Peer Educators in der Mehrzweckklinik von Mbare.
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Peer Educators in der Mehrzweckklinik von Mbare.
© Conrad Gweru

Wie aktive Teilnahme jugendgerechte Gesundheitsversorgung in Mbare fördert

Gemeinsam mit einem Dutzend weiterer Jugendlicher ist Thormilson Thompson Mitglied des beratenden Jugendausschusses. Dieser wurde ins Leben gerufen, um sicherzustellen, dass die Gesundheitsprogramme von Ärzte ohne Grenzen in Mbare, Matapi und Epworth den Bedürfnissen von Jugendlichen gerecht werden. Dies gilt für Kliniken gleichermassen wie für Zentren, die von Gleichaltrigen selbst verwaltet werden.

Mit 21 Jahren trägt Thormilson Thompson eine für sein Alter unverhältnismässig grosse Verantwortung: Er entscheidet mit, in welcher Form tausende von Jugendlichen medizinische Versorgung erhalten. Natürlich trägt er diese Verantwortung nicht alleine.

Gemeinsam mit einem Dutzend weiterer Jugendlicher ist Thompson Mitglied des beratenden Jugendausschusses. Dieser wurde ins Leben gerufen, um sicherzustellen, dass die Gesundheitsprogramme von Ärzte ohne Grenzen in Mbare, Matapi und Epworth den Bedürfnissen von Jugendlichen gerecht werden. Dies gilt für Kliniken gleichermassen wie für Zentren, die von Gleichaltrigen selbst verwaltet werden.

Thormilson Thompson teilt seine Kommentare mit den Mitarbeiter:innen von Ärzte ohne Grenzenwährend einer Evaluierungs- und Planungssitzung des Jugendbeirats.

Thormilson Thompson teilt seine Kommentare mit den Mitarbeiter:innen von Ärzte ohne Grenzen während einer Evaluierungs- und Planungssitzung des Jugendbeirats.

© Conrad Gweru
Ein Peer Educator während einer Gesundheitsaufklärungssitzung in einem MSF-Zentrum in Matapi.

Ein Peer Educator während einer Gesundheitsaufklärungssitzung in einem Zentrum von Ärzte ohne Grenzen in Matapi.

© Conrad Gweru

Der 2024 ins Leben gerufene Ausschuss spiegelt mit seinen 12 Mitgliedern gut die Vielfalt von Simbabwes Jugend wider. Zu ihnen gehören jugendliche Mütter, ehemalige Suchtkranke, junge Sexarbeitende und Studierende. Ihre Lebenserfahrung deckt sich mit jener vieler Jugendlicher überall im Land.

Der Ausschuss kommt alle drei Monate zusammen, um umgesetzte Massnahmen zu bewerten und Ärzte ohne Grenzen Empfehlungen für künftige Verbesserungen vorzulegen. Über die formellen Treffen hinaus treten die Mitglieder mit anderen Organisationen in Kontakt, tauschen Erfahrungen aus, halten Gleichaltrige über Plattformen wie WhatsApp auf dem Laufenden und mobilisieren Jugendliche im Rahmen von Gesundheitsförderungsveranstaltungen.

Der Jugendausschuss ist absolut notwendig: Über ihn geben wir jungen Menschen eine Stimme. Als Jugendliche gehören wir schliesslich selbst ‹dazu› und wissen, wo es brennt. Wer könnte Ärzte ohne Grenzen besser beraten als wir?

Thormilson Thompson, Jugendlicher

Der beratende Jugendausschuss ermöglicht es Jugendlichen, sich nicht nur als Patient:innen zu sehen, sondern das für sie bestimmte medizinische Angebot aktiv mitzugestalten. Dank seines Beitrags konnte die Versorgung nicht nur verbessert, sondern auch zielgerichtet auf die Bedürfnisse der Jugendlichen in Mbare, Matapi und Epworth zugeschnitten werden.

Eine zentrale Empfehlung des Ausschusses war beispielsweise, Gesundheitsförderungsveranstaltungen auch am Abend durchzuführen, um Jugendliche zu erreichen, die tagsüber verhindert sind. Seither haben mehr junge Menschen daran teilgenommen.

Eine Jugendliche wird in einem Zentrum von Ärzte ohne Grenzen in Matapi behandelt.

Eine Jugendliche wird in einem Zentrum von Ärzte ohne Grenzen in Matapi behandelt.

© Conrad Gweru
Mirabelle Gavi und andere Mitglieder des Jugendbeirats bei einer Überprüfungs- und Planungssitzung in Mbare.

Mirabelle Gavi und andere Mitglieder des Jugendbeirats bei einer Überprüfungs- und Planungssitzung in Mbare.

© Conrad Gweru

Allein im Jahr 2025 führten die von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Dienste an den drei Standorten Mbare, Matapi und Epworth 10 622 Sprechstunden mit Jugendlichen durch – das sind deutlich mehr als 2024 und 2023, als 8 481 bzw. 7 907 Sprechstunden durchgeführt worden waren. Mit 4 732 Konsultationen entfiel der grösste Anteil auf Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren.

