Dans le quartier de Shujaeyya à Gaza, une femme porte son enfant pour rentrer chez elle à travers les décombres.
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Dans le quartier de Shujaeyya, sur la rue Bagdad à Gaza, une femme porte son enfant pour rentrer chez elle à travers les décombres.
© Motassem Abu Aser

Gaza: unsere Antworten auf Ihre Fragen

Häufig gestellte Fragen zu unserer Arbeit in Gaza und zu unserem Engagement für Unparteilichkeit und Neutralität.

Ärzte ohne Grenzen leistet einen wesentlichen Beitrag zur lebenswichtigen medizinischen Versorgung im Gazastreifen. Angesichts des enormen Bedarfs der Bevölkerung ist diese Hilfe jedoch unzureichend. Israel hat Massnahmen ergriffen, die darauf abzielen, die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen – darunter Ärzte ohne Grenzen – in Gaza und im Westjordanland zu beenden, indem deren Registrierung nicht erneuert wird.

Zusätzlich sehen sich Hilfsorganisationen Einschüchterungen, politischem Druck und Diffamierungskampagnen durch israelische Behörden ausgesetzt, sowohl bei ihrer Arbeit vor Ort als auch beim öffentlichen Ansprechen der humanitären Lage.

Im Folgenden beantworten wir häufige Fragen zu unserer Arbeit im Gazastreifen und im Westjordanland.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet im Gazastreifen an rund 20 Standorten, betreut jedes fünfte Spitalbett und begleitet jede dritte Geburt.

Allein im Jahr 2025 führten die Teams von Ärzte ohne Grenzen fast 800 000 ambulante Behandlungen durch, versorgten über 100 000 Verletzte, nahmen 22 700 chirurgische Eingriffe vor, verabreichten 45 000 Impfungen und boten mehr als 40 000 individuelle psychologische Beratungen und Gruppensitzungen an. Zudem verteilten die Teams mehr als 700 Millionen Liter Wasser und produzierten nahezu 100 Millionen Liter sauberes Trinkwasser. Viele der von Ärzte ohne Grenzen erbrachten Leistungen sind andernorts im Gazastreifen aufgrund der Zerstörung des Gesundheitssystems und der Infrastruktur durch Israel kaum oder gar nicht mehr verfügbar.

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2026

Am 31. Dezember 2025 ist unsere Registrierung für die Arbeit im Gazastreifen und im Westjordanland abgelaufen. Laut Gesetz haben wir bis zum 1. März 2026 Zeit, um von der israelischen Regierung die Erlaubnis zur Weiterarbeit zu erhalten. Ohne diese Erlaubnis müssen wir die Arbeit in den besetzten palästinensischen Gebieten einstellen. Der Grund: Unser Antrag gilt als unvollständig, weil wir aus berechtigter Sorge um die Sicherheit unserer palästinensischen Mitarbeitenden gewisse sensible

Daten nicht bereitgestellt haben. Wir sind aus Datenschutzgründen auch in anderen Ländern vorsichtig bei der Weitergabe von Daten mittels Listen, da dies kein übliches Verfahren ist und wir nicht wissen, wer Zugang zu ihnen bekommt. Unsere Bedenken gründen auch auf der Tatsache, dass immer wieder medizinische und humanitäre Helfer:innen im Gazastreifen eingeschüchtert, willkürlich inhaftiert und angegriffen wurden. Seit Oktober 2023 sind 1700 Mitarbeitende des Gesundheitswesens sowie 15 unserer Kolleg:innen getötet worden.

