Zentralafrikanischen Republik, 08.07.2012
Zentralafrikanischen Republik, 08.07.2012
© Sebastian Bolesch

Schlafkrankheit: Eine parasitäre Krankheit, die unbehandelt tödlich verläuft

Die Schlafkrankheit ist eine schwere parasitäre Krankheit, von der das hämolymphatische System (Blutkreislauf und Lymphsystem) und das zentrale Nervensystem betroffen sind. Sie hat eine Veränderung des Schlaf-Wach-Rhythmus zur Folge, und im Endstadium fällt der Patient in einen kontinuierlichen Dämmerzustand, was der Krankheit ihren Namen eintrug. Unbehandelt verläuft die Schlafkrankheit fast immer tödlich.

Die Krankheit tritt in Afrika südlich der Sahara auf. Die Übertragung der Erreger erfolgt durch den Stich der Tsetsefliege.

Tests, Diagnosestellung und Behandlung sind komplex. 2013 wurden in einem Projekt in der Demokratischen Republik Kongo klinische Studien zu einem Schnelltest und oral einzunehmenden Medikamenten durchgeführt, denn bis dahin konnte die Krankheit nur mittels Injektionen behandelt werden. 2014 beendete MSF das letzte Projekt zum Thema Schlafkrankheit.

Im Zeitraum zwischen 2000 und 2012 gab es einen 73 prozentigen Rückgang der Fälle von Afrikanischer Trypanosomiasis. Der Plan der WHO zur Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten sieht vor, die Krankheit bis 2020 als öffentliches Gesundheitsproblem zu eliminieren.

Symptome:

  • Gelenkschmerzen
  • Juckreiz
  • Fieber
  • Lymphknotenanschwellungen
  • Gesichtsödem

Im fortgeschrittenen Stadium:

  • Schlafstörungen
  • Störungen des Hormonhaushalts sowie Sinnes- oder Bewegungsstörungen
  • Koma

 

Diagnose und Behandlung in abgelegenen Gebieten komplex

Eine der grössten Schwierigkeiten im Kampf gegen die Schlafkrankheit liegt bei der Erkennung der Krankheit. Der Zugang zu den betroffenen Regionen ist häufig erschwert, und die logistischen Herausforderungen sind enorm. Ein Grossteil der von der Krankheit betroffenen Menschen lebt in abgelegenen Gebieten und hat deshalb nur begrenzt Zugang zu angemessenen Gesundheitsleistungen. Dies stellt für die Überwachung und damit auch die Diagnose und die Behandlung der Krankheit ein grosses Hindernis dar. Ausserdem sind die Gebiete, welche die höchste Zahl der Fälle verzeichnen, politisch instabil: der Nordosten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo), der Südsudan sowie die Zentralafrikanische Republik.

Im Laufe der vergangenen zehn Jahre wurden mehr als 70 Prozent der Fälle in der DR Kongo registriert. MSF leitete bis 2014 ein Projekt zur Erkennung und Behandlung der Afrikanischen Trypanosomiasis im Bezirk von Dingila. Der Entscheid, das Projekt zu schliessen, erfolgte nach einem deutlichen Rückgang neuer Fälle in den Regionen Dingila, Zobia und Ango. Von den 30'747 im Jahr 2014 getesteten Menschen wurden nur 74 mit der Schlafkrankheit diagnostiziert.

Herausforderungen

Die Teams waren mit mobilen Labors unterwegs, um Betroffene in ihren Dörfern ausfindig zu machen. Dazu fuhren sie mit dem Motorrad quer durch den Dschungel und transportierten zerbrechliches und kostbares Material wie auch Reagenzien, die kühl aufbewahrt werden mussten. Aber selbst wenn das Labor einmal eingerichtet war, reichte die Aufklärungsarbeit häufig nicht, um die Leute davon zu überzeugen, sich testen zu lassen. Zunächst sahen sie keinen Grund dazu, denn die Symptome der Krankheit ähneln – insbesondere im ersten Stadium – denjenigen von Malaria oder einer Grippe oder sind manchmal gar nicht vorhanden. Das aufwendige Diagnoseverfahren, das in drei Etappen stattfindet, war für die Menschen ein weiteres Hemmnis; dies umso mehr, als es sich bei der letzten Etappe um eine Analyse der Cerebrospinalflüssigkeit handelt, die eine schmerzhafte Lumbalpunktion erfordert. Nebst dem Aberglauben, der die Schlafkrankheit umgibt, gilt die Behandlung als sehr toxisch und langwierig – was lange Zeit auch der Fall war.

Eine vernachlässigte Krankheit

Der Begriff «vernachlässigte Tropenkrankheiten» umfasst eine Reihe von Krankheiten, die fast ausschliesslich sozial schwache Bevölkerungsgruppen betreffen, weshalb in diesem Bereich kaum Forschung betrieben wird. Vernachlässigt werden diese Krankheiten nicht nur von den Pharmaunternehmen, sondern auch von den Gesundheitsministerien der Länder, wo die Krankheiten endemisch sind, von internationalen Geldgebern, von Hochschulen und von den Medien.

Die Schlafkrankheit führt zu einer starken Schwächung des Körpers und verläuft unbehandelt fast immer tödlich.

Das erste Stadium der Krankheit ist gekennzeichnet durch das Eindringen der Erreger in Blut- und Lymphbahnen. In dieser Phase sind die Symptome nicht spezifisch, was bedeutet, dass das klinische Bild allein nicht reicht, um die Krankheit zu diagnostizieren. Der Patient leidet manchmal an Gelenkschmerzen, Juckreiz oder Fieberanfällen. Es kann auch zu Lymphknotenanschwellungen im Hals- und Nackenbereich, zu einer Vergrösserung von Leber und Milz oder zu einem Ödem des Gesichts kommen, doch diese Symptome liegen nicht systematisch vor.

Mit dem Befall des Zentralnervensystems beginnt das zweite Krankheitsstadium. Der Patient leidet an Schlafstörungen, durch die der Schlaf-Wach-Rhythmus in Mitleidenschaft gezogen wird, was der Krankheit ihren Namen eintrug. Ferner können Störungen des Hormonhaushalts sowie Verhaltens-, Gefühls- oder Bewegungsstörungen auftreten. Die Kranken können ausserdem stark abmagern. Unbehandelt führt die Krankheit zu Somnolenz, dann zu tiefer Bewusstlosigkeit (Koma) und schliesslich zum Tod.