09.11.2017 - Jemen

Saudi-Arabien muss humanitären Organisationen sofort wieder Zugang zum Jemen gewähren

MSF fordert die von Saudi-Arabien geführte Koalition auf, der Organisation unverzüglich ungehinderten Zugang zum Jemen zu gewähren.
Jemen, 12.11.2017
Die Menschen sind dringend darauf angewiesen, dass sowohl Mitarbeiter als auch Hilfsgüter in den Jemen gelangen können.
Dieser Inhalt ist...
Weiterführende Links

In den vergangenen drei Tagen hat das von Saudi-Arabien geführte Militärbündnis keine Flüge von Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) in den Jemen zugelassen. Dies behindert die lebensrettende medizinische und humanitäre Hilfe für eine Bevölkerung in grosser Not. MSF fordert die von Saudi-Arabien geführte Koalition auf, der Organisation unverzüglich ungehinderten Zugang zum Jemen und zu den bedürftigsten Menschen innerhalb des Landes zu gewähren.

Am 6. November hat die von Saudi-Arabien geführte Koalition erklärt, dass alle jemenitischen Grenzübergänge, Seehäfen und Flughäfen mit sofortiger Wirkung geschlossen würden. In Betracht gezogen werde aber «die Einfuhr von Hilfsgütern und die Ein- und Ausreise von humanitären Mitarbeitern». Bisher wurde dieses Versprechen nicht eingehalten.

MSF-Flüge wurden nicht genehmigt

«In den vergangenen drei Tagen hat die von Saudi-Arabien geführte Koalition es MSF trotz wiederholter Anträge nicht erlaubt, von Dschibuti nach Sanaa oder Aden zu fliegen», sagt Justin Armstrong, MSF-Landeskoordinator im Jemen. «Die Menschen, die bereits seit mehr als zweieinhalb Jahren unter dem Konflikt leiden, sind dringend darauf angewiesen, dass sowohl Mitarbeiter als auch Hilfsgüter in den Jemen gelangen können», so Armstrong.

Bereits zuvor hatte die jemenitische Bevölkerung nur sehr begrenzten Zugang zu Gesundheitsversorgung. Hunderte medizinische Einrichtungen wurden während des Konflikts geschlossen, beschädigt oder komplett zerstört. Millionen Jemeniten wurden vertrieben und haben keinen Zugang zu ausreichend Nahrung, sauberem Wasser und grundlegenden Hilfsgütern.

Hunderttausende Menschen gefährdet

«Durch die Blockade sind Hunderttausende Menschenleben gefährdet», so Armstrong weiter. «Die Auswirkungen sind bereits jetzt spürbar. Die Treibstoffpreise sind in den Ballungszentren sprunghaft angestiegen, Diesel und Gas zum Kochen werden knapper und Lieferungen lebenswichtiger Medikamente bleiben an den Grenzübergängen hängen. Die bereits am Boden liegende Wirtschaft wird zweifellos noch weiter geschwächt werden, was es den Jemeniten zunehmend erschwert, ihre Lebensgrundlage zu sichern. Deshalb ist humanitäre Hilfe zwingend erforderlich.»

Die Erklärung der von Saudi-Arabien geführten Koalition enthielt auch eine allgemeine Warnung an humanitäre Organisationen, bestimmte Gebiete im Jemen zu meiden. Dies würde Tausende Menschen, die am stärksten von der Krise betroffen sind, noch weiter von einer Grundversorgung abschneiden. Sollte diese Warnung in die Tat umgesetzt werden, widerspräche das dem humanitären Grundsatz der Unparteilichkeit. Dieser besagt, dass Hilfe unabhängig von politischen Erwägungen diejenigen erreichen muss, die sie am meisten brauchen.

MSF leistet derzeit medizinische Hilfe in 13 Spitälern und Gesundheitszentren im Jemen und unterstützt mehr als 18 weitere Kliniken und Gesundheitszentren in elf Gouvernements im Land: Tais, Aden, Al-Dhale, Saada, Amran, Hadscha, Ibb, Sanaa, Hodeida, Abjan, Lahdsch. Mit fast 1‘600 Mitarbeitern, darunter 82 internationalen, und finanzieller Unterstützung für mehr als 1‘100 Beschäftigte des jemenitischen Gesundheitswesens ist das Hilfsprogramm von MSF im Jemen eines der grössten weltweit.

Publizieren
Newsletter
Newsletter abonnieren
Immer informiert bleiben

abonnieren