msf.navigation.breadcrumb_title
- Startseite
- Pressemitteilung
- msf.navigation.breadcrumb_current_page:Erklärung bezüglich Weitergabe...
Erklärung bezüglich Weitergabe von Mitarbeitendendaten und unserem humanitären Einsatz in den besetzten Palästinensischen Gebieten
Palästinensische Autonomiegebiete 3 Min.
Trotz wiederholter Bemühungen ist in den vergangenen Tagen deutlich geworden, dass es nicht gelungen ist, mit den israelischen Behörden eine Einigung über die erforderlichen konkreten Zusicherungen zu erzielen. Dazu gehörte
- dass alle Mitarbeitendendaten ausschliesslich für die angegebenen administrativen Zwecke verwendet werden,
- dass die Kolleg:innen, deren Namen geteilt wurden, nicht in Gefahr geraten,
- dass Ärzte ohne Grenzen die volle Kontrolle über alle Personalangelegenheiten und die Verwaltung der medizinischen Hilfsgüter behält und
- dass alle Veröffentlichungen, die Ärzte ohne Grenzen diffamieren und die Sicherheit ihrer Mitarbeitenden gefährden, eingestellt werden.
Infolgedessen wurden keine Mitarbeitendendaten an die israelischen Behörden weitergegeben.
Im März 2025 hatten die israelischen Behörden angekündigt, dass Organisationen, die eine Neu-Registrierung beantragen, sensible Daten ihrer Mitarbeitenden vorlegen müssen. Ärzte ohne Grenzen äusserte von Anfang an ernsthafte Bedenken hinsichtlich dieser Forderung. Denn in den besetzten Palästinensischen Gebieten wurden medizinische und humanitäre Helfer:innen immer wieder eingeschüchtert, willkürlich inhaftiert und angegriffen. Seit Oktober 2023 sind 1700 Mitarbeitende des Gesundheitswesens sowie 15 unserer Kolleg:innen getötet worden.
Am 30. Dezember gaben die israelischen Behörden dann bekannt, dass die bisherige Registrierung von Ärzte ohne Grenzen abgelaufen sei und die Organisation daher innerhalb von 60 Tagen ihre Arbeit einstellen müsse.
In dem Bestreben, alle möglichen Optionen – so begrenzt sie auch sein mögen – zu prüfen, um weiterhin lebenswichtige medizinische Versorgung leisten zu können, teilte die Organisation den israelischen Behörden am 23. Januar mit, dass sie als Ausnahmemassnahme bereit sei, eine definierte Liste mit den Namen palästinensischer und internationaler Mitarbeitenden unter klaren Bedingungen weiterzugeben, wobei die Sicherheit unserer Mitarbeitenden im Mittelpunkt stehe. Diese Mitteilung wurde nach Rücksprache mit unseren palästinensischen Kolleg:innen gemacht, mit der klaren Prämisse, dass keine Mitarbeitendeninformationen ohne die ausdrückliche Zustimmung der betroffenen Personen weitergegeben werden würden.
Inmitten der anhaltenden humanitären Katastrophe im Gazastreifen und der extremen Gewalt gegen Mitarbeitende des Gesundheitswesens zwingen die israelischen Behörden humanitäre Organisationen zu einer unmöglichen Entscheidung – sie müssen sich zwischen der Weitergabe dieser sensiblen Daten ihrer Mitarbeitenden und dem Abbruch der lebenswichtigen medizinischen Versorgung entscheiden.
Wenn Ärzte ohne Grenzen aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland vertrieben wird, hätte dies verheerende Auswirkungen: die Palästinenser:innen sind inmitten zerstörter Häuser und dringender humanitärer Bedürfnisse einem unbarmherzigen Winter ausgesetzt. Die humanitären Bedingungen sind nach wie vor katastrophal: Seit Oktober wurden trotz Waffenstillstand fast 500 Menschen getötet. Der Zugang zu Nahrung, Wasser, Unterkünften, Gesundheitsversorgung, Treibstoff und Lebensgrundlagen wurde weitgehend eingestellt respektive zerstört. Das Gesundheitssystem funktioniert kaum mehr, viele spezialisierte Leistungen, wie z. B. die Versorgung von Verbrennungen, können durch niemanden mehr geleistet werden. Im Jahr 2025 führte Ärzte ohne Grenzen 800 000 Behandlungen durch, begleitete jede dritte Geburt und betreute einen Fünftel der noch bestehenden Spitalbetten. Diese Unterstützung kann nicht ohne Weiteres ersetzt werden.
Ärzte ohne Grenzen ist weiterhin offen für einen Dialog mit den israelischen Behörden, um unsere lebenswichtigen medizinischen Einsätze im Gazastreifen und im besetzten Westjordanland aufrechtzuerhalten. Wir wollen sicherstellen, dass unsere Teams weiterhin lebensrettende medizinische Versorgung für Menschen in Not leisten können.