Défilé de la Pride de New York et campagne en faveur du lenacapavir.
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Défilé de la Pride de New York et campagne en faveur du lenacapavir.
© MSF

Welt-Aids-Konferenz: «HIV-Prävention nicht künstlich teuer halten»

Das Ziel, HIV und Aids bis 2030 weltweit einzudämmen, ist in weite Ferne gerückt. Zwar gibt es mit Lenacapavir ein Mittel zur HIV-Prävention, das die Epidemie beenden könnte – nur ist es für weite Teile der Weltbevölkerung nicht bezahlbar.

Vor der Welt-Aids-Konferenz, die am 26. Juli in Rio de Janeiro beginnt, sagt Melissa Scharwey, Expertin für globale Gesundheit bei Ärzte ohne Grenzen:

«Lenacapavir hat das Potenzial, die HIV-Prävention weltweit grundlegend zu verändern. Eine Injektion alle sechs Monate könnte Millionen Menschen wirksam vor HIV schützen – auch in Ländern, in denen das Gesundheitssystem fragil ist oder Menschen keinen Zugang zu regelmässiger Gesundheitsversorgung haben.

Herkömmliche Mittel zur HIV-Prävention erfordern oftmals die tägliche Einnahme von Tabletten, was für viele Patient:innen von Ärzte ohne Grenzen schlicht unmöglich ist, da sie in Konfliktgebieten, Geflüchtetencamps und abgelegenen, ländlichen Regionen leben.

Gerade deshalb könnte Lenacapavir ein Gamechanger sein; doch für viele Menschen droht dieser medizinische Fortschritt unerreichbar zu bleiben. Denn der aktuelle vom US-Pharmaunternehmen Gilead veranschlagte Preis von 28'000 US-Dollar für die Jahresdosis Lenacapavir (2 Spritzen) ist für Gesundheitssysteme in Ländern mit mittlerem und geringem Einkommen unbezahlbar. Zudem weigert sich das Unternehmen, das Medikament für den Einsatz in Krisengebieten an Ärzte ohne Grenzen zu verkaufen.

Während ein Pharmaunternehmen wie Gilead Rekordpreise verlangt, infizieren sich jedes Jahr rund 1,3 Millionen Menschen mit HIV. Es ist ein massives Versagen globaler Gesundheitspolitik, wenn ein hochwirksames, bahnbrechendes Medikament wie Lenacapavir existiert, jedoch Millionen Menschen keinen Zugang dazu haben. Die leidvolle Geschichte von HIV darf sich nicht wiederholen; lebensrettende Innovationen dürfen nicht jahrelang durch Patente und hohe Preise blockiert werden.

Ärzte ohne Grenzen fordert, den Preis für Lenacapavir drastisch auf etwa 40 US-Dollar pro Person und Jahr zu senken und eine breite Produktion von Generika zu ermöglichen. Niemand sollte von der HIV-Prävention ausgeschlossen werden, nur weil ein Medikament künstlich teuer gehalten wird.

Auf der Welt-Aids-Konferenz in Brasilien müssen Regierungen und Unternehmen sich darauf besinnen, HIV bis 2030 weltweit einzudämmen. Wenn sie es ernst meinen, stellen sie in Rio de Janeiro die Weichen dafür, dass medizinische Innovationen wie Lenacapavir dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden – und nicht nur da, wo sich die höchsten Gewinne erzielen lassen.»

Auf der Welt-Aids-Konferenz (26.-31. Juli) in Rio de Janeiro kommen Regierungsvertreter:innen, Wissenschaftler:innen, Unternehmen und Aktivist:innen zusammen. Der Zugang zu Lenacapavir und die Strategie des Pharmaunternehmens Gilead werden eine zentrale Rolle auf der Konferenz spielen.