Le drapeau de MSF flottant au vent à la base du projet d'Aweil.
i
Die Flagge von Ärzte ohne Grenzen weht am Projektstandort in Aweil im Wind.
© Frederic Seguin/MSF

Entlassung von 18 Mitarbeitenden im Tschad nach Missbrauchsfällen

16. Juni 2026 - Ende des Jahres 2024 haben aus dem Sudan geflüchtete Frauen schwere Vorwürfe aufgrund sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs gegen Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen im Osten des Tschad erhoben. Als Reaktion darauf schickte Ärzte ohne Grenzen umgehend mehrere Teams vor Ort, um diese Fälle gezielt aufzudecken und zu untersuchen.

Die Untersuchungen dauerten mehrere Monate. Insgesamt wurden 59 Vorwürfe von Fehlverhalten identifiziert, darunter sexuelle Belästigung, Ausbeutung und Missbrauch. Die Vorwürfe betreffen Mitarbeitende aus verschiedenen Beschäftigungsgruppen, einschliesslich fest angestellten Mitarbeitenden, temporär Beschäftigten, externen Auftragnehmer:innen sowie Lieferant:innen.

Während die Untersuchungen die Vorwürfe in Teilen belegen konnten, blieben einige Fälle ungeklärt, da weder die Betroffenen noch die mutmasslichen Täter identifiziert werden konnten. Wo im Zuge der Untersuchungen schwerwiegendes Fehlverhalten nachgewiesen wurde, haben wir umgehend disziplinarische Massnahmen ergriffen. In der Folge wurden 18 Mitarbeitende entlassen und sind nun von einer Beschäftigung bei Ärzte ohne Grenzen ausgeschlossen.

Diese Fälle von Fehlverhalten stellen schwere Verstösse gegen die Werte und Verantwortlichkeiten von Ärzte ohne Grenzen dar. Wir sehen den Schmerz, den Schaden und das Leid der Betroffenen und bedauern zutiefst, dass dies in unseren Projekten geschehen ist. Wir haben die Verantwortung, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um Fehlverhalten zu verhindern und entschlossen darauf zu reagieren, wenn es vorkommt.

Laura Leyser, Generalsekretärin von Ärzte ohne Grenzen International.

Ärzte ohne Grenzen hat den Betroffenen entsprechend ihrer Bedürfnisse und Wünsche Unterstützung angeboten. Diese umfasst unter anderem die Vermittlung von psychologischer und medizinischer sowie bei Bedarf auch juristischer Hilfe.

Wir können keine Details zu einzelnen Fällen veröffentlichen, auch nicht in Form einer Aufschlüsselung nach Beschäftigungsgruppen. Grund dafür sind die Wahrung der Vertraulichkeit, der Schutz der Privatsphäre sowie die Sicherheit der Betroffenen. Dies steht im Einklang mit unserem Ansatz, die Bedürfnisse der Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen.

Nach Abschluss der Untersuchungen passte Ärzte ohne Grenzen im Osten des Tschad Massnahmen und Verfahren an. Dazu zählen:

  • verbesserte Einstellungsverfahren sowie die Prüfung von Referenzen für lokal angestellte Mitarbeitende und temporär Beschäftigte,
  • verbesserte Verfahren zur Identifikation von Mitarbeitenden,
  • verbesserte Beschwerdeverfahren,
  • verstärkte Massnahmen zur Aufdeckung von Fehlverhalten in den Projekten sowie
  • spezielle Ressourcen für Schutz und Prävention.

Dafür wurden unter anderem die Teams im Personalbereich verstärkt.

Die Untersuchungen im Tschad halfen uns, die Situation besser zu verstehen, Schwachstellen zu identifizieren und diesen zu begegnen. Sie sind Ausdruck unserer Selbstverpflichtung, Missbrauch entschlossen und proaktiv entgegenzutreten.

Seit 2018 erfassen und veröffentlichen wir Daten zu Beschwerden über Fehlverhalten innerhalb unserer Organisation. Die Daten decken verschiedene Formen von Missbrauch und unangemessenem Verhalten ab – unter anderem sexuelle Ausbeutung, sexuellen Missbrauch und sexuelle Belästigung – und werden jährlich veröffentlicht. Zum Schutz der Betroffenen und um eine mögliche Identifikation von Personen oder Orten zu vermeiden, veröffentlichen wir in der Regel keine länderspezifischen Aufschlüsselungen.

Ärzte ohne Grenzen hat sich dazu verpflichtet, ein Arbeitsumfeld frei von Ausbeutung, Missbrauch und Belästigung zu schaffen. Wir ermutigen Mitarbeitende, Patient:innen sowie Mitglieder der Gemeinschaften, in denen wir arbeiten, jedes Fehlverhalten zu melden. Wir arbeiten weiterhin daran, sicherzustellen, dass unsere Beschwerdewege sicher, zugänglich und vertraulich sind.

Laura Leyser, Generalsekretärin von Ärzte ohne Grenzen International.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1981 im Tschad, um Versorgungslücken im Gesundheitswesen zu schliessen und auf Notlagen zu reagieren. Die Teams bieten unter anderem Impfungen an, arbeiten im Bereich Ernährung und stellen allgemeine Gesundheitsversorgung für Geflüchtete, Vertriebene und Aufnahmegemeinden sicher. In den Hilfsprogrammen im ganzen Land beschäftigt Ärzte ohne Grenzen 872 lokal angestellte Mitarbeitende und 81 internationale Mitarbeitende. Darüber hinaus werden 390 nicht fest angestellte medizinische Arbeitskräfte von Ärzte ohne Grenzen für ihre Tätigkeit entschädigt.