Gabriel Kalany, étudiant à l'Académie MSF, se prépare pour une séance d'entraînement
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Gabriel Kalany, étudiant à l'Académie MSF, se prépare pour une séance d'entraînement
© Florence Miettaux

Nachhaltigkeit in der Gesundheitsversorgung: Verringerung von Einwegplastik

Plastik ist in der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken. Die Vorteile des Einsatzes von Kunststoffen bei der Infektionsprävention und Versorgungsqualität sind unbestritten, doch die rasante und bisweilen unkontrollierte Verbreitung birgt auch ernsthafte Risiken für Mensch und Umwelt.

Jedes Jahr fliessen fast 10 Prozent der weltweiten Ölproduktion in die Herstellung von Kunststoffen. Die Kunststoffproduktion ist von 1,5 Millionen Tonnen im Jahr 1950 auf mehr als 400 Millionen Tonnen im Jahr 2023 gestiegen – damit übersteigt sie das Gesamtgewicht der gesamten Menschheit. Wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen, dürfte sich die Produktion bis 2040 verdoppeln und bis 2060 verdreifachen. 

Plastikmüll ist ein Gesundheitsproblem 

Plastikverschmutzung ist zu einem globalen Problem geworden, das gravierende Auswirkungen hat. Kunststoffe verschmutzen mittlerweile jeden Winkel unseres Planeten, von den Eisschichten der Antarktis über den Wüstensand bis zu den Berggipfeln und den tiefsten Ozeangräben. Über die Atmung, das Trinkwasser und die Nahrung gelangen winzige Plastikteilchen, sogenanntes Nanoplastik, in den Körper. Schätzungen zufolge nehmen Menschen jede Woche zwischen fünf und sieben Gramm Plastik auf – das entspricht etwa der Grösse einer Kreditkarte! 

Kontakt mit Nanokunststoffen kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Entzündungen der Atemwege, Hormonstörungen, Fruchtbarkeitsprobleme und kognitiven Verfall erhöhen. Die bei der Kunststoffherstellung verwendeten chemischen Zusatzstoffe, wie etwa Bisphenol A, gelten als endokrine Disruptoren, die mit Fortpflanzungsstörungen und Krebs in Verbindung stehen. 

Das Dilemma der Gesundheitsversorgung 

Akteur:innen des Gesundheitswesens sind in einer Zwickmühle: Einerseits bekämpfen sie die Auswirkungen dieser globalen Krise, andererseits tragen sie selbst dazu bei. Medizinische Einrichtungen sind für eine sichere Versorgung in hohem Masse auf Kunststoffartikel angewiesen, doch dies verursacht riesige Abfallmengen. So generiert ein Spitalbett im Schnitt täglich zwischen zwei und vier Kilogramm Abfall. Viele der Wegwerfprodukte wie Infusionsbeutel, Spritzen, Katheter oder Schutzausrüstung für medizinisches Personal bestehen aus Einwegkunststoff, der umweltschädliche Materialien wie PVC enthalten kann. 

Abfälle aus Gesundheitseinrichtungen müssen korrekt entsorgt werden, was jedoch gerade an den Einsatzorten von Ärzte ohne Grenzen oftmals nicht möglich ist, da die nötige Infrastruktur fehlt. In der Folge wird der Abfall oft verbrannt, wodurch Toxine freigesetzt werden und in die Luft gelangen, oder er kommt auf Mülldeponien, die den Boden und das Grundwasser verschmutzen.  

Wie setzt Ärzte ohne Grenzen nachhaltige medizinische Praktiken um? 

Angesichts der negativen Auswirkungen von Plastikverschmutzung auf Gesundheit und Umwelt ist Ärzte ohne Grenzen bestrebt, den Einsatz von Einwegartikeln zu reduzieren und, wo immer möglich, Alternativen zu verwenden.  

Eine Analyse zu den in den letzten fünf Jahren gekauften medizinischen Produkte ergab, dass es sich bei zwei Dritteln um Einwegartikel handelte. Insgesamt fanden sich im Sortiment von Ärzte ohne Grenzen mehr als 4000 solcher Produkte für den Einmalgebrauch.  

Sinnvoller Einsatz von Handschuhen 

Es zeigte sich, dass das am häufigsten genutzte Einwegprodukt in unseren Projekten medizinische Einweghandschuhe sind, die zugleich auch die grössten Umwelt- und Kostenfolgen verursachen. Die Vorteile von Handschuhen sind unbestritten, doch oftmals werden sie übermässig und unangemessen verwendet. Dies verursacht nicht nur unnötigen Abfall, sondern kann auch die Sicherheit der Patient:innen gefährden.  

Ärzte ohne Grenzen setzt sich deshalb aktiv für einen sinnvollen Einsatz von Handschuhen ein. So leitete die Organisation etwa im Libanon eine Kampagne mit dem Motto «Wear with Care», die einen Rückgang des Handschuhgebrauchs um 40 Prozent zur Folge hatte, ohne dass die Sicherheit beeinträchtigt wurde. 

Angemessener Einsatz von Infusionen 

An zweiter Stelle der häufig verwendeten Einwegartikel folgt das zum Legen einer Infusion benötigte Material. Dieses umfasst in der Regel Spritzen, Nadeln, Katheter und Infusionssets. Auch hier lohnt es sich, den Einsatz zu hinterfragen: Manchmal ist eine orale Verabreichung sinnvoller als eine Infusion. Für die Patient:innen bedeutet dies weniger Schmerzen, ein geringeres Risiko für Entzündungen und kürzere Spitalaufenthalte, während gleichzeitig der Plastikmüll deutlich verringert wird. In den Checklisten auf den Intensivstationen von Ärzte ohne Grenzen wird dies auch entsprechend empfohlen. 

Förderung von Mehrweg-Alternativen 

An Orten mit Sterilisationseinrichtungen und Wäschereien können wiederverwendbare chirurgische Instrumente und OP-Kittel Einwegartikel sicher ersetzen, ohne dass die Versorgungsqualität beeinträchtigt wird. In Mosambik und Kirgisistan startete Ärzte ohne Grenzen eine Pilotinitiative: Chirurgische Einweg-Gesichtsmasken wurden durch waschbare Gesichtsmasken ersetzt, die bis zu 40 Mal wiederverwendet werden können. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin wurde eine Ökobilanz erstellt, bei der sich zeigte, dass die waschbaren Masken deutlich besser abschnitten als die Einwegmasken. Die Mitarbeitenden von Ärzte ohne Grenzen bevorzugten die wiederverwendbaren Masken zudem aufgrund des höheren Tragekomforts. 

Veränderungen mit grossen Auswirkungen  

Die Umsetzung der notwendigen Änderungen bei Ärzte ohne Grenzen – und im Gesundheitssektor insgesamt – wird nicht von heute auf morgen geschehen. Doch Zeit und Mühe lohnen sich: Mit der Reduzierung von kurzlebigen Kunststoffprodukten wird nicht nur die Umwelt geschont, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit geleistet – heute und für künftige Generationen.