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DR Kongo: Massive Cholera-Epidemie in Sangé, Süd-Kivu, eingedämmt
Demokratische Republik Kongo 3 Min.
Mitten in der Nacht bekam ich unerträgliche Bauchschmerzen. Dazu kamen Erbrechen und Durchfall. Als sich mein Zustand verschlechterte, rief ich die Nachbarn. Sie halfen mir, die Fahrt mit dem Motorrad ins Spital zu bezahlen.
Fehlender Zugang zu funktionierenden Trinkwasserfassungen
Seit Monaten fliesst in den Haushalten in Sangé kein Trinkwasser aus den Hähnen. Das liegt daran, dass die beiden wichtigsten Trinkwasserfassungen defekt und unzugänglich sind. «Wegen der Präsenz bewaffneter Gruppen hatte die Bevölkerung keinen Zugang zu diesen Wasserstellen. Zudem waren die Filtersysteme durch Sand und Erde verstopft. Die Menschen hatten daher kein sauberes Wasser mehr», erklärt Mamadu Diallo, medizinischer Leiter des Notfallteams.
Den meisten blieb nichts anderes übrig, als verschmutztes Flusswasser oder Wasser aus dem Bewässerungskanal zu trinken. Das schildert auch Busime, die Mutter der dreijährigen Gisele, die an Cholera erkrankt war und im Spital von Sangé behandelt wurde. «Das Wasser ist schmutzig und wird nicht aufbereitet. Doch aus Mangel an Alternativen trinken wir es. Meine Tochter verlor rasch viel Flüssigkeit. Sie lag nur noch da und konnte nach den vielen Toilettengängen kaum noch aufstehen», erzählt sie.
Mehr als 50 neue Wasserdesinfektionsstellen
Ärzte ohne Grenzen unterstützt das Cholera-Behandlungszentrum im Spital von Sangé und das Gesundheitszentrum von Ndunda etwas ausserhalb. Zudem haben wir im Gesundheitsbezirk Ruzizi mehr als 50 Wasserdesinfektionsstellen eingerichtet.
Wir arbeiten mit der Bevölkerung zusammen, um die Wasserfassungen zu reinigen. Ziel: Das Wasser soll wieder gefiltert und mit Chlor desinfiziert werden können.
Der fehlende Zugang zu den Trinkwasserstellen ist das Hauptproblem in dieser Region. Das muss vorrangig gelöst werden.
Acht Wochen nach Beginn des Notfalleinsatzes von Ärzte ohne Grenzen ist der Ausbruch unter Kontrolle und die Zahl der Cholerafälle um 90 Prozent zurückgegangen.
«Durch die andauernden Fluchtbewegungen infolge des Konflikts kommen laufend Menschen in die Region, die noch nie etwas von Präventionsmassnahmen gegen Cholera gehört haben», betont unsere Supervisorin für Gesundheitsförderung. Um ein erneutes Aufflammen der Krankheit in diesem Endemiegebiet zu verhindern, schult Ärzte ohne Grenzen lokale Gesundheitshelfer:innen in der Umsetzung von Präventionsmassnahmen und der frühzeitigen Erkennung von Krankheitsanzeichen. Zudem lernen die Menschen, ihre Wasserkanister richtig zu waschen, da diese ebenfalls kontaminiert sein können.
Die schwerste Cholera-Epidemie seit fünf Jahren
Wir versorgten über 800 Cholerapatient:innen. Es handelt sich um die schwerste Cholera-Epidemie seit fünf Jahren im Gesundheitsbezirk Ruzizi.
Gleichzeitig trieben die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den mit der kongolesischen Armee verbündeten Wazalendo-Kämpfern und der M23/Alliance Fleuve Congo (AFC) viele Menschen in die Flucht und verschärften damit das Risiko weiterer Ansteckungen. «Ich bin vor dem Krieg aus Kigurwe geflohen. Doch vor einem Monat kam ich nach Sangé zurück, weil sich meine Kinder nicht zurechtfanden», erzählt Busimé an der Seite ihrer kranken Tochter. Im Spital von Sangé berichtet die 25-jährige Bäuerin Nakitula, die ebenfalls an Cholera erkrankt ist, von ähnlichen Erfahrungen. «Ich bin aus Sangé nach Kahungwe im Gesundheitsbezirk Lemera geflohen. Doch ohne eigenes Land zum Bewirtschaften und ohne Einkommen wurde das Leben dort immer schwieriger. Also kehrte ich zurück. Zurzeit halte ich mich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser.» Die anhaltenden Vertreibungen tragen zur Ausbreitung der Cholera bei, denn viele Menschen leben gezwungenermassen bei Gastfamilien in beengten und mitunter prekären Verhältnissen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Ende Januar kam es in Sangé zu einer Explosion mit mehreren Todesopfern und rund einem Dutzend Verletzten. Aus Sicherheitsgründen musste unser Notfallteam den Ort daher vorübergehend verlassen. Wir haben unsere Aktivitäten jedoch bis Mitte Februar weiterhin aus der Ferne koordiniert.