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Weniger Schmerzen, mehr Lebensqualität – Palliativpflege in Malawi
Malawi 3 Min.
Seit 2022 arbeitet Ärzte ohne Grenzen mit dem Gesundheitsministerium zusammen, um Palliativpflege auch in den abgelegensten Dörfern anzubieten. Palliativpflege ist darauf ausgerichtet, die Lebensqualität von Patientinnen mit unheilbaren oder terminalen Erkrankungen zu verbessern und ihre Würde zu wahren. Mit ihr können Schmerzen gelindert und krankheits- oder therapiebedingte Symptome behandelt werden. Sie umfasst aber auch psychologische und soziale Betreuung. In Malawi ist Morphin seit Langem verfügbar: Das Medikament ist unverzichtbar für die Schmerztherapie. Die Schwierigkeit besteht darin, es den Patientinnen bis ans Ende ihres Leidens zu verabreichen. Dazu braucht es insbesondere Hausbesuche und gut versorgte Gesundheitszentren in nächster Nähe.
Hausbesuche ermöglichen es Frauen wie Jean Gama und Aida Malosi, regelmässig behandelt zu werden, ohne weite Strecken bis ins Spital von Blantyre zurücklegen zu müssen. Bei jedem Besuch klären die Teams ab, wie stark die Schmerzen sind und welche weiteren Beschwerden bestehen. Sie kontrollieren die Vitalwerte und passen die Behandlung entsprechend an. Je nach Zustand der Patientin finden die Hausbesuche monatlich, wöchentlich oder – in der terminalen Phase – in kürzeren Abständen statt. Die Patientinnen können so bei sich zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Ihr Leid wird gelindert und ihre Würde gestärkt.
Unser Projekt stützt sich auf ein bereits bestehendes Palliativpflegesystem, das aus den malawischen HIV/Aids-Programmen hervorgegangen ist. Es weist jedoch noch Lücken auf und funktioniert nicht überall gleich gut. Ärzte ohne Grenzen hat dieses System in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium unterstützt, indem die Bedürfnisse eruiert, Behandlungslücken geschlossen und die Kapazitäten der Gesundheitszentren gestärkt wurden. Ein zentraler Bestandteil war das Mentoring-Programm für medizinische Fachkräfte in den Bereichen Schmerztherapie, Morphin-Verabreichung, Hausbesuche und Patientinnenbetreuung. Bisher wurde das Programm in 46 Gesundheitszentren in elf Bezirken im Süden Malawis umgesetzt. Es umfasst auch praktische Unterstützung für die Teams des Gesundheitsministeriums: Treibstoff für die Hausbesuche, Telefonguthaben, wichtige Medikamente und Unterstützung bei der Beschaffung von Material.
Bei den Hausbesuchen erhalten die Teams zudem Einblicke in das soziale Umfeld der Patientinnen. Einige von ihnen leben völlig abgeschottet, werden diskriminiert und wohnen in baufälligen Behausungen unter äusserst prekären Bedingungen. Oft verfügen sie schlicht nicht über die Mittel, um sich in ein Spital zur Behandlung zu begeben – und das, obwohl die Therapie kostenlos angeboten wird. Angesichts dieser Notlage hat Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit der NGO GiveDirectly ein Spendenprogramm ins Leben gerufen. Jeden Monat erhalten die Patientinnen über ein eigens zur Verfügung gestelltes Telefon einen Geldbetrag, um die mit der Krankheit verbundenen Kosten zu decken: Transportspesen sowie Ausgaben für Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs. Selbst wenn diese Hilfe nicht ausreicht, um diese Frauen aus der Armut zu befreien, so trägt sie doch dazu bei, die Zahl der wirtschaftlich bedingten Therapieabbrüche zu verringern.
Aus den Hausbesuchen ging auch hervor, welch bedeutende Rolle die Pflegenden spielen: Häufig sind es Angehörige, die den Patientinnen Essen kochen, ihnen bei der täglichen Toilette helfen, die Medikamenteneinnahme kontrollieren, sie zu Arztterminen begleiten und Tag und Nacht für sie da sind. Nicht selten befinden sie sich daher selbst am Rande der Erschöpfung. Palliativpflege beinhaltet folglich nicht nur die Pflege der Patientinnen, sondern auch die Betreuung derer, die sich tagtäglich um sie kümmern – auch in psychologischer Hinsicht.
Seit 2019 haben 2700 Frauen eine solche Betreuung bis ans Lebensende erhalten. Doch die Arbeit ist nicht zu Ende: Die bestehenden Zentren müssen weiterbetrieben, aufgrund des Personalwechsels regelmässig neue Pflegefachpersonen geschult und eine gleichbleibende Versorgungsqualität langfristig sichergestellt werden. Ein weiteres wesentliches Ziel für Ärzte ohne Grenzen und das Gesundheitsministerium ist es, die Sterblichkeit im Zusammenhang mit Gebärmutterhalskrebs zu senken. Dazu wird vermehrt auf Vorsorge, Früherkennung und den Zugang zu Untersuchungen sowie kurativen Verfahren gesetzt. Durch eine Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs verursachen, könnten Erkrankungen ausserdem vermieden werden.