Eswatini: Covid-19-Impfungen in abgelegenen Regionen ermöglichen

Mobiles Covid-19-Impfzelt von Ärzte ohne Grenzen in der Region Shiselweni.

Eswatini3 Min.

Derzeit sind in Eswatini erst rund 28 Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) unterstützen das Gesundheitsministerium vor Ort bei seiner landesweiten Kampagne zur Erhöhung der Impfrate, indem sie Menschen in den abgelegensten und ländlichen Gegenden der Region Shiselweni das Impfen ermöglichen.

Ländliche Gemeinden ohne Gesundheitseinrichtungen

Die meisten ländlichen Gemeinden verfügen nicht über Gesundheitseinrichtungen oder Impfstellen. Die Menschen müssen somit oft mehr als zwei Stunden zurücklegen, um medizinische Grundversorgungsleistungen zu erhalten. Die begrenzten öffentlichen Verkehrsmittel stellen eine weitere Hürde dar. Menschen, die eine Coronaimpfung wünschen, sind mit den gleichen Problemen konfrontiert. Nonhlanhla Motsa erzählt uns folgendes, während er vor der mobilen MSF-Impfstelle im Dorf Mhlwahlweni auf seine Impfung wartet:

Nachdem immer mehr Menschen an Covid-19 starben, entschied ich, meine ganze Familie impfen zu lassen. Per Anhalter brauchten wir rund eine Stunde bis zur nächsten Klinik. Als wir dort ankamen, wurden wir weggeschickt, da es dort keinen Impfstoff gab.

Nonhlanhla Motsa

Angst und Stigmatisierung rund um Covid-19

In dem Land, das mit der HIV/TB-Doppelepidemie kämpft, ist Covid-19 mit viel Angst und Stigmatisierung behaftet, und viele Menschen zögern, sich impfen zu lassen. Unsere Teams haben deswegen Informationsveranstaltungen organisiert, um falsche Mythen über Impfungen zu entkräften und die Menschen über das Thema aufzuklären. Die Teams für Gesundheitsförderung auf dem Land gehen von Haus zu Haus und informieren über das Covid-19-Virus und die Möglichkeit, sich an den mobilen Impfstellen impfen zu lassen. 

«Manche Menschen vertrauen uns an, dass sie Angst vor Spätfolgen für ihre psychische oder sexuelle Gesundheit haben. Wir erklären ihnen dann, dass sie sich darüber keine Sorgen machen müssen», so Fikile Mabuza, MSF-Gesundheitspromoter in Shiselweni. 

«Wieder andere sind sich nicht sicher, ob es ein Problem ist, wenn man verschiedene Impfstoffe erhält. Zu Beginn gab es die Empfehlung, für alle Impfungen den gleichen Impfstoff zu verwenden. Jetzt empfiehlt das Gesundheitsministerium jedoch einen anderen Impfstoff für die Booster-Impfung», erläutert Mabuza. «Wir erklären das den Patient:innen, aber manche von ihnen entscheiden sich gegen den Booster, wenn es nicht der gleiche Impfstoff ist wie bei ihren vorherigen Impfungen.» 

Innerhalb von zwei Wochen konnten unsere mobilen Teams 7025 Covid-19-Impfungen an verschiedenen Standorten durchführen. 

Covid-19 und HIV/TB

Ärzte ohne Grenzen unterstützt ländliche Gegenden in der Region Shiselweni seit 2007 im Kampf gegen HIV/TB. Während der ersten Coronawelle im Jahr 2020 boten wir zudem die Versorgung von Patient:innen, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, bei ihnen zu Hause an. 

Damit die wichtigste Gesundheitseinrichtung der Region mehr Erkrankte aufnehmen konnte, bauten wir die Covid-19-Station im Gesundheitszentrum in Nhlangano aus und stellten Sauerstoffkonzentratoren zur Verfügung. Dies ermöglichte es den medizinischen Teams, mehr Betroffene aufzunehmen und zu behandeln.

Neben der Impfkampagne stellen unsere Teams im Rahmen unserer regulären HIV/TB-Tätigkeiten in der Region weiterhin Covid-19-Impfstoff bereit. Zudem informieren die Teams, die für die Gesundheitsförderung zuständig sind, die Menschen nach wie vor über wichtige Aspekte von Covid-19 und Impfungen. Über eine kostenfreie Hotline und eine spezielle WhatsApp-Nummer können sie uns kontaktieren und persönliche Fragen in Bezug auf Impfungen und ihre Gesundheit stellen.

Das Land mit der höchsten HIV-Infektionsrate weltweit 

Eswatini ist das Land mit den höchsten HIV-Infektionsraten weltweit und weist zudem hohe Tuberkuloseraten auf. Seit dem Beginn der Covid-19-Pandemie haben wir unsere Massnahmen zur Bekämpfung von HIV/TB an die spezifischen Bedürfnisse gefährdeter Patient:innen angepasst, um sicherzustellen, dass sie weiterhin Zugang zu medizinischer Grundversorgung haben, ohne eine Ansteckung mit Covid-19 zu riskieren.