An MSF vehicle passes in front of ruined buildings in Jabalia. Palestine, February 2025.
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Ein Fahrzeug von Ärzte ohne Grenzen in Jabalia (Palästina), Februar 2025.
© MSF

Gazastreifen: Massive Ausweitung der Hilfe angesichts katastrophaler Zustände dringend nötig

Ärzte ohne Grenzen fordert angesichts der katastrophalen Lage im Gazastreifen, dass die Hilfe für die Menschen vor Ort massiv aufgestockt wird und humanitäre Organisationen ungehinderten Zugang bekommen.

Update – Am Freitag, 27. Februar 2026, hat der Oberste Gerichtshof Israels eine einstweilige Verfügung erlassen, mit der das Verbot für 18 internationale Nichtregierungsorganisationen, darunter Ärzte ohne Grenzen, in den besetzten Palästinensischen Gebieten tätig zu sein, vorläufig ausgesetzt wird. Diese Entscheidung ermöglicht es den Organisationen, ihre Arbeit vorerst fortzusetzen. Ärzte ohne Grenzen begrüsst diese Entscheidung, auch wenn die konkreten Auswirkungen – insbesondere hinsichtlich der Einfuhr von Hilfsgütern und der Entsendung internationalen Personals – derzeit noch unklar sind. 

Noch immer kommen Menschen im Gazastreifen ums Leben – durch anhaltende Gewalt und die von den israelischen Behörden verhängten Beschränkungen humanitärer Hilfe.

Trotz dieser Beschränkungen verpflichtet sich Ärzte ohne Grenzen, so lange wie möglich in den besetzten Palästinensischen Gebieten – also im Gazastreifen und im Westjordanland – zu bleiben und auf Basis der Registrierung bei den Palästinensischen Behörden Hilfe zu leisten. Nach dem humanitären Völkerrecht ist die israelische Regierung als Besatzungsmacht in den besetzten Palästinensischen Gebieten verpflichtet, die Bereitstellung humanitärer Hilfe zu gewährleisten. Restriktive neue Vorschriften verpflichten 37 Nichtregierungsorganisationen indes, die Gebiete bis zum 1. März 2026 zu verlassen. Dadurch droht eine drastische Reduzierung der seit Langem unzureichenden Hilfe. Regierungen weltweit müssen sicherstellen, dass die Entscheidungen des Internationalen Gerichtshofs zur humanitären Lage im Gazastreifen respektiert werden, einschliesslich der Ermöglichung humanitärer Hilfe.

Der Bedarf ist immens und die drastischen Einschränkungen haben tödliche Folgen. Hunderttausende von Patient:innen brauchen medizinische und psychologische Versorgung. Wir arbeiten daran, die Versorgung der Patient:innen in einem zunehmend restriktiven Umfeld fortzusetzen.

Christopher Lockyear, Generalsekretär von Ärzte ohne Grenzen.

Trotz des Friedensplans, der unter Führung der USA ausgearbeitet wurde, schränken die israelischen Behörden die Versorgung der Bevölkerung im Gazastreifen weiterhin stark ein. In den vergangenen Wochen ist der Umfang der humanitären Hilfe, die den Gazastreifen erreichte, erheblich zurückgegangen. Die Lebensbedingungen sind nach wie vor menschenunwürdig, und täglich werden Palästinenser:innen gewaltvoll getötet und verletzt. Auch im Westjordanland steigt der medizinische und humanitäre Bedarf weiter an. Seit Anfang Januar wird Ärzte ohne Grenzen von den israelischen Behörden daran gehindert, internationales Personal und Hilfsgüter in die besetzten Palästinensischen Gebiete zu bringen. Bis 1. März 2026 wird das gesamte internationale Personal von Ärzte ohne Grenzen gezwungen sein, das Gebiet zu verlassen.

Die medizinischen Programme von Ärzte ohne Grenzen leiden unter Engpässen und die Teams der Organisation sehen die langfristige Versorgung von Patient:innen in Gefahr, etwa im Bereich der Notfallversorgung von Verletzten, bei der pädiatrischen Versorgung, der Behandlung von chronischen Krankheiten sowie bei Rehabilitationsmassnahmen.

Die Programme von Ärzte ohne Grenzen sind lebenswichtig. Medizinische Versorgung und humanitäre Hilfe in diesem Umfang sind nicht einfach zu ersetzen. Angesichts der andauernden humanitären Katastrophe wird Ärzte ohne Grenzen so lange wie möglich in den besetzten Palästinensischen Gebieten bleiben und so viel wie möglich helfen. Wir fordern die israelischen Behörden auf, humanitäre Hilfe in grossem Umfang zu ermöglichen. An die internationale Gemeinschaft appellieren wir, dafür zu sorgen, dass die Menschen im Gazastreifen und im Westjordanland nicht ihrem Schicksal überlassen werden.

Christopher Lockyear, Generalsekretär von Ärzte ohne Grenzen.

Die neuen restriktiven Registrierungsanforderungen, die als Vorwand genutzt werden, um Hilfe zu behindern, fallen zeitlich mit einer koordinierten globalen Online-Kampagne gegen Ärzte ohne Grenzen zusammen, die von der israelischen Regierung aktiv unterstützt wird.

Diese Delegitimierungskampagne, die auf falschen und unbelegten Anschuldigungen basiert, zielt darauf ab, Ärzte ohne Grenzen zu diskreditieren, die Stimme unserer Organisation zum Schweigen zu bringen und die Bereitstellung medizinischer Versorgung zu behindern. In einem Kontext, in dem internationalen Journalist:innen der Zugang verwehrt wird und wiederholt Palästinensische Medienverteter:innen getötet werden, drohen mit dieser Einschränkung für Nichtregierungsorganisationen weitere Zeug:innen der anhaltenden Gewalt und ihre langfristigen Auswirkungen wegzufallen.

Christopher Lockyear, Generalsekretär von Ärzte ohne Grenzen.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1988 in den besetzten Palästinensischen Gebieten tätig und leistet dort medizinische und psychologische Hilfe und engagiert sich in der Wasser- und Sanitärversorgung. Im Jahr 2025 versorgten Mitarbeitende der Organisation Patient:innen in jedem fünften Spitalbett im Gazastreifen, halfen bei jeder dritten Geburt, führten mehr als 900'000 ambulante Konsultationen durch und stellten mehr als 700 Millionen Liter Wasser zur Verfügung.