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Niafounké, Nordmali: Stabile Gesundheitsversorgung dank Solarenergie
Mali 3 Min.
Bisher verliessen sich die Teams im Spital fast ausschliesslich auf ein mit Diesel betriebenes Wärmekraftwerk. Stromausfälle gehörten zum Alltag. Um die medizinische Versorgung sicherzustellen, mussten sie immer wieder auf einen Generator zurückgreifen. Dieser war kostspielig und zudem nicht besonders zuverlässig. Heute deckt die neue Photovoltaikanlage rund 60 Prozent des Energiebedarfs im Spital ab – und macht es dadurch deutlich unabhängiger.
Dank der neuen Photovoltaikanlage werden die Ausgaben für den Generator deutlich gesenkt, und wir haben geringere Kosten für Wartung und Diesel. So bleiben mehr Ressourcen für die Behandlung der Patient:innen. Ausserdem sorgt sie dafür, dass lebenswichtige Behandlungen ohne Unterbruch fortgeführt werden können. Essenziell sind etwa der unterbrechungsfreie Betrieb von Sauerstoffkonzentratoren in der Neonatologie und Pädiatrie, eine zuverlässige Stromversorgung bei Notfällen auf der Chirurgie oder während Entbindungen sowie für das Labor und den Betrieb der Ultraschallgeräte. Die Photovoltaikanlage hilft, unsere Kühlkette aufrechtzuerhalten. Das ist zum Beispiel bei Bluttransfusionen unverzichtbar.
Die Anlage verfügt über eine Leistung von 90 kWp sowie ein Batteriespeichersystem mit 210 kWh auf Lithiumbasis, ergänzt durch einen 80-kVA-Generator[1]. Dieses Hybridsystem ermöglicht einen Wechsel zwischen Solarenergie, dem städtischen Stromnetz und dem Generator. So kann die Stromversorgung durchgehend gewährleistet werden – sowohl tagsüber als auch nachts.
Für Patient:innen hat diese stabile Energieversorgung ganz konkrete Auswirkungen. Fadi, die nach Drohungen bewaffneter Gruppen aus dem Dorf Léré vertrieben wurde, fand mit ihren Kindern Zuflucht in Niafounké. Sie berichtet: «Ich bin mit meinen Kindern und meiner Schwester geflohen, weil bewaffnete Männer uns dazu gedrängt haben, das Dorf zu verlassen. Heute bringe ich meinen Sohn Ousmane in die Pädiatrie.» In ihrer von Vertreibung und prekären Bedingungen geprägten Situation ist der Zugang zu medizinischer Versorgung lebenswichtig.
Das Solarprojekt ist Teil der «Green Initiative» von Ärzte ohne Grenzen, einer Strategie zur Verringerung des ökologischen Fussabdrucks bei gleichzeitiger Verbesserung der operativen Effizienz. Seit mehreren Jahren setzt die Organisation in verschiedenen Ländern weltweit hybride Photovoltaik-Lösungen ein – insbesondere in der Sahelzone. Diese verringern die Abhängigkeit von Diesel, der oft nur schwer in abgelegene Gebiete transportiert werden kann und obendrein teuer und umweltschädlich ist.
Die Vorteile machen sich in ökologischer, aber auch in monetärer Hinsicht bemerkbar. Durch die gesenkten Energiekosten werden finanzielle Mittel frei, die wir konkret in die medizinische Versorgung investieren können. Solarenergie stabilisiert den Betrieb von Labor und Kühlräumen und verbessert sowohl die Arbeitsbedingungen der Teams als auch die Versorgungsqualität.
In einem weiterhin fragilen humanitären Kontext ist Solarenergie weit mehr als eine technische Lösung: Sie ist ein Hebel für Autonomie, Resilienz und Hoffnung für Gesundheitseinrichtungen und die Bevölkerung. Mit Initiativen wie dieser verbindet Ärzte ohne Grenzen humanitäres Handeln, ökologische Verantwortung und nachhaltiges Engagement.
Seit 2019 leitet Ärzte ohne Grenzen ein Projekt zur Behandlung von Kindern unter 15 Jahren im Spital von Niafounké. Zudem unterstützt die Organisation vier kommunale Gesundheitszentren und bietet in den entlegenen Dörfern der Gourma-Ebene in der Region Timbuktu verschiedene Gesundheitsdienste an.
[1] kWp steht für die theoretische maximale Leistung, die eine Solaranlage unter idealen Bedingungen erzeugen kann.
kWh misst eine gespeicherte oder verbrauchte Energiemenge.
kVA misst die Scheinleistung und wird vor allem bei Stromaggregaten und Transformatoren verwendet.