Wir bemühen uns weiterhin um einen Dialog mit den israelischen Behörden, um eine Lösung zu finden und unsere lebenswichtigen Aktivitäten fortsetzen zu können. Die Gewährung humanitärer Hilfe ist eine Verpflichtung nach internationalem Recht, um zumindest eine grundlegende Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2026

Ein Ende unserer Arbeit im Gazastreifen würde für die Bevölkerung einen massiven Einbruch der medizinischen Versorgung bedeuten. Ärzte ohne Grenzen ist einer der grossen Gesundheitsversorger im Gazastreifen. Wir leisten dort spezialisierte Intensivpflege, die sonst weitgehend nicht mehr verfügbar ist. Dazu gehören Unfallchirurgie, Geburtshilfe und Neugeborenen-Pflege, die Behandlung von Verbrennungen und psychologische Betreuung. Zudem stellen wir pro Tag mehr als 5,4 Millionen Liter Trinkwasser zur Verfügung. Bei einem Arbeitsverbot müssten wir ausserdem auch unsere Projekte im Westjordanland einstellen. Dort haben wir unter anderem mobile Teams, die Menschen medizinisch versorgen. Wir sind im Gazastreifen und im Westjordanland mit mehr als 1300 Mitarbeitenden vor Ort – wir kennen keinen Akteur, der diese Arbeit übernehmen kann. Die Menschen im Gazastreifen brauchen mehr Hilfe, nicht weniger. 

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2026

Seit Monaten bemüht sich Ärzte ohne Grenzen um den Dialog mit den israelischen Behörden, um ihre Registrierung zu erneuern. Mit Vorwürfen gegen unsere Organisation und andere NGOs, sie würden nicht kooperieren, sowie mit Verleumdungs- und Diffamierungskampagnen gegen Hilfsorganisationen versucht Israel, den Zugang zu lebenswichtiger medizinischer Versorgung für Palästinenser:innen willkürlich zu beschränken und die Beobachtung durch unabhängige Organisationen vor Ort zu unterbinden. Diese Art von Anschuldigungen trägt zur gezielten Delegitimierung humanitärer Arbeit bei – und damit jener Menschen, die unter extrem schwierigen Bedingungen lebensrettende Hilfe leisten.

Solche Vorwürfe sind Teil eines seit Langem bekannten Musters der israelischen Behörden. Neben zahlreichen physischen und bürokratischen Hindernissen werden sie genutzt, um die Einfuhr und Bereitstellung humanitärer Hilfsgüter vor Ort einzuschränken.

Auf ähnliche Art und Weise wurde bereits 2024 gegen das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) vorgegangen. Die geäusserten Anschuldigungen sollen Massnahmen rechtfertigen, die in klarem Widerspruch zu den Erklärungen der israelischen Regierung stehen, nach denen sie humanitäre Hilfe im Gazastreifen ermöglicht.

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2026

Nein.

Als Ausnahmemassnahme hat Ärzte ohne Grenzen den israelischen Behörden nach monatelangen erfolglosen Verhandlungen Mitte Januar in Absprache mit unseren Mitarbeitenden mitgeteilt, dass wir unter bestimmten Zusicherungen eine selektive Liste von Namen übermitteln würden.

Wir verlangten von den israelischen Behörden die Zusicherung: 

  • dass alle Informationen über Mitarbeitende ausschliesslich für die angegebenen administrativen Zwecke verwendet werden,
  • dass die Kolleg:innen, deren Namen geteilt würden, nicht in Gefahr geraten,
  • dass Ärzte ohne Grenzen die volle Kontrolle über alle Personalangelegenheiten und die Verwaltung von medizinischen Hilfsgütern behält,
  • dass jegliche Veröffentlichungen, die Ärzte ohne Grenzen diffamieren und die Sicherheit unserer Mitarbeitenden gefährden, eingestellt werden. 

Diese haben wir nicht erhalten. Deshalb sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir unter den gegenwärtigen Umständen keine Daten von Mitarbeitenden an die israelischen Behörden weitergeben werden. Auch im Rahmen des monatelangen Registrierungsprozesses haben wir niemals Daten von Mitarbeitenden an die israelischen Behörden weitergegeben. 

