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Somalia: Explodierende Benzinpreise erschweren Zugang zu Gesundheitsversorgung
Somalia / Somaliland 4 Min.
In einigen Gebieten wird Benzin allmählich knapp oder ist gar nicht mehr verfügbar, sodass es für die Menschen noch schwieriger wird, in ein Spital zu gelangen. Gleichzeitig gefährdet dieser Engpass auch den Spitalbetrieb. So hat Ärzte ohne Grenzen im März zur Aufrechterhaltung des Betriebs bereits 20 Prozent mehr für Treibstoff ausgegeben als im Februar.
Die von der Organisation in Baidoa und Mudug unterstützten Spitäler gehören zu den wenigen funktionsfähigen Einrichtungen, die kostenlose Gesundheitsversorgung anbieten. Kinder erreichen das Spital oft in kritischem Zustand, weil sie Strecken von mehreren hundert Kilometern zurücklegen mussten. Schon zuvor waren die Transportkosten für viele eine grosse Hürde, aber mit den explodierenden Treibstoffpreisen werden diese Reisen nun für viele Familien unerschwinglich.
Wir sind erst so spät gekommen, weil wir uns die Reise nicht leisten konnten.
Sie war mit ihrem eineinhalb Monate alten Sohn Muscab 12 Stunden unterwegs, um hierherzugelangen.
Es ist viel teurer geworden als zuvor, und viele Menschen haben nun keine andere Wahl, als weite Distanzen zu Fuss zu gehen.
In Baidoa ist der Treibstoff um 25% gestiegen und ein Liter t kostet nun 1.50 Franken. Die Kosten für Wasserlieferungen sind innerhalb der Stadt um 40 Prozent angestiegen. In Mudug kostet der Treibstoff sogar 33% mehr, und die lokalen Transportkosten verzeichnen einen Anstieg von 50%. In beiden Städten wird eine Strompreiserhöhung erwartet, da die Kosten an die Marktentwicklung angepasst werden. Für die Gemeinden, in denen unsere Teams tätig sind, sowie für kleinere Einrichtungen und lokale Gesundheitsfachkräfte dürften die Auswirkungen noch gravierender sein, da diese über kein Budget verfügen, um diese Belastung aufzufangen. Die steigenden Benzinpreise treiben auch die Transportkosten für medizinische und andere wichtige Güter in die Höhe, sodass es immer teurer wird Gesundheitsleistungen anzubieten.
Das Benzin wird knapp und unerschwinglich, und die Leidtragenden sind unsere Patient:innen – Mütter, die die Geburtsklinik nicht erreichen, Kinder, die es nicht bis ins Ernährungszentrum schaffen.
Doch die Engpässe betreffen nicht nur den Treibstoff. Somalia importiert fast sämtliche medizinischen und humanitären Güter, und die regionalen Lagerhäuser vieler Organisationen befinden sich im Nahen Osten. Anhaltende Störungen im See- und Luftverkehr könnten die Lieferung von lebensrettenden Medikamenten, Nahrungsmitteln zur Behandlung von Mangelernährung und Gerätschaften um Monate verzögern.
Die Lage in Somalia war schon vor der aktuellen Krise kritisch. Mehr als 6,5 Millionen Menschen, fast ein Drittel der somalischen Bevölkerung, sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen; über 1,84 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind von akuter Mangelernährung bedroht.
2025 nahmen die Teams von Ärzte ohne Grenzen im Vergleich zum Vorjahr 42 Prozent mehr Kinder wegen schwerer akuter Mangelernährung auf; in Mudug waren es sogar 60 Prozent mehr.
Somalia importiert etwa 90 Prozent seiner Lebensmittel, und bereits vor der jüngsten Krise war bei den Grundnahrungsmitteln ein Preisanstieg festzustellen. Durch die Störungen im Schiffsverkehr werden die Kosten noch mehr in die Höhe getrieben, sodass für viele Familien auch Lebensmittel immer unerschwinglicher werden.
Die Benzinkrise ist ein weiterer schwerer Schlag für das Gesundheitssystem, das bereits kurz vor dem Kollaps stand. Seit Anfang 2025 mussten in Somalia mehr als 200 Gesundheitseinrichtungen und Ernährungszentren wegen der drastischen Kürzungen der humanitären Hilfe schliessen.
Ein weiterer Rückgang der Hilfe darf schlicht keine Option sein. Jede Organisation, die hier tätig ist, muss ihre Aktivitäten ausbauen, und die internationale Gemeinschaft muss sicherstellen, dass dafür genügend Mittel zur Verfügung stehen.
Es braucht jetzt kollektive Massnahmen, damit die Menschen den Zugang zu der dringend benötigten medizinischen Versorgung nicht verlieren», betont er abschliessend.
Ärzte ohne Grenzen unterstützt in Baidoa und Mudug Spitäler, betreibt mobile Kliniken und leitet einen Notfalleinsatz als Reaktion auf die Dürre. Im Januar und Februar 2026 wurden in den von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Einrichtungen und in den mobilen Kliniken insgesamt 42 765 ambulante Sprechstunden für Kinder und Erwachsene durchgeführt, 13 379 davon für Kinder unter fünf Jahren. Im gleichen Zeitraum untersuchten unsere mobilen Teams im Land 17 133 Personen auf Mangelernährung und überwiesen 4564 schwer mangelernährte Kinder an ambulante oder stationäre Ernährungszentren. Als Reaktion auf die aktuelle Dürre stellte Ärzte ohne Grenzen zudem mehr als 32 Millionen Liter Trinkwasser bereit, setzte zwei Brunnen instand und verteilte 1050 Hygienekits und Wasserkanister an vertriebene Familien.