekannt und stark gefürchtet, was häufig zur Ausgrenzung Erkrankter führt.
«Am Anfang sind die Menschen weggelaufen. Sie wollten nicht, dass man ihnen zu nahe kommt. Viele hielten die Krankheit für einen Fluch oder Hexerei», erklärt Musa.
Um die Menschen über die Krankheit aufzuklären, arbeiten wir eng mit Gemeindevorsteher:innen, religiösen Autoritäten, traditionellen und spirituellen Heiler:innen und Apotheker:innen zusammen, die häufig erste Anlaufstellen bei Krankheiten sind.
Tumaini Kombe, Gesundheitspromotor bei Ärzte ohne Grenzen, war mehrere Monate in Bauchi tätig und leitete dort ein Team von 50 Mitarbeitenden. Das Wichtigste bei seiner Arbeit sei, den Menschen zuzuhören und Vertrauen aufzubauen, so Tumaini.
«Wir kämpfen nicht gegen die Überzeugungen der Menschen an. Wir arbeiten mit den Personen zusammen, denen sie vertrauen. Wenn Gemeindevorsteher:innen ihren Gemeinschaften erklären, was bei Verdacht auf Lassa-Fieber zu tun ist, ist das für uns ein grosser Erfolg.»
Zwischen Januar 2025 und Februar 2026 führten unsere Teams 18 898 Informationsveranstaltungen in den Gemeinden durch und erreichten so 186 363 Menschen. In diesem Zeitraum überwiesen sie 1642 Personen an das Behandlungszentrum, bei 418 wurde Lassa-Fieber diagnostiziert.
«Nur wenn man die Menschen versteht und ihnen zuhört, kann man sie dazu bewegen, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen», so Tumaini.