Mohammed Yossouf, ouvrier journalier, creuse le sol pour réaliser les fondations du réservoir à membrane dans un nouveau point de distribution d'eau de MSF situé dans la zone G du camp de réfugiés.
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Mohammed Yossouf, ouvrier journalier, creuse le sol pour réaliser les fondations du réservoir à membrane dans un nouveau point de distribution d'eau de MSF situé dans la zone G du camp de réfugiés.
© Flurina Rothenberger/MSF

Hilfskürzungen belasten den Alltag der Geflüchteten im Camp Ouré-Cassoni

Das Camp Ouré-Cassoni liegt im Osten des Tschad, nahe der Grenze zum Sudan. Mehr als 117 000 Geflüchtete haben sich bereits dort niedergelassen, doch es kommen weiterhin neue Familien an, die vor dem Krieg im Sudan geflohen sind. Entsprechend steigt der Bedarf – während immer weniger Gelder zur Verfügung stehen. Tatsächlich wirken sich die Kürzungen der humanitären Hilfe direkt auf den Alltag der Menschen im Camp aus. Dies zeigt sich bei Nahrungsmitteln und Wasser, bei den Unterkünften und den Möglichkeiten der Gesundheitsversorgung. Für Ärzte ohne Grenzen steht daher fest, dass Ouré-Cassoni bei der humanitären Hilfe im Tschad daher Priorität haben muss.

Abgelegene Lage erschwert Hilfslieferungen 

Sadia kam mit ihrer Familie nach Ouré-Cassoni, nachdem sie vor dem Krieg im Sudan geflohen war. Heute arbeitet sie für Ärzte ohne Grenzen als Gesundheitsfördererin im Camp. 

Ich bin als Geflüchtete hierhergekommen, und nun helfe ich mit meiner Arbeit anderen Geflüchteten. Ich weiss, was es bedeutet, wenn man nicht weiss, was der nächste Tag bereithält

Sadia

Ouré-Cassoni liegt im Nordosten des Tschad, in einer abgelegenen Gegend in der Region Ennedi Est. Dies macht es besonders schwierig, Hilfe in das Camp zu bringen. Seit Ausbruch des Krieges im Sudan im April 2023 gab es mehrere Phasen, während denen besonders viele Geflüchtete ankamen. 

So trafen im Mai 2025 nach der Schliessung des Camps Samsam in Nord-Darfur mehr als 60 000 Personen ein, und weitere 21 000 wurden zwischen Oktober 2025 und August 2026 nach der Einnahme von El Fasher erfasst. Auch heute noch kommen täglich Menschen aus dem Sudan an. 

Obschon das Camp ständig grösser wird, stehen immer weniger Gelder für die nötigen Hilfsmassnahmen bereit.

Kürzung der Nahrungsmittelhilfe ist direkt spürbar 

Für die Familien in Ouré-Cassoni bedeutet das etwa, dass sie nicht genug Essen für ihre Kinder haben. Das bestätigt auch die geflüchtete Mutter Salwa, die im Camp lebt:

Manchmal wissen wir nicht, was wir unseren Kindern am nächsten Tag zu essen geben sollen. Wenn die Verteilungen geringer ausfallen, müssen wir mit sehr wenig auskommen.

Salwa

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen stellen auch fest, dass immer mehr Kinder von Mangelernährung betroffen sind. Zwischen 2025 und 2026 stieg die Rate von schwerer akuter Mangelernährung von 2,2 auf 3,4 Prozent, die der mittelschweren Form von 10 auf 13 Prozent. 

Hinter diesen Zahlen stehen Kinder, die in unseren Einrichtungen ernährungstherapeutisch versorgt werden müssen, aber auch Eltern, die jeden Tag nach Möglichkeiten suchen, um ihre Familie zu ernähren. Die Kürzung der Nahrungsmittelhilfe verschärft die Lage zusätzlich.

Vorher konnten wir zumindest auf die Verteilungen zählen, um unsere Kinder zu ernähren. Jetzt müssen wir aus dem, was wir haben, noch mehr herausholen. Wenn das Essen nicht ausreicht, leidet die ganze Familie darunter.

Salwa

Zwei Liter Wasser pro Tag 

Auch Wasser ist ein riesiges Problem. 

In Ouré-Cassoni stehen pro Person und Tag nur etwa zwei Liter Wasser zur Verfügung – üblicherweise werden in Notsituationen 15 bis 20 Liter empfohlen. 

Dieses Wasser zu den Familien zu bringen, ist an sich ein komplexes Unterfangen: Es muss aus dem See gepumpt, aufbereitet und auf seine Qualität geprüft werden. Danach muss es in die Camps transportiert und an den verschiedenen Standorten verteilt werden. Für Ärzte ohne Grenzen zeigt sich dabei konkret, was mit den vorhandenen finanziellen Mitteln noch möglich ist – oder eben nicht mehr. Die Kürzungen schlagen sich direkt in der Trinkwassermenge für die Menschen im Camp nieder. 

