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Honduras: Sexuelle und reproduktive Gesundheitsversorgung für Jugendliche
Honduras 2 Min.
Wir sind oft noch sehr traditionell erzogen worden. Deshalb fällt es vielen von uns schwer, Jugendliche zu verstehen. Mein Sohn ist 22 und meine Tochter 13. Gerade als Alleinerziehende ist die Teenagerzeit nicht einfach. Ich möchte nicht, dass meine Tochter früh schwanger wird, Fehlentscheidungen trifft oder sich mit den falschen Leuten einlässt. Genau deshalb ist die Unterstützung durch Ärzte ohne Grenzen so wichtig.
Honduras gehört zu den Ländern mit der höchsten Schwangerschaftsrate bei Teenagern. Im Jahr 2023 wurden 82 von 1000 Mädchen und jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren Mutter. Neuere Daten gibt es bislang nicht. Zudem verzeichnete das Gesundheitsministerium bei Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren 946 Geburten. Die Zahlen zeigen, wie gross der Bedarf an Präventionsprogrammen für Kinder und Jugendliche ist.
Um Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren einen besseren Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, haben wir unser Projekt in San Pedro Sula im Norden des Landes 2025 angepasst. Unser Angebot reicht von Verhütungsmitteln über Pap-Tests und die Diagnose und Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten bis hin zu Schwangerschaftsvorsorge und -nachsorge, psychologischer und sozialer Betreuung, Gesundheitsförderung und Aufklärungsarbeit. Auch Betroffene sexualisierter Gewalt erhalten bei uns umfassende Unterstützung.
Unsere mobilen Teams sind in verschiedenen Stadtteilen und Schulen von San Pedro Sula aktiv, um die Jugendlichen vor Ort zu erreichen, und unterstützen auch die Jugendabteilung der Poliklinik Miguel Paz Barahona. Ausserdem behandeln wir in unserer Klinik Betroffene sexualisierter Gewalt aller Altersgruppen.
Zwischen Februar 2025 und Februar 2026 haben wir 100 Betroffene sexualisierter Gewalt betreut, darunter 42 Minderjährige. In diesem Zeitraum haben wir 598 pränatale und 53 postnatale Beratungen bei Jugendlichen unter 19 Jahren durchgeführt. Die meisten von ihnen waren von sexualisierter oder geschlechtsbezogener Gewalt betroffen.
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt eines komplexen Problems. In ganz Honduras mangelt es an psychologischer, sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung und an Aufklärungsangeboten. Besonders gross bleibt der Bedarf an niederschwelliger psychologischer Unterstützung, auch für Kinder und Jugendliche.
Ich erinnere mich noch genau an meine erste Periode. Ich war eingeschlafen und als ich wieder aufwachte, war da überall Blut. Meine Familie beschimpfte mich und sagte, ich sei nutzlos – bis ich es selbst glaubte. Mit mittlerweile 40 Jahren weiss ich, dass das einfach zum Erwachsenwerden dazugehört. Meine Tochter kennt ihren Körper viel besser und hat auch gelernt, mit ihren Gefühlen umzugehen.
Im ersten Jahr führte unser psychologisches Team 1598 Erst- und Folgegespräche durch. Die häufigsten Behandlungsgründe waren akuter Stress, Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen und Angstzustände. Oft standen diese im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt, Trennungen in der Familie oder belastenden Beziehungen.
Viele unserer Patient:innen haben oft jahrelang sexualisierte oder andere Formen von Gewalt erlebt. Wenn sie keine Unterstützung erhalten, beeinträchtigt das ihren Alltag erheblich. Deshalb ist es so wichtig, die psychische Gesundheit schon bei Kindern und Jugendlichen stärker in den Fokus zu rücken.
*Name zum Schutz der Privatsphäre der Patientin geändert.