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Haiti: Ärzte ohne Grenzen behandelt rund 100 Patient:innen in zwei Wochen
Haiti 2 Min.
Um für eine medizinische Versorgung in eines der noch wenigen funktionierenden Spitäler in Port-au-Prince zu gelangen, müssen Patient:innen unter anderem mehrere Meter hohe Barrikaden überwinden, blockierte Strassen passieren und durch unter Beschuss stehende Stadtviertel gelangen.
Viele medizinische Einrichtungen in der Hauptstadt sind geschlossen oder nur teilweise funktionsfähig. Einige wurden von bewaffneten Gruppen angegriffen oder geplündert. Nur ein öffentliches Spital mit Operationskapazitäten bleibt geöffnet.
In meiner Gegend gibt es keine Spitäler und keine Medikamente. Es gibt zwar ein paar Ärzt:innen, aber sie haben kaum genug Material für eine grundlegende Versorgung. Die Menschen trauen sich nicht mehr, diese Gebiete zu verlassen. Sie haben Angst. Wer aus meiner Gegend kommt, wird sofort als kriminell angesehen, besonders wenn man angeschossen wurde. Auch, wenn man nichts Unrechtes getan hat. Krankenwagen kommen nicht hierher, und Mototaxis weigern sich oft, Verletzte zu transportieren, aus Angst, selbst ins Visier zu geraten.
Anfang Januar wurde er auf dem Heimweg durch ein von bewaffneten Gruppen kontrolliertes Viertel von Port-au-Prince nach einem Schuss in die Ferse ins Spital der Organisation in Tabarre gebracht.
Unser Team verzeichnet trotz des erschwerten Zugangs zu medizinischer Versorgung einen deutlichen Anstieg der Gewaltopfer im Spital in Drouillard. Innerhalb von 15 Tagen, zwischen dem 29. Dezember 2025 und 12. Januar 2026, wurden 101 Patient:innen mit gewaltbedingten Verletzungen aufgenommen, darunter 66 mit Schussverletzungen. Das übersteigt bei Weitem den monatlichen Durchschnitt von 54 Einweisungen aufgrund von Schussverletzungen in Drouillard im Jahr 2025.
Patient:innen, die chirurgisch behandelt werden müssen, werden an die Klinik für Unfallchirurgie in Tabarre überwiesen, eine der letzten Einrichtungen in der Hauptstadt, die noch kostenlose spezialisierte chirurgische Versorgung anbieten kann. Diese Überweisungen erfolgen jedoch unter prekären Bedingungen. Vor mehr als einem Jahr musste Ärzte ohne Grenze ihren Rettungsdienst aufgrund wiederholter Drohungen und Angriffe auf Fahrzeuge und Patient:innen während des Transports zwischen medizinischen Einrichtungen einstellen. Einige Fahrzeuge des staatlichen Rettungsdienstes sind weiterhin einsatzfähig, aber ihre Kapazitäten reichen nicht aus. Viele Schwerverletzte treffen spät ein – nachdem die Kämpfe in ihren Stadtvierteln abgeklungen sind. Oft werden sie mit nicht medizinischen Transportmitteln wie Mototaxis gebracht, wodurch sich ihr Zustand auf der Fahrt mitunter weiter verschlechtert.
In den vergangenen zwei Wochen waren schwere Schussverletzungen, die vielfach zu offenen Brüchen oder Verletzungen im Bauchraum führten, der häufigste Grund für gewaltbedingte Einweisungen. Mit über 40 Fällen machten sie den Grossteil der in diesem Zeitraum behandelten Patient:innen aus.
Im Jahr 2025 wurden 686 aufgrund von Gewalt verletzte Patient:innen in unser Spital in Tabarre eingeliefert, fast 90 Prozent davon mit Schussverletzungen. Unter den Schussopfern befanden sich 193 Frauen und 47 Kinder unter 14 Jahren. Dieser Trend dauert an: Allein am 6. Januar 2026 nahm unser Team acht Patient:innen mit Schussverletzungen an einem einzigen Tag auf, was die anhaltende und intensive Gewalt in der Hauptstadt verdeutlicht.