Nach diesen Prinzipien handelt MSF weltweit

MSF wurde gegründet, um Leben zu schützen, und unter Achtung der Menschenwürde Leiden zu lindern. MSF hilft Menschen in Not und erleichtert ihnen den Weg in eine selbständige Zukunft.
Darfur, 04.04.2007
1.
Die medizinische Arbeit im Vordergrund

Die Arbeit von Médecins Sans Frontières ist vor allem medizinischer Natur und umfasst hauptsächlich Betreuungs- und Vorsorgemassnahmen für Völker in Not, egal in welchem Land sich diese befinden. Wenn aber die medizinischen Aktivitäten alleine nicht genügen, um das Überleben der Menschen zu sichern kann das Vorgehen auf die Bereiche Wasserversorgung, Sanitation, Ernährung, Wiederaufbau etc. ausgedehnt werden.

Diese Arbeit konzentriert sich auf Krisensituationen, das heisst auf Zeiten in denen ein früher existierendes soziales Gleichgewicht nicht mehr besteht und auf Situationen, in denen Menschenleben bedroht sind.

2.
Berichterstattung als notwendige Ergänzung der Arbeit

Mit der Berichterstattung soll das Schicksal von Völkern in Not verbessert werden. Dazu gehört:

Der direkte Kontakt der Freiwilligen mit den Menschen in Not im Rahmen der medizinischen Hilfe, der auch Nähe und Zuhören einschliesst.

Die Pflicht, die Öffentlichkeit auf die Situation der betroffenen Völker aufmerksam zu machen.

Die Möglichkeit, Verstösse gegen internationale Abkommen offen zu kritisieren und sie bekanntzumachen. Zu diesem Mittel kann gegriffen werden, wenn die Freiwilligen von MSF Zeugen von schweren Menschenrechtsverletzungen werden, wie gewaltsame Umsiedlung von Völkern, Vertreibung von Flüchtlingen, Völkermord, Verbrechen gegen die Menschheit oder Kriegsverbrechen.

In Ausnahmefällen können sich die Freiwilligen von MSF im Interesse der Opfer dafür entscheiden, die Öffentlichkeit nicht zu informieren oder aber auch zu berichten, ohne vor Ort zu helfen, wenn zum Beispiel die humanitäre Hilfe missbraucht und gegen die Bedürftigen eingesetzt wird.

3.
Achtung der medizinischen Ethik

Der Einsatz von MSF wird unter Achtung der medizinischen Ethik durchgeführt. Dies schliesst insbesondere die Pflicht ein, durch die Betreuung niemandem zu schaden (weder einer Einzelperson noch einer Gruppe) und human, unparteiisch und unter Wahrung des Arztgeheimnisses jeder Person in Not zu helfen.

Die Berufspflicht und der medizinische Einsatz werden auch vom Völkerrecht geschützt, das vorsieht, dass niemand für die Ausübung einer medizinischen Tätigkeit unter Beachtung der Berufsregeln bestraft werden kann, egal zu wessen Gunsten und unter welchen Umständen die Hilfeleistung erbracht wurde.

Es hält auch fest, dass die Personen, welche medizinische Arbeit leisten, nicht gezwungen werden dürfen, gegen ihre Berufspflicht zu handeln.

4.
Verteidigung der Menschenrechte

Médecins Sans Frontières vertritt die Grundsätze der Menschenrechte und des Völkerrechts.

Unter anderem beinhalten diese:

Die Pflicht, die Grundfreiheiten jedes einzelnen zu achten, einschliesslich des Rechts auf körperliche und geistige Unversehrtheit, sowie die Gedankenfreiheit und das Recht, sich frei zu bewegen, wie es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 festgehalten wurde;

Das Recht der Bedürftigen auf Hilfe sowie das Recht der humanitären Organisationen, unter den folgenden Bedingungen Hilfe leisten zu können: unabhängige Ermittlung der Bedürfnisse, freier Zugang zu den betroffenen Menschen, Kontrolle über die Verteilung der Hilfe, Achtung der humanitären Immunität.

5.
Bewahrung der Unabhängigkeit

Grundlage für die Unabhängigkeit von MSF ist die geistige Unabhängigkeit. Sie ist Vorbedingung für die Analyse- und Handelsfreiheit, das heisst, für die unabhängige Auswahl der Einsätze, ihrer Dauer und der Mittel, um sie durchzuführen.

