Ärzte ohne Grenzen hat in Saida im Südlibanon, wo einige Notunterkünfte ihre Kapazitätsgrenze überschritten haben, eine mobile Klinik eingerichtet, die medizinische Beratung und psychologische Erste Hilfe anbietet.
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Ärzte ohne Grenzen hat in Saida im Südlibanon, wo einige Notunterkünfte ihre Kapazitätsgrenze überschritten haben, eine mobile Klinik eingerichtet, die medizinische Beratung und psychologische Erste Hilfe anbietet.
© MSF

Nahost-Konflikt: Ärzte ohne Grenzen bereitet Ausweitung von Nothilfeprogrammen vor

Ärzte ohne Grenzen ist alarmiert über die dramatische Eskalation des Konflikts im Nahen Osten. Die Organisation beobachtet die sich rasch verändernden humanitären Bedürfnisse aufmerksam und passt ihre Nothilfeprogramme entsprechend an. Ärzte ohne Grenzen bereitet aktuell die Ausweitung der Versorgung im Libanon und im Iran vor.

In der gesamten Region hat die Eskalation Millionen von Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Auf zahlreiche Städte und Dörfer werden weiterhin Bomben abgeworfen. Diese treffen oft dicht besiedelte Gebiete, die Zahl der Opfer steigt. Ärzte ohne Grenzen fordert den Schutz von Zivilist:innen, Gesundheitseinrichtungen und anderer wichtiger Infrastruktur.

Im Libanon wurden Tausende Menschen vertrieben. «Die Eskalation des Konflikts folgt auf 15 Monate eines ‹Waffenstillstandsabkommens›, das den Menschen im Libanon nie echte Sicherheit gebracht hat», sagt Francesca Quinto, Programmleiterin von Ärzte ohne Grenzen.

Die jüngsten Angriffe und Evakuierungsbefehle für alle südlichen Vororte von Beirut sowie fast den gesamten Süden des Landes zwingen noch mehr Menschen zur Flucht. Es gibt keinen sicheren Ort, an den sie gehen können.

Francesca Quinto, Programmleiterin von Ärzte ohne Grenzen.

Für viele Menschen im Südlibanon und anderen Regionen des Landes bedeuten Evakuierungsbefehle, dass sie das Trauma der Vertreibung erneut durchleben müssen.

Familien, die sich langsam von den früheren Kämpfen erholt hatten, werden nun aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Einige sind mit Kindern, älteren Verwandten und kranken Familienmitgliedern auf der Strasse gelandet und müssen extrem harte Bedingungen ertragen.

Francesca Quinto, Programmleiterin von Ärzte ohne Grenzen.

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen im Iran und im Libanon sind derzeit in Sicherheit. Sie prüfen, wie sie den betroffenen Menschen helfen können. In beiden Ländern stehen medizinische Hilfsgüter bereit, die jederzeit eingesetzt werden können.

Bevor die Eskalation am 28. Februar begann, betrieb Ärzte ohne Grenzen im Iran drei Projekte, um marginalisierten Gruppen eine grundlegende Gesundheitsversorgung zu bieten. Dazu zählen 6 000 medizinische Konsultationen pro Monat, Geburtshilfe, Vorsorgeuntersuchungen und die Behandlung von Infektionskrankheiten sowie psychologische Betreuung. Ärzte ohne Grenzen konnte einige Aktivitäten fortsetzen, obwohl die Luftangriffe dies massiv erschwert haben und trotz der Kommunikationssperre. Aufgrund der schweren Bombardierungen bleibt die Klinik in Teheran vorübergehend geschlossen, während die Kliniken in Maschhad und Kerman weiterhin geöffnet sind, jedoch mit reduziertem Personal. Die Teams warten auf die Genehmigung der Behörden, um die Notfallversorgung auf die entstandenen Bedürfnisse auszuweiten – darunter die Öffnung der Kliniken rund um die Uhr und die Unterstützung der lokalen Gesundheitseinrichtungen.

