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Somalia: Jedes zweite Kind mangelernährt
Somalia / Somaliland 2 Min.
Hinter jeder Zahl steht ein Kind. Was wir hier sehen, geht weit über die Schwelle einer extremen Notsituation hinaus. Trotzdem reduzieren Geber ihre Unterstützung für Somalia.
Von Januar bis Juli 2026 haben Teams von Ärzte ohne Grenzen 21.000 Kinder unter fünf Jahren in Ernährungszentren in Baidoa untersucht. Bei rund 50 Prozent der Kinder wurde akute Mangelernährung festgestellt. Das Ergebnis deckt sich mit einer Ernährungsstudie, die Ärzte ohne Grenzen im Juli 2026 unter 888 Haushalten in 14 Vertriebenencamps in Baidoa durchgeführt hat. Dabei zeigte sich zusätzlich, dass jedes vierte Kind sogar unter schwerer Mangelernährung leidet. Ein Drittel der Familien lebt außerdem von nur einer Mahlzeit am Tag.
Aufeinanderfolgende ausbleibende Regenfälle und eine sich verschlimmernde Dürre haben Hunderttausende Menschen in Somalia getroffen und Familien ihrer Nahrungsmittel, ihres Wassers, ihrer Ernten und ihres Viehs beraubt. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 mehr als eine halbe Million Menschen in Somalia vertrieben, wobei 93 Prozent der Vertreibungen auf die Dürre zurückzuführen waren.
In den vergangenen Monaten hat Ärzte ohne Grenzen die Zahl der Krankenhausbetten in Ernährungszentren erweitert, Hilfsgüter an vertriebene Familien verteilt und sauberes Wasser an vertriebene Gemeinschaften in Mudug und Baidoa geliefert.
Ein Krankenhausbett kann heute ein Kind retten. Aber es kann das Kind nicht schützen, wenn es in eine Notunterkunft zurückkehrt, in der es weder Nahrung noch sauberes Wasser gibt.
Mohamud Moktar, ein Gesundheitshelfer, misst den Oberarmumfang in der Mitte (MUAC) eines Kindes in einem Vertriebenenlager in Baidoa, Somalia. Diese Messung erfolgt im Rahmen einer clusterweiten Untersuchung zur Erkennung von Unterernährung bei Müttern und Kindern, die in den Lagern von Baidoa untergebracht sind.
Neben der Mangelernährung breiten sich Masern und Diphtherie aus, während Impfkampagnen nicht alle Menschen wirksam erreichen. Besonders gefährdet sind zudem mangelnährte Mütter, da sich die Gesundheitsrisiken auf ihre Babys erstrecken. Allein in den vergangenen zwei Monaten hat Ärzte ohne Grenzen mehr als 2.600 schwangere und stillende Frauen zur Behandlung von Mangelernährung aufgenommen.
Trotz des Ausmaßes des Leids wurde der humanitäre Hilfsplan für Somalia 2026 um 40 Prozent gekürzt und war bis Juli zu weniger als einem Drittel finanziert. Einmal mehr schwächen Mittelkürzungen die ohnehin fragilen Gesundheitsdienste in der Krise.
Die Krise im Südwesten Somalias ist ein Warnsignal für gefährliche Gleichgültigkeit und Verantwortungsversagen. Das Ausmaß dieser Krise sollte ein Weckruf für die internationale Gemeinschaft sein. Die Welt kann nicht auf die Ausrufung einer Hungersnot warten, bevor sie handelt. Es muss jetzt gehandelt werden, um den Verlust von Menschenleben zu verhindern.
Kinder, die wegen schwerer akuter Unterernährung aufgenommen wurden, werden im von Ärzte ohne Grenzen unterstützten therapeutischen Ernährungszentrum (ITFC) des Regionalkrankenhauses von Bay in Baidoa im Südweststaat Somalias stationär versorgt.