Des membres du personnel de MSF (Médecins Sans Frontières) lors d'une consultation dans la ville d'Anout, où de nombreuses familles déplacées ont trouvé refuge après avoir fui le sud du Liban lorsque les attaques israéliennes ont commencé le 2 mars.
i
Des membres du personnel de MSF (Médecins Sans Frontières) lors d'une consultation dans la ville d'Anout, où de nombreuses familles déplacées ont trouvé refuge après avoir fui le sud du Liban lorsque les attaques israéliennes ont commencé le 2 mars.
© Emin Ozmen/Magnum Photos

46 Tage Bombardierung des Südlibanon: Zahlreiche Mitarbeitende des Gesundheitswesens getötet oder verletzt

Im Libanon herrscht ein fragiler 10-tägiger Waffenstillstand. Jetzt wird sichtbar, wie Mitarbeitende des Gesundheitswesens während der 46 Kriegstage zu Zielen der verheerenden Angriffe wurden.

Die Weltgesundheitsorganisation meldete seit dem 2. März nahezu tägliche Angriffe auf das Gesundheitswesen – insgesamt 147 – bis zum jüngsten Waffenstillstand. Krankenhäuser wurden beschädigt, über 100 Menschen getötet und 233 Mitarbeitende des Gesundheitswesens verletzt.
 
Bei wiederholten Angriffen auf dieselben Orte wurden immer wieder Ersthelfer:innen getroffen, während sie Verletzte versorgten. Trotz der Gefahr leisteten libanesische Gesundheitskräfte weiterhin lebensrettende Versorgung. Die israelischen Bomben trafen auch Krankenhäuser und deren Umgebung. Mindestens sechs Krankenhäuser mussten schließen, viele weitere wurden beschädigt.

Im Südlibanon reagierten die Teams in Krankenhäusern im Schichtbetrieb rund um die Uhr auf den Zustrom von Verletzten und Toten. Patient:innen, darunter Kinder, kamen mit schweren Verletzungen an. Die Mitarbeitenden hatten oft Angst, dass unter den Verletzten Familienmitglieder oder bekannte Personen sein könnten.

Das medizinische Personal in den Krankenhäusern von Nabatiyeh hat insgesamt 46 Tage lang in den Krankenhäusern geschlafen. Einige konnten ihre Familien nicht sehen, während andere Angehörige mit ihnen im Krankenhaus blieben.

Tania Hachem, Verantwortliche für die medizinischen Programme bei Ärzte ohne Grenzen.

In Nabatiyeh im Südlibanon wurden Tausende nach massiven Bombardierungen durch israelische Streitkräfte und anschließenden flächendeckenden Evakuierungsanordnungen gewaltsam vertrieben. Dennoch entschieden sich viele Familien zu bleiben. Auch Mitarbeitende des Gesundheitswesens blieben an ihren Arbeitsplätzen, um rund um die Uhr lebensrettende Dienste aufrechtzuerhalten. Im staatlichen Krankenhaus von Nabatiyeh wohnten vorübergehend etwa 42 Familien – medizinisches Personal und ihre Kinder. Nur wenige Kilometer entfernt davon versorgten Mitarbeitende des Najdeh-Chaabiye-Krankenhauses ebenfalls die massenhaft eintreffenden Verletzten. Auch sie lebten in der Einrichtung, da Bewegungen in der Stadt aufgrund der anhaltenden israelischen Angriffe extrem gefährlich waren. Selbst für die Beschaffung grundlegender Versorgungsgüter mussten Krankenwagen in andere Städte fahren.


„Teil unseres Notfallplans war, dass alle im Krankenhaus bleiben. Ärzt:innen haben hier übernachtet. Ihre Kinder waren bei ihnen“, erklärt Mona Abu Zeid, Direktorin des Najdeh-Chaabiye-Krankenhauses in Nabatiyeh, die während der gesamten Eskalation ebenfalls im Krankenhaus blieb. 

Manchmal kamen Kinder ins Krankenhaus, deren Eltern getötet worden waren.

Dr Mona Abu Zeid, Direktorin des Najdeh-Chaabiye-Krankenhauses in Nabatiyeh.

Gesundheitseinrichtungen unter Beschuss

Im staatlichen Krankenhaus von Nabatiyeh traf nur wenige Stunden nach einem Gespräch mit einem Sanitäter dessen Leichnam bei dem Arzt Ahmad Zreik ein. Der Kollege war bei einem Angriff getötet worden. 

Wir haben den Morgen draußen zusammen verbracht und geplaudert. Dann ging er los zu einem Notfalleinsatz. Dabei erlitt er schwere Verletzungen und wurde dadurch getötet. Stell dir vor, du siehst jemanden, und alles ist völlig normal – bis es plötzlich nicht mehr so ist. Er war Sanitäter. Er ging und kam nie zurück. Er kehrte im Körper zurück, aber ohne seine Seele.

Der Allgemeinmediziner.

Die Krankenhäuser in Sour und Nabatiyeh, die von Ärzte ohne Grenzen unterstützt werden, wurden durch nahe Einschläge beschädigt. Im Hiram-Krankenhaus in Sour wurden medizinische Mitarbeitende durch splitterndes Glas verletzt; im Libanesisch-Italienischen Krankenhaus beschädigten Explosionen in der Umgebung medizinische Geräte, darunter Dialysemaschinen. Im Jabal-Amel-Krankenhaus verstärkten Mitarbeitende Fenster, nachdem diese durch die Druckwellen naher Explosionen zerbrochen waren.

Der 10-tägige temporäre Waffenstillstand bleibt fragil. Während dieser Zeit versuchen sich Mitarbeitende des Gesundheitswesens zu erholen und sich gleichzeitig auf eine mögliche Wiederaufnahme der Kampfhandlungen vorzubereiten. Ärzte ohne Grenzen unterstützt weiterhin Krankenhäuser, darunter das Jabal-Amel-Krankenhaus, das Libanesisch-Italienische Krankenhaus in Sour/Tyre, das staatliche Krankenhaus von Nabatiyeh und das Najdeh-al-Shaabiyeh-Krankenhaus in Nabatiyeh sowie das Rafik-Hariri-Krankenhaus und das staatliche Krankenhaus von Baalbek mit Spenden und Notfallversorgung.