Für MSF ist es entscheidend, dass die Patienten die bestmögliche Behandlung erhalten und ihnen nur Produkte verabreicht werden, die ihrer Gesundheit nicht schaden. Das Apothekenpersonal von MSF muss für die Qualität der Medikamente Sorge tragen. Dies ist eine nicht offensichtliche, aber dennoch sehr wichtige Seite unserer humanitären Arbeit.
Der Apotheker von MSF prüft die technischen Eigenschaften eines Medikaments, beispielsweise dessen Haltbarkeit unter tropischen Klimabedingungen. Er besucht Arzneimittelfabriken, um die Herstellungsverfahren zu bewerten (Herkunft und Konservierung von Rohstoffen, Qualitätskontrolle, Produktionstechnik, Etikettierung, Verpackung usw.). Auf den Philippinen beispielsweise, wo MSF Unterstützung für tausende von Menschen leistet, die aufgrund der Kämpfe auf der Insel Mindanao fliehen mussten, ist es sehr schwierig, Medikamente zu importieren. Anfang 2009 hat sich ein Apotheker von MSF vor Ort begeben, um Versorgungsquellen zu prüfen, die Medikamente und medizinisches Material für MSF-Projekte liefern könnten.
MSF verhandelt auch mit den örtlichen Gesundheitsbehörden über die Importbedingungen für Medikamente. Ausserdem setzen wir uns bei diesen Behörden und auch bei pharmazeutischen Unternehmen aktiv für die Einführung neuer Arzneimittel ein, um der Bevölkerung einen leichteren Zugang zu Medikamenten zu ermöglichen. Viele Länder werden von gefälschten Präparaten und Produkten mit unbeabsichtigten Fabrikationsfehlern überschwemmt. Hier gehört es zu unserem Aktionsprogramm, auf die Märkte einzuwirken, damit qualitativ hochwertige Medikamente verfügbar sind.
Schliesslich setzt sich MSF auch aktiv für Preissenkungen bei diagnostischen Tests sowie Medikamenten zur Diagnose und Behandlung vernachlässigter Krankheiten ein (Schlafkrankheit, viszerale Leishmaniose, Buruli-Ulkus, Malaria, Tuberkulose, Aids usw.). In manchen Fällen sind mehrere tausend Franken notwendig, um einen einzigen Patienten zu retten.
Unsere Strategie besteht also darin, geprüfte, hochwertige Generika zu registrieren. So kann dem Markenmedikament Konkurrenz gemacht werden, das häufig eine Monopolstellung innehat und deswegen sehr teuer ist. Der Wettbewerb würde eine Preissenkung und damit eine bessere Zugänglichkeit für die Bevölkerung ermöglichen. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da in den meisten Ländern, in denen MSF im Einsatz ist, keine Sozialversicherungssysteme existieren und die Patienten die Kosten für ihre Behandlung selbst tragen müssen.




