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Gazastreifen: Israel nutzt Wasserzugang zur kollektiven Bestrafung der Bevölkerung
Palästinensische Autonomiegebiete 2 Min.
Die israelischen Behörden wissen, dass ohne Wasser kein Leben möglich ist. Dennoch haben sie die Wasserinfrastruktur im Gazastreifen bewusst und systematisch zerstört und gleichzeitig konsequent die Einfuhr von Gütern für die Wasserversorgung blockiert.
Palästinenser:innen wurden verletzt und getötet, nur weil sie versucht haben, an Wasser zu gelangen. Der Mangel an Wasser, verbunden mit katastrophalen Lebensbedingungen und einem zusammengebrochenen Gesundheitssystem, schafft ideale Voraussetzungen für die Ausbreitung von Krankheiten.
Ärzte ohne Grenzen fordert die israelischen Behörden nachdrücklich auf, die Wasserversorgung für die Bevölkerung im Gazastreifen unverzüglich wieder auf das erforderliche Niveau zu bringen. Israels Verbündete müssen ihren Einfluss geltend machen, um die israelische Regierung dazu zu bewegen, den Zugang für humanitäre Hilfe nicht länger zu behindern und notwendige Massnahmen zuzulassen, die die Wasserversorgung verbessern.
Die gezielte Unterversorgung mit Wasser ist ein wesentlicher Bestandteil des Genozids. Sie geschieht parallel zur Tötung von Zivilist:innen, der Zerstörung von Gesundheitseinrichtungen und von Wohnhäusern, was zu Massenvertreibungen führt.
Die israelische Armee hat fast 90 Prozent der Wasser- und Sanitärinfrastruktur im Gazastreifen zerstört oder beschädigt, darunter Entsalzungsanlagen, Brunnen, Rohrleitungen und Abwassersysteme (gemäss UN, EU und der Weltbank). Teams von Ärzte ohne Grenzen haben dokumentiert, wie das israelische Militär auf eindeutig gekennzeichnete Wassertankwagen geschossen oder Brunnen zerstört hat, die für Zehntausende Menschen eine Lebensader darstellten. Bei der Wasserverteilung kam es wiederholt zu gewaltsamen Zwischenfällen, bei denen Palästinenser:innen und Helfer:innen verletzt und Ausrüstung beschädigt wurden.
Lieferungen von Strom, Treibstoff und Ausrüstung wie Generatoren, deren Ersatzteile und Motoröl – die für die Wasseraufbereitung und -verteilung unverzichtbar sind – werden seit Oktober 2023 verhindert oder sind nur stark eingeschränkt möglich. Ein Drittel der Anträge von Ärzte ohne Grenzen auf Einfuhr lebenswichtiger Wasser- und Sanitärgüter wurde von den israelischen Behörden abgelehnt oder blieb unbeantwortet.
Durch den Mangel an sauberem Wasser, sanitären Anlagen und grundlegenden Hygieneartikeln sind unzählige Menschen zu einem würdelosen Leben verdammt. Viele von ihnen müssen Löcher in den Sand graben, um ihre Notdurft zu verrichten, was die Umgebung und das Grundwasser mit Fäkalien kontaminiert. Hierdurch und durch die sehr beengten Lebensverhältnisse nehmen Atemwegsinfektionen, Hautkrankheiten und Durchfallerkrankungen zu.
Ärzte ohne Grenzen ist nach den lokalen Behörden der grösste Trinkwasserproduzent im Gazastreifen. Im März 2026 produzierte oder verteilte die Organisation trotz der extrem eingeschränkten Bedingungen täglich mehr als 5.3 Millionen Liter Wasser in Gaza, was dem Mindestbedarf von mehr als 400 000 Menschen entspricht.