Akute Mangelernährung
Im Fall von akuter Mangelernährung errichtet das Team vor Ort krankenhausähnliche Zentren, sogenannte "therapeutische Noternährungszentren". Jedes Zentrum kann höchstens 150 Personen aufnehmen, dabei vor allem Kinder.
Der Ernährungszustand wird bereits bei der Ankunft untersucht. Kinder, mit einem Verhältnis von Grösse und Gewicht unter 70 Prozent der Normalwerte werden aufgenommen oder solche, die unter Ernährungs-Ödemen (Kwashiokor) leiden.
- In einer ersten, drei bis vier Tage dauernden Phase erhalten sie täglich acht Mahlzeiten auf Milchbasis, davon zwei während der Nacht. Gerechnet wird im Schnitt mit 1 ½ Litern Milch pro Tag und Kind. Ziel ist es, die Ernährung schrittweise aufzubauen, die Verdauungsorgane wieder zu trainieren und den Stoffwechsel auszugleichen.
- Nach dieser ersten Etappe folgt die Phase der Ernährungs-Rehabilitation. Nun sollen die Kinder so schnell wie möglich an Gewicht zulegen. In diesem Stadium kann ein Kind pro Tag die doppelte übliche Nahrungsration eines Kindes in seinem Alter zu sich nehmen, was ungefähr der Ernährung eines Erwachsenen entspricht (2'000 Kilokalorien).
Parallel zum Nahrungsaufbau muss unbedingt eine medizinische Überwachung stattfinden, damit Begleitkrankheiten, wie zum Beispiel Durchfall und Infektionen, sofort ärztlich versorgt werden können. Zu Beginn der Behandlung werden die Kinder rund um die Uhr beobachtet. Zusätzlich werden sie sofort bei der Aufnahme gegen Masern geimpft, denn diese Krankheit kann, wenn sie bei einem unterernährten Kind auftritt, sehr gefährlich sein.
Moderate Mangelernährung
Im Fall von mittelschwerer Mangelernährung besteht das Programm darin, zweimal täglich eine Nahrungsergänzung in Form von Brei abzugeben. Dieses Vorgehen wird bei Kindern angewendet, bei denen das Verhältnis Gewicht/Grösse kleiner ist als 80 Prozent der Normalwerte, sowie bei den weiteren gefährdetsten Bevölkerungsgruppen: Kinder mit Infektionen (Masern oder Shigellose, d.h. blutender Durchfall), schwangere oder stillende Frauen, alte Leute und isolierte Waisenkinder.
In diesen Ergänzungszentren geben die Mitarbeiter täglich Mahlzeiten ab oder verteilen einmal pro Woche getrocknete Nährmischungen, die dann Zuhause zubereitet werden. Diese Mahlzeiten sollen das übliche Essen der Familien nicht ersetzen, sondern es ergänzen.
Die Mahlzeiten werden aus Milchpulver, Mehl, Öl und Zucker zusammengesetzt und mit Vitaminen und Mineralsalzen angereichert. Die Nahrung kann vor Ort beim Welternährungsprogramm (WEP) oder bei der UNICEF bezogen oder durch MSF bei europäischen Fabrikanten eingekauft werden. Im Notfall werden vorverarbeitete Nahrungsmittel verwendet, welche einfacher zu verwalten sind, weniger Vorbereitungszeit benötigen und sich lange halten.
Ein therapeutisches Zentrum, welches 150 Kinder aufnimmt, benötigt zum Beispiel 1,7 Tonnen Milchpulver, 1 ½ Tonnen Mehl, 418 Kilo Öl und 300 Kilo Zucker.
Die Forschung auf den Gebieten Ernährungsprogramme und Behandlung von akuter Mangelernährung wird in enger Zusammenarbeit mit dem Epizentrum und Ernährungsspezialisten des Staatlichen Instituts für Gesundheitswesen und medizinische Forschung (INSERM) und anderen humanitären Organisationen betrieben.




