Une équipe de MSF dispense des soins médicaux après le débarquement d'une embarcation de migrants à Dakar, au Sénégal, en mai 2026.
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Une équipe de MSF dispense des soins médicaux après le débarquement d'une embarcation de migrants à Dakar, au Sénégal, en mai 2026.
© MSF

Mauretanien: Vermutlich über 150 Tote bei einem Schiffsunglück vor den Kanarischen Inseln – Ärzte ohne Grenzen leistet Hilfe

Nachdem sie fast 25 Tage auf dem Atlantik festgesessen hatten, konnten 38 Überlebende eines aus Gambia gestarteten Bootes in Nouadhibou in Mauretanien an Land gehen. Ersten Berichten zufolge kamen etwa 150 weitere Insassen ums Leben. Es handelt sich damit um eine der tödlichsten Fahrten seit Beginn des Jahres. Ärzte ohne Grenzen leistete den Überlebenden medizinische und psychologische Hilfe und äusserte ihre tiefe Bestürzung.

Ersten vor Ort gesammelten Berichten zufolge befanden sich ursprünglich rund 190 Personen an Bord. Nur 38 von ihnen haben überlebt. Das Boot war von Gambia aufgebrochen, um die Kanarischen Inseln zu erreichen. Die Überlebenden wurden von Fischern gerettet, dann von der mauretanischen Küstenwache in Obhut genommen und anschliessend an den mauretanischen Roten Halbmond übergeben, der die medizinische Unterstützung von Ärzte ohne Grenzen anforderte.

Medizinische Nothilfe und psychologische Unterstützung für Überlebende

Bei ihrer Ankunft an Land befanden sich zahlreiche Überlebende in einer besorgniserregenden psychischen Verfassung. Zudem hatten viele von ihnen Brüche und weitere Verletzungen sowie Symptome von schwerer Unterkühlung. Die Insassen berichteten von den extrem schweren Bedingungen der Überfahrt. Viele Passagiere mussten mit ansehen, wie ihre Angehörigen ums Leben kamen, und schilderten Szenen grosser Gewalt. Unsere Teams stellten Schockzustände und Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung fest, die eine sofortige medizinische und psychologische Betreuung erforderten.

Was unsere Teams in Nouadhibou gesehen haben, ist zutiefst schockierend. Die Menschen kamen nach wochenlangem Aufenthalt auf See an – erschöpft, traumatisiert und um den Verlust ihrer Angehörigen trauernd. Eine der von uns betreuten 38 Überlebenden berichtete, wie ihre Schwester vor ihren Augen starb. Niemand sollte solches Leid ertragen müssen

Fouzia Bara, Verantwortliche für unser Migrationsprojekt.

Atlantikroute: Gefährlicher Weg nach Europa

Dieses Drama macht erneut deutlich, welchen extremen Gefahren Flüchtende auf der Atlantikroute ausgesetzt sind. Die Überfahrt ist mehr als 2000 Kilometer lang und sehr gefährlich. Sie birgt nicht nur ein hohes Schiffbruchrisiko, sondern auch die Gefahr von DehydrierungGewalt sowie schweren Traumata und endet allzu oft mit dem Tod.

Angesichts der zunehmenden Zahl dieser Tragödien auf See hat Ärzte ohne Grenzen im Dezember 2024 in Mauretanien das Projekt «Migration Atlantikroute» ins Leben gerufen. In den letzten Wochen sind die Teams in Nouadhibou bei drei verschiedenen Anlandungen von Booten am 14. und 18. Juli im Einsatz gewesen und leisteten 387 Personen Hilfe. Am 18. Juli fanden innerhalb von weniger als zwanzig Stunden zwei Einsätze statt, nachdem es zu einem tödlichen Unglück eines Einbaums aus Gambia gekommen war.

Der Tod dieser Männer, Frauen und Kinder darf nicht schweigend hingenommen werden. Ärzte ohne Grenzen fordert die Regierungen und die zuständigen Behörden auf, den Schutz des menschlichen Lebens in den Mittelpunkt ihrer Migrationspolitik zu stellen, die Such- und Rettungskapazitäten zu verstärken und sicherzustellen, dass niemand, der sich auf See in Not befindet, ohne Hilfe bleibt.

Fouzia Bara, Verantwortliche für unser Migrationsprojekt.

Extreme Risiken und alarmierende Sterblichkeitsrate

Die Atlantikroute bleibt einer der tödlichsten Wege für Flüchtende nach Europa. Nach Angaben der spanischen Nichtregierungsorganisation Caminando Fronteras kamen 2024 fast 10 000 Menschen auf dieser Route ums Leben oder wurden als vermisst gemeldet, im Jahr 2025 waren es fast 2000. Die tatsächliche Zahl liegt höchstwahrscheinlich höher, da viele Einbäume spurlos verschwinden, ohne dass dies gemeldet wird.
 

Dieses Jahr verzeichneten die Kanarischen Inseln weniger ankommende Menschen – gemäss Daten des UNHCR betrug der Rückgang im Vergleich zu 2025 61 Prozent, und per 15. Juli waren 4400 Ankünfte registriert. Die Sterblichkeitsrate bleibt jedoch alarmierend hoch. Die jüngsten Ereignisse verdeutlichen die weiterhin grossen Risiken für Geflüchtete und Migrant:innen, die nach Europa gelangen wollen.