Im Juli betrafen mehr als 14 Prozent der von Ärzte ohne Grenzen durchgeführten Sprechstunden Durchfallerkrankungen. Auch wenn dies nicht nur auf den Mangel an Trinkwasser zurückzuführen ist, dürfte er doch eine der Hauptursachen sein. 

Die Hilfsgelder werden auch für die Finanzierung ganz konkreter Dinge verwendet: den Betrieb der Pumpen, die Aufbereitung des Wassers oder den regelmässigen Transport des Wassers zu den Familien. Eine Versorgung mit ausreichend Trinkwasser ist kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung, damit die Menschen ihre Gesundheit und Würde aufrechterhalten können.

Joshua Ayuba Mpato, unser Projektkoordinator in Ouré-Cassoni.

Unterkünfte aus allem, was sich finden lässt 

Neben Essen und Wasser werden auch dringend Unterbringungsmöglichkeiten benötigt. Tausende Familien müssen sich improvisierte Unterkünfte bauen und haben dazu nichts anderes zur Verfügung als das, was sie finden können. Und oft bieten diese nur sehr begrenzten Schutz. 

Die harten Lebensbedingungen wirken sich auch auf die Gesundheit aus. So sind Atemwegsinfektionen aufgrund der prekären Wohnsituation die Ursache von mehr als 30 Prozent der Konsultationen von Ärzte ohne Grenzen – dies in allen Bereichen des Camps und quer durch alle Altersgruppen. 

In Ouré-Cassoni gibt es zudem nur ein einziges Gesundheitszentrum; eine fachärztliche Versorgung ist im Camp nicht verfügbar. Braucht jemand eine spezialisierte Behandlung, muss die Person an eine andere Einrichtung überwiesen werden. Finanzielle Unterstützung gibt es jedoch nur für kritische Fälle. 

Die schwierigen Lebensbedingungen und die mangelnde Unterstützung führen auch dazu, dass Frauen und Mädchen vermehrt Risiken ausgesetzt sind, etwa wenn sie das Camp verlassen müssen, um Wasser und Brennholz zu holen. 

Von Januar bis Juli 2026 versorgten die Teams von Ärzte ohne Grenzen in Ouré-Cassoni 91 Überlebende von sexualisierter Gewalt. Zwar lässt sich nicht genau sagen, wie viele dieser Übergriffe nach der Flucht aus dem Sudan stattfanden, Fakt ist aber, dass die Frauen einem erhöhten Gewaltrisiko ausgesetzt sind, wenn sie sich ausserhalb des Camps bewegen. 

Im Flüchtlingslager gehen Frauen an provisorischen Unterkünften vorbei, die aus Pappe, Jutesäcken, Stoff und Plastikplanen errichtet wurden.

Im Flüchtlingslager gehen Frauen an provisorischen Unterkünften vorbei, die aus Pappe, Jutesäcken, Stoff und Plastikplanen errichtet wurden.

© Flurina Rothenberger/MSF

Hilfsmassnahmen hinken hinterher 

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, weshalb Ouré-Cassoni bei den Hilfsmassnahmen nicht mehr Aufmerksamkeit erhält. 

Denn auch wenn es im UN-Plan für humanitäre Hilfe (HNRP) 2026 für den Tschad aufgeführt ist, gehört das Camp nicht zu den in diesem Plan definierten Schwerpunktgebieten.

Ouré-Cassoni muss für die Geldgeber:innen ein Schwerpunkt sein. Es geht um mehr als 117 000 Personen, die bereits beträchtliche Bedürfnisse haben. Gleichzeitig kommen jeden Tag noch mehr Menschen an. Die Situation, die wir hier sehen, ist unhaltbar. Der Bedarf steigt, doch die Hilfsmassnahmen hinken hinterher. Ohne rasche Aufstockung wird sich die Kluft zwischen den Bedürfnissen der Menschen und der geleisteten Hilfe noch weiter vergrössern.

Joshua Ayuba Mpato.

Die Kürzungen der Hilfsgelder machen sich in Ouré-Cassoni in allen Bereichen bemerkbar: in den immer dürftigeren Mahlzeiten, die den Familien zur Verfügung stehen, in der Wassermenge, den improvisierten Unterkünften oder der fehlenden Gesundheitsversorgung. 

Angesichts des Ausmasses und der Dringlichkeit des Bedarfs steht für Ärzte ohne Grenzen deshalb fest, dass das Camp in Ouré-Cassoni im Fokus der Hilfsmassnahmen im Tschad stehen muss.

Ein Esel trinkt am Karyari-See, während Menschen am Ufer Gefäße füllen.

Ein Esel trinkt am Karyari-See, während Menschen am Ufer Gefässe füllen. Die Wasserversorgung des Lagers reicht nicht aus, um den Bedarf der Bewohner zu decken, und die Familien schicken ihre Kinder zum See, um Wasser zu holen. Dieser See ist zudem einer der wenigen Orte, an denen das Vieh trinken kann. Da die Ufer mit Tierkot verschmutzt sind, graben die Kinder Löcher, um dort Wasser zu schöpfen.

© Flurina Rothenberger/MSF