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Iran: Trotz Waffenruhe kein verlässlicher Zugang zu medizinischer Grundversorgung
Iran 3 Min.
Vor Kriegsbeginn war Ärzte ohne Grenzen im Süden Teherans, in Mashhad und in der Provinz Kerman tätig. Im Zentrum stand die medizinische Grundversorgung für Menschen, die kaum Zugang zu Gesundheitsdiensten haben, vor allem afghanische Geflüchtete.
Während der heftigsten Bombardierungen mussten wir unsere Aktivitäten in unserer Klinik im Süden Teherans vorübergehend einstellen. Die Klinik ist inzwischen wieder geöffnet, und wir haben die Bewilligung erhalten, sie als Gesundheitsposten mit einem erweiterten Angebot zu betreiben. Bei Bedarf können hier Verletzte aufgenommen und Patient:innen in kritischem Zustand stabilisiert werden. Ausserdem steht die Klinik nun allen Menschen im Land offen, und seit der Waffenruhe hat sich die Zahl der Konsultationen verdoppelt. Derzeit werden täglich rund 250 Patient:innen behandelt.
Gerade in Krisensituationen ist die medizinische Grundversorgung häufig als Erstes nicht mehr gewährleistet. Sie ist jedoch unverzichtbar. Die Menschen benötigen weiterhin Behandlungen bei alltäglichen Krankheiten und chronischen Leiden wie Diabetes oder Bluthochdruck. Vor allem nach traumatischen Kriegserfahrungen sind viele auch auf psychologische Unterstützung angewiesen.
Um den Zugang zur Grundversorgung weiter auszubauen, plant Ärzte ohne Grenzen eine zweite Klinik im Süden Teherans.
In den Kliniken von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Kerman im Südosten des Landes, die ebenfalls medizinische Grundversorgung anbieten, werden täglich etwa 150 Patient:innen behandelt. Rund 200 000 afghanische Geflüchtete leben in den Vororten der Stadt, und wir sind eine der wenigen medizinischen Organisationen, die ihnen Gesundheitsversorgung anbieten.
Auch in Mashhad im Nordosten des Landes, nahe der Grenze zu Afghanistan, führen wir unsere Arbeit fort. In der Klinik im Bezirk Golshahr, wo die meisten afghanischen Geflüchteten leben, behandeln wir täglich über 160 Patient:innen und leisten auch psychologische Unterstützung.
Ärzte ohne Grenzen bietet an allen Standorten ein breites Spektrum an medizinischen Leistungen: von sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung, über Screening und Behandlung von Infektionskrankheiten wie Hepatitis C bis hin zu psychologischer Betreuung, Behandlung chronischer Erkrankungen und Überweisungen an spezialisierte Gesundheitseinrichtungen.
Ein Gesundheitssystem unter extremem Druck
Auch wenn Teile des Gesundheitssystems weiterhin funktionieren, steht die medizinische Versorgung im Iran infolge des Krieges enorm unter Druck. Spitäler, Kliniken und Krankenwagen wurden getroffen und beschädigt.
Bis zum 15. April hat die Weltgesundheitsorganisation 24 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen im Iran bestätigt – eine grosse Belastung für das Gesundheitssystem und humanitäre Organisationen.
Der Iran ist stark auf lokal produzierte Medikamente angewiesen. Diese Produktion wurde infolge des Krieges erheblich beeinträchtigt. Immer mehr Menschen leiden unter dem fehlenden Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten.»
Als Reaktion darauf hat Ärzte ohne Grenzen Medikamente und medizinisches Material gespendet – darunter Kits für die pädiatrische und Traumaversorgung, die über den Iranischen Roten Halbmond verteilt und eingesetzt werden. Zusätzlich haben wir – ebenfalls über den Iranischen Roten Halbmond – wichtige Hilfsgüter wie Decken, Kissen und Hygiene-Kits bereitgestellt, um die betroffenen Menschen zu unterstützen.
Der Krieg dauert mittlerweile fast zwei Monate, und Ärzte ohne Grenzen passt ihre Aktivitäten laufend den aktuellen Gegebenheiten an. Wir sind auch bereit, diese aufgrund der zunehmenden medizinischen Bedürfnisse in Abstimmung mit den Behörden weiter auszubauen.
Die Zivilbevölkerung ist nach wie vor die Hauptleidtragende dieses Krieges. Der uneingeschränkte Schutz von Gesundheitseinrichtungen und medizinischem Personal ist unabdingbar, damit Menschen jederzeit und überall Zugang zu medizinischer Versorgung haben.