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2026

Wir verwenden diesen Begriff nicht leichtfertig. Was unsere Teams im Gazastreifen seit Oktober 2023 gesehen und erlebt haben, lässt für uns jedoch keine andere Schlussfolgerung zu, als dass die palästinensische Bevölkerung dort vorsätzlich vernichtet werden soll. Wir sehen: gezielte Angriffe der israelischen Armee auf Zivilist:innen sowie auf ziviles Leben (Schutzunterkünfte, Schulen) und zivile Infrastruktur (Wasseraufbereitungsanlagen, Nahrungsmittelproduktion) im Gazastreifen; die fast vollständige Zerstörung der medizinischen Infrastruktur; die politisch gewollte Blockade dringend benötigter Hilfsgüter, insbesondere von Nahrungsmitteln, Mitteln zur Wasseraufbereitung und medizinischen Gütern; die gewaltsame Vertreibung und damit Umsiedlung der Menschen durch sogenannte Evakuierungsbefehle und die Instrumentalisierung von humanitärer Hilfe für militärische und politische Zwecke. All diese Massnahmen entziehen den Palästinenser:innen im Gazastreifen systematisch die Lebensgrundlagen und zielen direkt auf ihre Existenz.

Wir halten es für unsere moralische und humanitäre Pflicht, das klar zu benennen. Deshalb sprechen wir von Genozid – und auch ein Waffenstillstand bedeutet nicht unbedingt dessen Ende.

Ein Genozid kann auch mit anderen Mitteln begangen werden, beispielsweise durch die Verweigerung von Lebensgrundlagen wie Zugang zu Nahrung, Wasser, medizinischer Versorgung und sicherer Unterkunft. Eine genaue Beobachtung der humanitären Hilfe sowie möglicher Anzeichen einer Wiederaufnahme der Gewalt ist jetzt unerlässlich. 

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2026

Wie überall auf der Welt, wo wir arbeiten, kooperiert Ärzte ohne Grenzen auch im Gazastreifen mit den lokalen Gesundheitsbehörden. Das von der Hamas geführte Gesundheitsministerium im Gazastreifen ist Teil der zivilen Verwaltung. Wir arbeiten aber auch dort strikt nach den humanitären Prinzipien der Neutralität und Unparteilichkeit und bieten medizinische Versorgung ausschliesslich basierend auf dem Bedarf an.

Das Gesundheitsministerium kann uns keine Weisungen geben. Wir machen ein Angebot, beispielsweise für die Errichtung eines provisorischen Spitals oder die Übernahme der Aktivitäten auf einer Station eines bestehenden Spitals, und das wird dann von allen Seiten akzeptiert – also vom palästinensischen Gesundheitsministerium und auch von den israelischen Behörden. 

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2026

Wir sind zutiefst erschüttert über die Gewalt und die brutalen Massaker der Hamas und verurteilen die Angriffe auf Israel und die Geiselnahmen. Wir haben zudem alle Konfliktparteien wiederholt aufgefordert, den Schutzstatus medizinischer Einrichtungen zu respektieren, eine ausreichende Versorgung der Menschen mit humanitärer Hilfe sicherzustellen und auf einen Waffenstillstand hinzuarbeiten.

Als medizinische Hilfsorganisation haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, über das zu berichten, was wir in den Gebieten, in denen wir tätig sind, direkt beobachten.

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2026

Diese Vorwürfe sind gefährlich. Sie gefährden unsere überlebenswichtige Arbeit im Gazastreifen. Ärzte ohne Grenzen beschäftigt keine Personen, die an militärischen Aktivitäten beteiligt sind. Mitarbeitende mit Verbindungen zu bewaffneten Gruppen würden ein erhebliches Risiko für unsere Teams und für unsere Patient:innen darstellen. Aus diesem Grund müssen sich alle unsere Mitarbeitenden weltweit zur Charta von Ärzte ohne Grenzen bekennen, die auf Unabhängigkeit, humanitären Grundsätzen und medizinischer Ethik beruht.

