Einer von vier Patienten
Man geht davon aus, dass einer von vier Patienten, der eine Gesundheitseinrichtung aufsucht, ein mentales, neurologisches oder verhaltensbezogenes Problem aufweist. In den meisten Fällen werden diese Gesundheitsprobleme weder diagnostiziert noch behandelt.
Die Zahl mentaler Erkrankungen weltweit wird schon viel zu lange unterschätzt. Entwicklungsländer sind am stärksten betroffen. Gewalt, Menschenrechtsverletzungen, Armut, fehlende Gleichberechtigung und eine minimale Schulausbildung führen zu einer Verschlimmerung der psychischen Probleme.
Grundversorgungsprogramm
MSF hat nun auch die mentale Gesundheitsversorgung für Opfer von Gewalt, vor allem sexueller Gewalt in sein Portfolio aufgenommen. Patienten, die aus ihrem Heimatland flüchten mussten, die innerhalb ihres Heimatlandes auf der Flucht sind oder an chronischen Erkrankungen wie HIV/AIDS und TB leiden, werden ebenfalls in dieses Grundversorgungsprogramm einbezogen. MSF erachtet diese Massnahmen auch für Opfer von Naturkatastrophen und ähnlichen Situationen als notwendig und wichtig.
In den Bereichen, in denen MSF tätig ist, bieten Berater, Psychologen, Ärzte und Psychiater psychologische Betreuung und Medikamente an, um so die häufigsten Probleme bis hin zu extrem belastenden mentalen Erkrankungen zu behandeln. Für die meisten Erkrankungen gibt es kostengünstige Behandlungen, die den Betroffenen dabei helfen können, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern.
Bewertung des Bedarfs und der Wirkung
Vor der Einführung eines solchen Programms bewertet MSF zunächst massgebliche Indikatoren, wie die Verbreitung bestimmter psychischer Erkrankungen wie z.B. häufige mentale Probleme, Probleme durch Drogenmissbrauch, schwere mentale Erkrankungen sowie mentale Probleme von Kindern und Heranwachsenden. Die Verfügbarkeit bzw. das Fehlen wirksamer Behandlungsmöglichkeiten ist ein Faktor, den MSF vor dem eigentlichen humanitären Engagement genauer in Betracht zieht und der auch als ‘Versorgungslücke bei seelischen Erkrankungen’ bezeichnet wird.
MSF hat bei seinen Projekten im Sudan, in Honduras und den Philippinen dokumentiert, welche Wirkung die Behandlung seelischer Erkrankungen bei Patienten zeigt. Lähmende Belastungen durch seelische Störungen werden gelindert, die Lebensqualität der betroffenen Patienten verbessert sich deutlich.
Eine der grössten Ursachen von Behinderungen
Weltweit betrachtet sind Depressionen die viertgrösste Ursache für Behinderungen (Behinderung wird anhand der Anzahl der Jahre gemessen, die man bereits in einem Zustand der Behinderung lebt). Man geht davon aus, dass Depressionen bis zum Jahr 2020 die zweitgrösste Ursache für Behinderungen sein werden. Um zu veranschaulichen, als wie belastend seelische Erkrankungen wirklich gelten: Mit einer mentalen Erkrankung zu leben wird als genauso belastend eingestuft wie Blindheit oder Paraplegie, während mit einer Psychose zu leben als genauso schwer belastend gilt wie ein Leben mit Paraplegie oder Quadriplegie. Die meisten seelischen Erkrankungen sind behandelbar, obwohl wirksame Medikamente und Behandlungsmöglichkeiten natürlich gerade in jenen Gebieten rar sind, in denen MSF tätig ist.



