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Bessere Behandlung von Kindern mit TB: Nachhaltige Investitionen und mehr politischer Wille gefordert
3 Min.
Die Bekämpfung von TB ist generell nicht ausreichend finanziert. Kommt es dann noch zu Kürzungen der Hilfsgelder oder wird die TB-Versorgung durch Krieg oder Vertreibung unterbrochen, werden Kinder noch stärker benachteiligt. Die Tools, um TB bei Kindern zu diagnostizieren und zu behandeln, sind zwar nicht optimal, aber es gibt sie. Dennoch bleibt jeder zweite Fall von TB bei Kindern unentdeckt. Damit die Bemühungen zur Bekämpfung von Tuberkulose allen zugutekommen, muss Kindern verstärkte Aufmerksamkeit zukommen.
Laut dem TB-Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2025 erkrankten 2024 insgesamt 1.2 Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren an Tuberkulose. Der Bericht ergab zudem, dass bei 43 Prozent der Kinder unter 15 Jahren die Krankheit nicht erkannt wurde und diese Kinder deshalb im Jahr 2024* nicht behandelt wurden. Dies ist ein Wert, der sich gegenüber den Vorjahren nicht verbesserte. Bei den unter Fünfjährigen, die an TB erkrankt sind, zeigt sich ein noch düstereres Bild: Nur die Hälfte hat eine Diagnose und erhält entsprechend eine Behandlung. Auch die jüngsten Kürzungen der internationalen Hilfsgelder beeinträchtigen die TB-Versorgung. Zusammen mit der Rekordzahl von Vertriebenen in Ländern mit hohem TB-Vorkommen dürfte dies dazu führen, dass die Krankheit bei noch mehr Kindern unentdeckt und in der Folge unbehandelt bleibt.
Doch es gibt Hoffnung: Werden die neuesten WHO-Leitlinien konsequent umgesetzt, sollten die Kinder, die bis jetzt durch die Maschen fielen, erreicht werden können. Ein Beispiel: Eine effiziente Methode zur Diagnose von TB bei Kindern unter zehn Jahren ist die Anwendung der von der WHO empfohlenen Algorithmen zur Entscheidungsfindung. Dabei handelt es sich um «Scoringsysteme» – ein Klassifizierungsverfahren, das es medizinischem Personal ermöglicht, Tuberkulose allein anhand klinischer Symptome (falls möglich in Kombination mit Röntgenaufnahmen) zu diagnostizieren. Es kommt auch zum Einsatz, wenn Labortests nicht verfügbar sind oder negativ ausfallen. Jüngste Untersuchungen von Ärzte ohne Grenzen in fünf afrikanischen Ländern (Guinea, Niger, Nigeria, Südsudan und Uganda) haben ergeben, dass dank der Anwendung dieser Algorithmen doppelt so viele Kinder diagnostiziert und anschliessend behandelt werden können.
Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sehen immer wieder an TB erkrankte Kinder, die erst spät behandelt werden, weil die falsche Diagnosemethode angewendet wurde oder die Ärzt:innen Tuberkulose gar nicht in Betracht zogen. So auch bei Francisco: Der 11-jährige Junge aus Mosambik wies bereits im Juli 2024 Anzeichen für TB auf, doch die Symptome wurden monatelang übersehen. Erst im März 2025 erhielt er eine angemessene Behandlung.
Als Erstes fiel mir auf, dass mein Sohn immer schwächer wurde und keinen Appetit mehr hatte. Zunächst machten die Ärzte keine Tests. Als dann doch Tests durchgeführt wurden, ergaben sie nichts. Man sagte uns, unser Sohn sei nicht krank. Als wir zum zweiten Mal ins Spital gingen und die Tests erneut durchgeführt wurden, erhielten wir den Bescheid, er habe medikamentenresistente Tuberkulose. So dauerte es sehr lange, bis die Behandlung begonnen wurde, obwohl mein Sohn schon acht Monate vorher krank war.
Die systematische Umsetzung der WHO-Algorithmen führt in den von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Gesundheitseinrichtungen zu einem deutlichen Anstieg der diagnostizierten Kinder.
Die Auswirkungen der WHO-Leitlinien in Niger geben Anlass zu grosser Hoffnung. In den Jahren 2024 und 2025 stammte fast die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren in Niger, bei denen Tuberkulose diagnostiziert wurde, aus den fünf Distrikten, in denen das Verfahren mit den Algorithmen zum Einsatz kommt. Wenn man bedenkt, dass es in Niger insgesamt 72 Distrikte gibt, könnte eine landesweite Umsetzung dieses Vorgehens – in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium – zu einer deutlich besseren TB-Diagnose bei Kindern führen. Dadurch könnten weitere vermeidbare Todesfälle verhindert werden.
Jedes nicht erkannte Anzeichen und jede verzögerte Entscheidung erhöhen bei Kindern mit TB das Risiko, schwer zu erkranken oder sogar an der Krankheit zu sterben. Um sicherzustellen, dass die benötigten Tools zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Tuberkulose allen Kindern zur Verfügung stehen, braucht es dringend einen stärkeren politischen Willen und nachhaltige Investitionen von Regierungen und internationalen Geber:innen.