Das Rekrutierungsverfahren bei Ärzte ohne Grenzen beinhaltet umfassende Sorgfaltsprüfungen, Hintergrund- und Referenzchecks, die Überprüfung von Lebensläufen sowie Probezeiten. Darüber hinaus haben wir in diesem Einsatzgebiet ein erweitertes Prüf- und Überprüfungsverfahren für alle Neueinstellungen eingeführt. Ärzte ohne Grenzen handelt überall strikt nach den Grundsätzen der Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit und stellt medizinische Versorgung ausschliesslich auf der Grundlage des Bedarfs sicher – unabhängig von aktuellen Machtverhältnissen oder politischen Überzeugungen. Die Unterstützung des Gesundheitssystems im Gazastreifen ist rein humanitär und nicht ideologisch begründet.

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2026

Im Umfeld des Nasser-Spitals – der grössten noch funktionsfähigen Einrichtung im Gazastreifen –  hat sich die Sicherheitslage in den vergangenen Monaten zunehmend verschärft. Es kam zu Bedenken hinsichtlich der Leitung der Einrichtung, der Wahrung ihrer Neutralität sowie Sicherheitsvorfällen.

Seit dem Waffenstillstand im Herbst 2025 wurden uns Berichte über vereinzelte Vorfälle auf dem weitläufigen Gelände des Spitals zugetragen, die von Einschüchterung, Festnahmen sowie verbalen und körperlichen Übergriffen und Verdacht auf Waffenlieferungen handeln.

Obwohl keiner dieser Vorfälle den Bereich betrifft, in dem unsere Teams arbeiten, stellt dies eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit unserer Teams und Patient:innen dar. Wir haben die Vorfälle umgehend den zuständigen Behörden gemeldet und dabei betont, dass solche Handlungen mit unserer medizinischen Arbeit unvereinbar sind.

Ärzte ohne Grenzen traf daher die schwierige Entscheidung, alle nicht lebenswichtigen medizinischen Aktivitäten im Nasser-Spital ab dem 20. Januar 2026 auszusetzen. 

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2026

Ärzte ohne Grenzen arbeitet auf der Grundlage einer gemeinsamen Charta. Unsere Teams setzen sich aus Gesundheitsfachpersonen, Logistiker:innen und administrativen Mitarbeitenden aus Dutzenden von Ländern zusammen, darunter sowohl internationales als auch lokal rekrutiertes Personal. Nach einer sorgfältigen Analyse der Bedürfnisse der betroffenen Menschen leisten wir Hilfe nach den Grundsätzen der medizinischen Ethik und der humanitären Hilfe.

Unparteilichkeit bildet das Fundament unserer Arbeit. Wir leisten medizinische Hilfe ohne Diskriminierung und orientieren uns dabei an den dringendsten Bedürfnissen. Ärzte ohne Grenzen wahrt die Neutralität und ergreift in bewaffneten Konflikten keine Partei. Dennoch äussern wir uns öffentlich, wenn unsere humanitäre Arbeit behindert wird oder wir Verstösse gegen das Völkerrecht beobachten.

In Konfliktsituationen macht Ärzte ohne Grenzen auf das Leid der Betroffenen aufmerksam, insbesondere auf das der Zivilbevölkerung, und bezieht dazu auch öffentlich Stellung.

Unsere Teams berichten über das, was sie im Gazastreifen und im Westjordanland mit eigenen Augen sehen und selbst erleben. Auch zahlreiche Beobachter:innen, Rechtsexpert:innen, Menschenrechtsorganisationen sowie mehrere Berichte der Vereinten Nationen beschreiben die vollständige Zerstörung des Gazastreifens. Dazu zählen die Zerstörung des Gesundheitssystems durch Israel, die Abriegelung des Gebiets, der unzureichende Schutz der Zivilbevölkerung und ziviler Infrastruktur sowie die menschengemachte Hungersnot, die zusammen Merkmale eines Genozids aufweisen.

Letzte Aktualisierung: 12. Februar 2026