28.07.2010 - Kirgisistan

Spannungen und Gewalt im Süden Kirgisistans reissen nicht ab - MSF ruft zu unparteiischem Zugang zu medizinischer Versorgung auf

Osh, Genf, 20. Juli 2010 – Fünf Wochen nach den heftigen Ausschreitungen im Süden Kirgisistans behandeln die Ärzte, Psychologen und Pflegefachkräfte von Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen (MSF) weiterhin täglich Gewaltopfer. Weitaus beunruhigender als die stetige Aufnahme von Verletzten ist jedoch die Tatsache, dass in den Kliniken, in denen MSF selber keine direkte Nothilfe leisten kann, nicht alle Opfer die gleiche Behandlung erhalten, sondern die Behandlung davon abhängt, welcher Gemeinschaft der Patient angehört.
Ein MSF-Arzt untersucht einen jungen Patienten, welcher auf dem Weg zum Markt verprügelt wurde.
Ein MSF-Arzt untersucht einen jungen Patienten, welcher auf dem Weg zum Markt verprügelt wurde.
© Alexander Glyadyelov
Der medizinische Koordinator von MSF, Andrei Slavuckij, behandelt einen Patienten in Osh.
Der medizinische Koordinator von MSF, Andrei Slavuckij, behandelt einen Patienten in Osh.
© François Dumont
MSF-Ärzte führen bei einem verwundeten Patienten in Jalal-Abad einen Hausbesuch durch.
MSF-Ärzte führen bei einem verwundeten Patienten in Jalal-Abad einen Hausbesuch durch.
© Alexander Glyadyelov
Uzbekische Flüchtlinge auf dem Weg zurück nach Kirgisistan, nachdem sie den Sary Tash-Kontrollpunkt passiert haben.
Uzbekische Flüchtlinge auf dem Weg zurück nach Kirgisistan, nachdem sie den Sary Tash-Kontrollpunkt passiert haben.
© