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Wiederaufbau der medizinischen Grundversorgung in Syrien
Syrien 4 Min.
Mohammad Khaled musste 2014 seine Heimat Salma im Gouvernement Latakia verlassen. Er lebte rund zehn Jahre auf dem Land in der Provinz Idlib, ehe er zurückkehrte.
Alles war zerstört. Es gab keine Gesundheitszentren, keine Spitäler, nichts.
Der Krieg hat in Salma tiefe Spuren hinterlassen. Allmählich kehren die Menschen jedoch wieder zurück und auch die medizinische Versorgung verbessert sich schrittweise. Seit März 2026 unterstützt Ärzte ohne Grenzen die lokale Gesundheitsbehörde. Zunächst waren unsere Teams mit einer mobilen Klinik im Einsatz. Inzwischen haben das Gesundheitsministerium und UNICEF das Grundversorgungszentrum in Salma wieder instand gesetzt. Wir stellen dort Personal und medizinisches Material zur Verfügung und schulen die Mitarbeitenden.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren im Juni 2026 in Syrien 12,8 Millionen Menschen auf medizinische Hilfe angewiesen. Allerdings sind lediglich 39 Prozent der Grundversorgungszentren und 59 Prozent der Spitäler voll funktionsfähig, wie aus den Daten des WHO-Überwachungssystems HeRAMS hervorgeht. Hohe Kosten, weite Wege und fehlende Medikamente und Materialien erschweren den Zugang zu Gesundheitsdiensten zusätzlich.
Die hohe Arbeitslosigkeit und die massive Inflation verschärfen die Krise noch. Viele Familien haben Mühe, sich über Wasser zu halten, und können sich Arztbesuche wegen der hohen Kosten für Anreise, Konsultation, Medikamente und Untersuchungen schlicht nicht leisten.
Hawas Ali stammt aus Deir ez-Zor und lebt mittlerweile in der Nähe von Tsil im Gouvernement Daraa. Die hohen Gesundheitskosten kennt er aus eigener Erfahrung.
Behandlungen in Privateinrichtungen sind teuer. Alles ist teuer.
Im Gesundheitszentrum von Tsil arbeiten unsere Teams eng mit der Gesundheitsbehörde zusammen. Wir bieten dort kostenlos ärztliche Konsultationen, sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung sowie psychologische Unterstützung an. Auch Medikamente werden kostenfrei abgegeben. Ausserdem überweisen wir die Patient:innen bei Bedarf an spezialisierte Gesundheitseinrichtungen.
Bis September 2026 haben wir bereits knapp 15 000 medizinische Sprechstunden sowie über 1500 Konsultationen im Bereich sexuelle und reproduktive Gesundheit durchgeführt und über 240 Überweisungen vorgenommen.
Im Gesundheitszentrum Al-Qutaylibiyah im Gouvernement Latakia stellten Medikamentenengpässe eine zusätzliche finanzielle Belastung für die Patient:innen dar. «Die Patient:innen konnten sich zwar in unserem Zentrum untersuchen lassen, mussten aber einen Grossteil der Medikamente selbst in privaten Apotheken kaufen», sagt Dr. Nagham Al-Alouni, die Leiterin des Zentrums.
In über 20 Gesundheitszentren im Einsatz
Mittlerweile versorgen wir das Gesundheitszentrum Al-Qutaylibiyah mit Medikamenten und medizinischem Material und helfen bei den Laboranalysen. Ausserdem schulen wir das Personal, beteiligen uns an der Sanierung des Zentrums und verbessern mit den Teams vor Ort die Triage und die Behandlungsabläufe. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Betreuung von Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck, die auf eine engmaschige Behandlung und die regelmässige Einnahme von Medikamenten angewiesen sind.
2026 unterstützten wir in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden über 20 Grundversorgungszentren in den zehn Gouvernements Aleppo, Idlib, Raqqa, Hassakeh, Deir ez-Zor, Homs, Daraa, Rif Damaskus, Latakia und Suweida.
Von Januar bis September 2026 wurden in diesen Einrichtungen mehr als 216 000 allgemeinmedizinische Sprechstunden durchgeführt. Hinzu kamen über 25 000 Konsultationen zu chronischen, nichtübertragbaren Erkrankungen, 6700 vorgeburtliche Untersuchungen, 5200 Beratungen zu Familienplanung und Verhütung sowie 4100 psychologische Einzel-, Paar- oder Familienberatungen und 2600 Gruppensitzungen.
*Hinweis: Die Zahlen basieren auf den konsolidierten Daten von Ärzte ohne Grenzen per September 2026. Die Berichtszeiträume variieren je nach Einrichtung. Die Zahl der Konsultationen entspricht nicht der Zahl der Patient:innen.
Die Gesundheitsversorgung langfristig sichern
Wir arbeiten mit den Gesundheitsbehörden daran, die medizinische Versorgung zu stärken, damit sie auch nach unserem Einsatz Bestand hat.
Im März 2026 stellten wir unsere Arbeit in Darat Izza im Gouvernement Aleppo ein. Dort hatten wir über drei Jahre lang die Gesundheitszentren unterstützt. Um die Versorgung der Patient:innen zu gewährleisten, stellten wir bei der Übergabe an das Gesundheitsministerium Medikamente bereit.
Im Juni 2026 ging auch unser Einsatz in den Gesundheitseinrichtungen in Suweida und Arman im Gouvernement Suweida zu Ende. Wir begleiteten die Übergabe an die Gesundheitsbehörden, damit die medizinische Versorgung nahtlos weitergeführt werden kann.
Im September 2026 eröffneten wir in Al-Hassakeh im Nordosten Syriens gemeinsam mit der Gesundheitsbehörde das Gesundheitszentrum Al Nashwa. Die Einrichtung, die zuvor auf die Behandlung chronischer Erkrankungen spezialisiert war, wurde saniert und bietet nun ein breites Behandlungsspektrum an. Dazu gehören die reproduktive Gesundheit und die Betreuung von Überlebenden sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt.
In Deir ez-Zor unterstützen wir seit Kurzem ein Gesundheitszentrum im Dorf Boqruss Foqani. Unsere Teams bieten dort ambulante Konsultationen und reproduktive Gesundheitsversorgung an. Seit September 2026 sind wir ausserdem in vier Gesundheitseinrichtungen in Sayyeda Zeinab, Ghizalaniyyeh, Maliha und Hajar al-Aswad im Gouvernement Rif Damaskus im Einsatz.
Die Gesundheitsversorgung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass die Menschen zurückkehren und ihre Heimat wieder aufbauen können.