Die Bewohner der Gemeinde Naco verließen ihre Häuser, um sich gegen Grippe und Masern impfen zu lassen.
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Die Bewohner der Gemeinde Naco verließen ihre Häuser, um sich gegen Grippe und Masern impfen zu lassen.
© Laura Aceituno

Ärzte ohne Grenzen unterstützt Impfkampagnen in San Pedro Sula, Honduras

Tikamaya war eine der 17 Gemeinden, die Ende 2025 von den Impfteams von Ärzte ohne Grenzen und vom Gesundheitsministerium (SESAL) aufgesucht wurden. Die Ortschaft liegt rund 40 Minuten von der Stadt San Pedro Sula entfernt und hat bei heftigen Regenfällen mit Problemen zu kämpfen. Es ist eine der bevölkerungsreichsten Gegenden von Honduras mit schätzungsweise 1 260 000 Einwohner:innen im Jahr 2025, wovon rund 62 000 unter fünf Jahre alt sind. Gesundheitsversorgung ist für viele nur schwer zugänglich.

Guten Morgen Tikamaya! Ärzte ohne Grenzen und das Gesundheitsministerium laden euch ein, bei der Impfkampagne mitzumachen, die wir in eurer Gemeinde durchführen. Geimpft werden Kinder unter fünf Jahren

Wendy mehrmals in ihr Megafon, während sie durch die unbefestigten und schlammigen Strassen des Dorfes schreitet. Sie arbeitet als lokale Gesundheitspromotorin bei Ärzte ohne Grenzen.

Im vergangenen Jahr gab das Ministerium bekannt, dass die Durchimpfungsrate bei Kindern unter fünf Jahren unter die Quote gefallen war, die für eine Herdenimmunität benötigt wird. Tatsächlich waren Kinder von Krankheiten betroffen, die durch eine Impfung eigentlich vermeidbar sind. Es wurden Fälle von Windpocken, neonatalem Tetanus und Verdachtsfälle von Masern gemeldet; es gab sogar Berichte über Todesfälle durch Keuchhusten.

«Das Gesundheitsministerium und die regionale Behörde hatten damals eine Masern-Warnung herausgegeben und gerade ihre nationale Impfkampagne abgeschlossen, mit der nur ein Drittel der Bevölkerung erreicht wurde. Sie waren besorgt, dass sie im Fall einer bestätigten Masernerkrankung nicht in der Lage wären, den Rest der Bevölkerung zu impfen, besonders wenn die Lage ausser Kontrolle geraten würde. Sie brauchten dringend Unterstützung, denn sie waren weit weg von der benötigten Durchimpfungsrate von 95 Prozent. Diese braucht es, damit das Land als sicher gilt und die Kinder in San Pedro Sula geschützt sind», erklärt Karla Asencio, die für die Impfaktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in San Pedro Sula zuständig ist.

Die Impfungen wurden zwischen November und Dezember von einem 41-köpfigen Team durchgeführt, das aus Pflegefachleuten, Pflegehilfskräften, Gesundheitspromotor:innen und Motorradfahrer:innen bestand. Diese arbeiteten gemeinsam mit Mitarbeitenden des SESAL in Tikamaya und 16 weiteren Gemeinden, in denen gemäss der Gesundheitsbehörde Handlungsbedarf bestand

Impfskepsis als Hindernis für eine gute Durchimpfungsrate

Zu Beginn stiessen unsere Teams immer wieder auf Widerstand, Ablehnung und Furcht, besonders wenn es um das Impfen von Kindern ging.

Es kursieren viele Falschinformationen und Mythen, die während der Covid-19-Pandemie noch zunahmen. Viele Mütter wollen ihre Kinder nicht mehr impfen lassen, aus Angst vor Komplikationen oder weil sie Zweifel haben, ob wir wirklich den Impfstoff verabreichen, den wir angeben.

Karla Asencio, die für die Impfaktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in San Pedro Sula zuständig ist.

In dieser ersten Phase wurden 1692 Kinder ermittelt, von denen 481 (28 Prozent) vollständig immunisiert waren. Insgesamt konnten 669 Kinder geimpft werden, was einer Durchimpfungsrate von 68 Prozent unter den ermittelten Kindern entspricht. Darunter waren auch 86 Kinder, die nicht gemäss Impfplan immunisiert waren. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, die Bemühungen zur Steigerung der Durchimpfungsrate weiter zu verstärken. 175 Kinder – rund ein Zehntel – konnten nicht geimpft werden, da sie bei den Hausbesuchen entweder allein zu Hause oder in der Obhut von Jugendlichen waren, sodass die elterliche Zustimmung nicht eingeholt werden konnte. Zudem gab es insgesamt 367 Fälle (22 Prozent) von Impfverweigerung.

Um die Impfskepsis und die zugrundeliegenden Gründe besser zu verstehen, führte Ärzte ohne Grenzen eine Umfrage durch. In der Folge bildete Ärzte ohne Grenzen deshalb in der zweiten Phase, die Ende Januar begann, eigens ein Team, das in den Tagen vor der Ankunft der Impfteams Gemeindevorsteher:innen und andere lokale Leitfiguren traf, um sie über die geplanten Impfungen zu informieren. Das Ziel war, eine bessere Akzeptanz in der Bevölkerung zu erreichen.

«In der ersten Phase begegneten wir tatsächlich viel Zurückhaltung. Es machte uns traurig zu sehen, dass Kinder trotz unserer Erklärungen nicht geimpft wurden und die Skepsis der Leute anhielt», so Asencio. «Doch jetzt, in der zweiten Phase, zeigen unsere Bemühungen zur Sensibilisierung der Bevölkerung Wirkung. Wir stellen fest, dass unsere Workshops und Informationsveranstaltungen wirklich hilfreich sind, denn jetzt werden wir von den Menschen erwartet, sie wissen Bescheid über die Impfungen und akzeptieren sie.»

Parallel zu den Impfungen gaben unsere Teams auch Vitamin-A-Präparate und Entwurmungsmittel an Kinder im Alter zwischen zwei und fünf Jahren ab. Zudem untersuchten sie den Ernährungszustand der Kinder und machten dabei Fälle von akuter und mittelschwerer Mangelernährung ausfindig, die an die zuständigen Gesundheitszentren überwiesen wurden. Schliesslich erhielten mehr als 2100 Jugendliche und Erwachsene eine Grippeimpfung und eine Nachholimpfung gegen Masern.

Ärzte ohne Grenzen ist es weiterhin ein Anliegen, gemeinsam mit Behörden und wichtigen Stakeholdern die Impflücken bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in San Pedro Sula zu schliessen und so zu einer besseren Gesundheitsversorgung beizutragen. Denn Impfungen sind eines der wichtigsten und wirksamsten Mittel zur Verhinderung von Krankheitsausbrüchen in der Region. Um zu erreichen, dass die Impfungen auf Akzeptanz stossen, ist die Miteinbeziehung der Bevölkerung unerlässlich.

Karla Asencio, die für die Impfaktivitäten von Ärzte ohne Grenzen in San Pedro Sula zuständig ist.