Diese Unabhängigkeit zeigt sich auf der Ebene der Organisation als Ganzes und bei den einzelnen Freiwilligen.

MSF verfolgt eine Politik der strikten Unabhängigkeit gegenüber jeder Institution oder Macht, sei sie politischer, religiöser, wirtschaftlicher oder anderer Natur, und lehnt es ab, von einer Regierung als aussenpolitisches Instrument benutzt zu werden.

Da diese Unabhängigkeit auch für die Finanzen gelten soll, bemüht sich MSF, möglichst viele private Mittel zu sammeln, eine breite Streuung der institutionellen Geldgeber zu erreichen, und behält sich vor, Finanzierungen abzulehnen, welche die Unabhängigkeit der Organisation gefährden könnten.

Die Freiwilligen von MSF sind ihrerseits zu Zurückhaltung aufgefordert, und sie müssen durch ihre persönliche Haltung dazu beitragen, dass MSF (politisch, institutionell...) unabhängig bleibt.

6.
Unparteilichkeit, ein Gründungsprinzip

Unparteilichkeit ist die Basis der Projekte von MSF und untrennbar mit Handlungsfreiheit verbunden. Gleichberechtigung und Verhältnismässigkeit sind die Leitprinzipien der Unparteilichkeit:

Gleichberechtigung in bezug auf politische Orientierung, Rasse, Religion, Geschlecht und weitere ähnliche Kriterien;

angemessene Hilfe, die der Dringlichkeit der Bedürfnisse entspricht. Die Menschen, die am stärksten und am unmittelbarsten in Not sind, haben für MSF Vorrang.

7.
Der Geist der Neutralität

MSF ergreift keine Partei bei bewaffneten Konflikten und ist in diesem Sinne dem Prinzip der Neutralität verpflichtet.

Der Gang an die Öffentlichkeit kann aber in Extremfällen das letzte Mittel sein, um den von MSF unterstützten Völkern zu helfen, wenn wir Zeugen von schweren Menschenrechtsverletzungen werden, die unsere Hilfe nutzlos machen. Unter solchen Umständen verzichtet MSF darauf, sich an die strenge Auslegung der Neutralität zu halten und berichtet von den Ereignissen, um die öffentliche Meinung zu mobilisieren und so diesen Machtmissbräuchen Einhalt zu gebieten und damit die Situation der betroffenen Menschen zu verbessern.

8.
Verantwortung und Transparenz

Gegenüber den Völkern in Not hat MSF die Pflicht, alle zur Verfügung stehenden Mittel und Ressourcen zu mobilisieren.

MSF strebt nach optimaler Qualität und Effizienz und verpflichtet sich, die Fähigkeiten und Mittel, die der Bewegung zur Verfügung gestellt werden, so gut wie möglich zu nutzen. Die Verteilung der Hilfe wird direkt überprüft und ihre Auswirkungen regelmässig analysiert.

MSF informiert laufend über die Projekte, sowohl gegenüber den unterstützten Völkern als auch gegenüber seinen Spendern.

9.
Eine Organisation von Freiwilligen

MSF ist eine Organisation, die sich auf die Freiwilligenarbeit stützt. Dieser Aspekt fordert vor allem:

ein individuelles Engagement für die Menschen in Not. Jede/r Freiwillige muss seinen/ihren Teil der kollektiven Verantwortung von MSF wahrnehmen;

Uneigennützigkeit, die den gemeinnützigen Charakter des Engagements der Freiwilligen unterstreicht.

Die freiwillige Mitarbeit ist ein entscheidender Faktor im Kampf gegen falsche Kompromisse, Routine und Institutionalisierung.

10.
Vereinscharakter

Das Engagement des einzelnen Freiwilligen für MSF geht über den individuellen Einsatz hinaus; es schliesst auch eine aktive Beteiligung am Vereinsleben der Organisation sowie die Achtung der Charta und der Grundsätze von MSF ein.

Innerhalb der Strukturen von MSF hat jede/r Freiwillige und Mitarbeiter ein Mitspracherecht, was den Vereinscharakter der Bewegung garantiert und ausdrückt.

MSF ist auch darum bemüht, ständig neue Freiwillige in die Organisation zu integrieren, um so Innovation und eine gewisse Spontaneität zu erhalten.

Die Ideale der Freiwilligenarbeit und der Vereinscharakter von MSF ermöglichen es der Bewegung, sich der Gesellschaft zu öffnen und die eigene Arbeit kritisch zu beurteilen.

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