Im Libanon passen die Teams von Ärzte ohne Grenzen ihre Aktivitäten ebenfalls an, um auf die neuen Bedürfnisse der Vertriebenen zu reagieren und gleichzeitig die Kontinuität der Versorgung durch die regulären Projekte im Land sicherzustellen. In Saida im Südlibanon, wo einige Unterkünfte bereits ihre Kapazitätsgrenze überschritten haben, können Menschen medizinische Beratung und psychologische Erste Hilfe über eine mobile Klinik in Anspruch nehmen. Ärzte ohne Grenzen hat ausserdem damit begonnen, Unterkünfte in Beirut mit sauberem Wasser zu versorgen. In Beirut, Raschaja und anderen Gebieten prüfen Teams der medizinischen Hilfsorganisation die Lage, um zusätzliche mobile Kliniken zur Verfügung zu stellen und Vorräte aufzustocken. Ärzte ohne Grenzen steht mit den zuständigen Behörden in Kontakt, um bei Bedarf zusätzliche Unterstützung zu leisten.

In anderen Teilen der Region, wie im Gazastreifen und im Westjordanland, kümmern sich die Teams von Ärzte ohne Grenzen weiterhin um die dringenden medizinischen und psychologischen Bedürfnisse der Menschen. Im Irak hält die Organisation medizinische Hilfsgüter bereit, die bei Bedarf in der Region eingesetzt werden können.

Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in Iran und Libanon

Iran

Ärzte ohne Grenzen arbeitet im Iran seit vielen Jahren daran, Lücken in der Gesundheitsversorgung marginalisierter Gruppen zu schliessen. Hierzu gehören unter anderem afghanische Geflüchtete.

Im Süden Teherans, wo Ärzte ohne Grenzen seit 2012 ein Projekt betreibt, bietet ein mobiles Team medizinische Grundversorgung an. Dazu gehören unter anderem die Behandlung von Infektionskrankheiten und nicht übertragbaren Krankheiten, Beratungen und Behandlungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit sowie psychosoziale Unterstützung.

In Maschhad, nahe der afghanischen Grenze, ist Ärzte ohne Grenzen seit 1996 präsent und arbeitet ebenfalls mit mobilen Kliniken, die unter anderem medizinische Hilfe für gefährdete Gruppen leisten. Im Bezirk Golshahr bietet die Organisation medizinische und soziale Hilfe für afghanische Geflüchtete an.

In der Provinz Kerman ist Ärzte ohne Grenzen die einzige medizinische Organisation, die sich um die medizinische Betreuung afghanischer Geflüchteter kümmert – insbesondere in unterversorgten Gebieten der Stadt Kerman, in der rund 200 000 Afghan:innen leben.

Libanon

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen im Libanon unterstützen verschiedene Gruppen, denen der Zugang zu Gesundheitsversorgung erschwert wird. Diese Unterstützung geht über primäre Gesundheitsversorgung hinaus: Die Teams übernehmen auch die Verteilung von Hilfsgütern sowie Überweisungen für Behandlungen auf sekundärer Versorgungsebene – in einem Land, das noch immer unter den Folgen des Krieges leidet.

Derzeit führt Ärzte ohne Grenzen Kliniken in Bourj Hammoud, in den nördlichen Vororten von Beirut. Diese richten sich vor allem an Arbeitsmigrant:innen und bieten medizinische sowie psychologische Versorgung an. Im Gouvernement Baalbek-Hermel betreibt die Organisation ausserdem zwei Kliniken in Arsal und Hermel und stellt dort primäre Gesundheitsversorgung bereit.

Im Norden des Libanon unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Kliniken des Gesundheitsministeriums in Tripoli, der zweitgrössten Stadt des Landes, die unter grosser wirtschaftlicher Not leidet. Zudem betreibt die Organisation dort mobile Kliniken in Akkar, um Syrer:innen zu versorgen, die keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung haben. Im Süden des Libanon, in den Gouvernements Südlibanon und Nabatiyeh, stellen die Teams seit dem Wiederaufflammen des Konflikts im Jahr 2024 mobile Kliniken zur Verfügung und unterstützen feste Einrichtungen der primären Gesundheitsversorgung.