Mütter besuchen mit ihren Kindern wöchentlich die Gesundheitszentren von Ärzte ohne Grenzen, um sich wegen Mangelernährung behandeln zu lassen, wodurch eine kontinuierliche Überwachung und Behandlung während ihrer gesamten Genesung gewährleistet ist.
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Mütter besuchen mit ihren Kindern wöchentlich die Gesundheitszentren von MSF, um sich wegen Unterernährung behandeln zu lassen, wodurch eine kontinuierliche Überwachung und Behandlung während ihrer gesamten Genesung gewährleistet ist.
© Miora Rabearisoa

Madagaskar: Ärzte ohne Grenzen warnt vor Verschärfung der Ernährungskrise im Distrikt Ikongo

Antananarivo, 9. März 2026 – Angesichts der zunehmend angespannten humanitären Lage im Land haben die madagassische Regierung und die Vereinten Nationen jüngst einen internationalen Hilfsappell lanciert. Ärzte ohne Grenzen ist insbesondere über die Ernährungssituation der Kinder im Distrikt Ikongo im Südosten Madagaskars besorgt und befürchtet, dass es in den kommenden Wochen zu einer Zunahme von akuter Mangelernährung kommt.

Die Mitarbeitenden der Organisation, die seit 2022 in diesem Distrikt tätig sind, stellen bereits fest, dass die aktuelle Lage die Gesundheitseinrichtungen stark belastet. Seit Oktober wird die Ernährungssicherheit in Ikongo gemäss der Integrierten Klassifizierung der Ernährungssicherheit (IPC) als «angespannt» (Phase 2) eingestuft. Nun beginnt eine besonders kritische Phase in der Region, da zwischen Januar und April die Nahrungsmittelvorräte zur Neige gehen und die nächste Ernte noch aussteht. Gleichzeitig ist dies auch die Zeit, die als Zyklonsaison gilt und in der es zu einer Zunahme von Malariafällen kommt.

Tatsächlich ist Madagaskar besonders stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Wiederholte Extremwetterereignisse belasten nicht nur die Gesundheitsdienste, sondern machen die Bevölkerung noch anfälliger für Ernährungskrisen. Seit 2025 grassiert zudem eine besonders schwere Malaria-Epidemie. Allein zwischen Januar und Mitte Februar wurden im Distrikt gemäss dem Gesundheitsministerium mehr als 11 000 Fälle gemeldet. Damit gehört Ikongo zu den Gebieten, die am stärksten betroffen sind. Malaria ist mittlerweile der häufigste Grund, weshalb die Menschen in die von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Einrichtungen kommen; mehr als 50 Prozent werden positiv getestet. Die Krankheit belastet die Familien zusätzlich und erhöht das Risiko für ernährungsbedingte Komplikationen bei kleinen Kindern.

Hinzu kommt, dass Gesundheitsversorgung für viele nur schwer zugänglich ist. Die Isolation vieler Dörfer, der schlechte Strassenzustand, fehlende Transportmittel und klimatische Widrigkeiten führen oft dazu, dass Kinder mit akuter Mangelernährung erst spät in eine medizinische Einrichtung gebracht werden und manchmal schon in einem kritischen Zustand sind.

Ärzte ohne Grenzen hat deshalb in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden die Aktivitäten seit Ende Oktober ausgebaut. Neben den 22 medizinischen Einrichtungen, die die Organisation bereits zuvor unterstützte, betreut sie nun zusätzlich neun Gesundheitszentren und 22 ambulante Ernährungszentren im südlichen Teil des Distrikts. Die Aktivitäten umfassen medizinische und ernährungstherapeutische Versorgung, Screenings auf Mangelernährung sowie Aufklärungsmassnahmen mit dem Ziel, dass die Menschen frühzeitig medizinische Hilfe aufsuchen.

Durch Sensibilisierungssitzungen schulen MSF-Teams Eltern darin, Frühwarnzeichen für Unterernährung bei ihren Kindern zu erkennen, und befähigen sie so, eine Diagnose und Behandlung zu suchen, bevor sich der Zustand verschlimmert.

Durch Sensibilisierungssitzungen schulen unsere Teams Eltern darin, Frühwarnzeichen für Mangelernährung bei ihren Kindern zu erkennen, und befähigen sie so, eine Diagnose und Behandlung zu suchen, bevor sich der Zustand verschlimmert.

© Miora Rabearisoa

Während Ärzte ohne Grenzen die Hilfe aufstockt, geht sie jedoch bei anderen Organisationen zurück: Das Welternährungsprogramm (WFP) geht auf nationaler Ebene von schätzungsweise 18 Millionen Dollar aus, die fehlen, um die Ernährungssicherheit in den nächsten sechs Monaten zu gewährleisten. In die abgelegenen Gebiete in Ikongo gelangt nur wenig Unterstützung, und es sind nur vereinzelt Hilfsorganisationen vor Ort. So fehlt es an grundlegenden Medikamenten und medizinischem Material, und auch die Versorgung von schwangeren und stillenden Frauen ist unzureichend.

Seit Beginn des Nothilfeeinsatzes im Oktober wurden insgesamt 27 072 Kinder auf Mangelernährung untersucht. 4077 waren akut mangelernährt und mussten behandelt werden; 842 von ihnen litten an einer schweren Form. Auch das Kinderhilfswerk UNICEF ist vor Ort und unterstützt in Ergänzung zu den Tätigkeiten von Ärzte ohne Grenzen drei intensiv-therapeutische Ernährungszentren und mehrere mobile Kliniken. 

Die Beobachtungen unserer Teams in Ikongo bestätigen die von der madagassischen Regierung geäusserten Befürchtungen. Besonders heikel ist, dass die sogenannte Hungerperiode – die Zeit zwischen zwei Ernten – mit der Zyklonsaison und einer Zunahme der Malariafälle zusammenfällt. Ohne raschen Ausbau der Behandlungskapazitäten und Präventionsmassnahmen könnten in den kommenden Wochen noch mehr Kinder in einem kritischen Ernährungszustand bei uns eintreffen.

Narcisse Wega, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Madagaskar.

Für Ärzte ohne Grenzen steht daher fest, dass es nun Massnahmen auf nationaler Ebene braucht. Nur so kann sichergestellt werden, dass die medizinischen Einrichtungen Unterstützung erhalten, ausreichend therapeutische Nahrung und Malariamedikamente zur Verfügung stehen und auch die Menschen in abgelegenen Gebieten Zugang zu kostenloser Versorgung haben. Mit Blick auf die steigenden Fallzahlen und den Schweregrad der Erkrankungen dürften die nächsten Wochen entscheidend sein, wenn es darum geht, eine weitere Verschlechterung des Ernährungs- und Gesundheitszustands der Kinder in Ikongo zu verhindern.