Gleichzeitig arbeitete Ärzte ohne Grenzen mit ausgebildeten Gesundheitsberater:innen aus derselben Altersgruppe und den Mitgliedern des Jugendausschusses aus Mbare, Matapi und Epworth zusammen, um zu identifizieren, welche Orte die Jugendlichen frequentieren und wo der grösste Hilfebedarf besteht. Im Rahmen von Gesundheitsförderungsveranstaltungen konnten so 24 475 Jugendliche in selbstverwalteten Zentren und 25 943 in anderen Gesundheitseinrichtungen erreicht werden.

«Wir sind die Ohren von Ärzte ohne Grenzen», erklärt Thompson. «Wir melden zurück, was funktioniert – und was nicht.»

Für Jugendliche wie Yvonne, die regelmässig zur Sprechstunde in die Jugendklinik Mbare kommt, ist der Mehrwert offensichtlich. Sie äussert sich zuversichtlich über ihre Gesundheit und die Zukunft, was für sie am unterstützenden Umfeld der Klinik liegt.

Es funktioniert alles sehr gut. Unsere Medikamente werden pünktlich geliefert und wir können sie einfach abholen. Im Wartesaal erhalten wir Gesundheitsberatung und spielen Gesellschaftsspiele. Das Personal ist freundlich und die Freiwilligen verstehen, was wir brauchen.

Thormilson Thompson, Jugendlicher

Zusätzlich zu HIV-Behandlungen bietet die Klinik den Jugendlichen weitere spezifische Leistungen an.

Neben der antiretroviralen Therapie (ART) bekommen wir Damenbinden, Verhütungsmittel, Kondome und Medikamente für andere Erkrankungen, selbst wenn diese nicht mit sexueller und reproduktiver Gesundheit zusammenhängen. Ich fühle mich hier in der Klinik jederzeit willkommen.

Yvonne, Jugendliche

Nelson ist 22 und von Geburt an HIV-positiv. Er kommt seit Dezember 2023 regelmässig in die Klinik von Mbare. Davor bezog er seine Medikamente in einer anderen Einrichtung.

«In anderen Kliniken wird nicht nach Altersgruppen und Behandlungsgründen unterschieden, da kommen alle zusammen. Das hier ist eine Klinik nur für uns. Und die Behandlungen sind kostenlos», sagt er.

Am meisten schätzt er die Unterstützung durch Gleichaltrige.

«Die Klinik bietet uns einen Treffpunkt. Das macht es für uns Jugendliche einfacher, uns gegenseitig zu unterstützen.»

Mirabelle Gavi, die sich für sexuelle und reproduktive Gesundheit, Suchtprävention sowie Kompetenzförderung bei Jugendlichen einsetzt, findet, dass ihre Arbeit von ihrer Mitgliedschaft im Ausschuss profitiert.

«Ohne ein konkretes Angebot hat es keinen Sinn, Probleme anzusprechen», sagt sie. «Sonst wird man nicht ernst genommen.»

Mirabelle ist Junior-Mitglied im Parlament und war einmal Jugendbürgermeisterin. Heute absolviert sie ihr letztes Sekundarschuljahr in Epworth. Sie verweist Gleichaltrige und andere Menschen aus ihrem Umfeld regelmässig an Ärzte ohne Grenzen. Als Mirabelle auf Solani, einen Brennpunkt in Epworth, aufmerksam machte, der lange Zeit für gleichaltrige Gesundheitsberater:innen unzugänglich geblieben war, entsandte Ärzte ohne Grenzen Gesundheitsförderungs-Teams dorthin.

Da war ich stolz und fühlte mich geehrt, Mitglied des Ausschusses zu sein.

Mirabelle, Jugendliche

Um die Partizipation der Jugendlichen noch weiter zu stärken, führte Ärzte ohne Grenzen Feedback-Kästen und Patientenumfragen ein. Die Ausschussmitglieder lesen das Feedback und besprechen es mit den Teams von Ärzte ohne Grenzen. So können zielgerichtetere Entscheidungen getroffen und die Leistungen verbessert werden.

Derzeit unterstützt Ärzte ohne Grenzen jugendgerechte Angebote an drei Standorten: in der von Pflegepersonal geleiteten medizinischen Jugendklinik von Mbare, in dem von Gleichaltrigen verwalteten Matapi-Jugendzentrum, wo ein Mitglied des Pflegepersonals und ein:e Sozialarbeiter:in aus Mbare zweimal pro Woche Sprechstunden anbieten, sowie in dem wiederum von Gleichaltrigen geführten Epworth-Jugendzentrum, wo an drei Tagen pro Woche ein Mitglied des Pflegepersonals und ein:e Sozialarbeiter:in zugegen sind.

Diese Standorte bieten Gesundheitsaufklärung, HIV-Screenings und -Tests sowie soziale Unterstützung an und überweisen Patient:innen bei Bedarf in andere Einrichtungen. Damit wird sichergestellt, dass Jugendliche Gesundheitsversorgung in einer Umgebung erhalten, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Die Mitglieder des Jugendbeirats mit Mitarbeiter:innen von Ärzte ohne Grenzen in Mbare.

Die Mitglieder des Jugendbeirats mit Mitarbeiter:innen von Ärzte ohne Grenzen in Mbare.

© Conrad Gweru