Konflikte/Kriege

Shiara-Spital, Jemen, 13.1.2016
Shiara-Spital, Jemen, 13.1.2016

Belagerte und bombardierte Städte. Lebensgefahr für die Zivilbevölkerung. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges hat sich die Charakteristik von bewaffneten Konflikten stark geändert. Heute spielt sich die Mehrheit der Konflikte innerhalb der Landesgrenzen ab und immer mehr auch in bewohnten Gebieten. Nicht nur militärische Strukturen sind das Ziel von Angriffen, auch die Zivilbevölkerung wird je länger je mehr zur Zielscheibe für die Kampfparteien.

Die direkte Konsequenz dieser Kriege ist deshalb eine Desorganisation der zivilen Infrastrukturen: Funktionsunfähigkeit von Gesundheits-Zentren, Zerstörung der Nahrungsmittelnachschubs, was Unterernährung und Epidemien provozieren kann. Die Hilfe von Médecins Sans Frontières in diesen schwierigen und komplexen Situationen konzentriert sich hauptsächlich auf die medizinisch-chirurgische Nothilfe. Hauptprobleme sind dabei oft der Zugang zu den Opfern und die Sicherheit der humanitären Mitarbeiter.

Eine Erkundungsmission bereitet jeweils die Eröffnung eines Projektes vor. Denn ein Einsatz in Konfliktgebieten setzt verschiedenes voraus: gute Kenntnisse der geographischen, politischen und kulturellen Gegebenheiten in diesem Gebiet sowie die nötigen beruflichen Kompetenzen wie Kriegs-Chirurgie und Einsatz-Erfahrung in prekärem Umfeld.

Bei der Nothilfe drängt die Zeit. Deshalb heisst die Priorität Lebensrettung und Pflege der Verletzten durch medizinisch-chirurgische Teams. Gleichzeitig kann es aber auch sein, dass Kliniken und Feldspitäler eingerichtet werden müssen, falls die lokalen Pflegestrukturen ungenügend oder zerstört sein sollten.

Die Teams, gebildet aus Chirurgen, Anästhesisten, spezialisierten Krankenschwestern und Logistikern, werden dabei regelmässig abgelöst. Einerseits aus Sicherheitsgründen, andererseits weil die Arbeitsbedingungen schnell zur Übermüdung führen können.

Die Rotation von chirurgischen Teams machte eine Standardisierung der Arbeitstechniken und des eingesetzten Materials nötig. Auch schränken die Sicherheitsbedingungen und die wenig zugänglichen Arbeitsgebiete die Mobilität der Teams ein, was wiederum eine grosse logistische Autonomie voraussetzt (Lagerung und Verteilung von Material und Medikamenten, Herstellung von hygienischen und aseptischen Arbeitsräumen zur Wundinfektionsverhütung, Bereitstellung und Unterhalt von Operations-Abteilungen).

In Konfliktgebieten kommt es auch immer wieder dazu, dass Médecins Sans Frontières öffentlich Stellung nimmt und gewisse Praktiken an den Pranger stellt: Dies geschieht vor allem, wenn die Menschenrechte oder andere Internationale Konventionen wie der Zugang zu Opfern missachten werden oder auch um die öffentliche Meinung und die Internationale Gemeinschaft zu alarmieren, wenn isolierte Völkergemeinschaften unter Ausschluss der Öffentlichkeit Tragödien durchleben.

Heute sind viele akute Konflikte zu sogenannten chronisch-komplexen Krisen geworden. Einsätze in diesem Umfeld gehören zu den Hauptaufgaben von MSF.

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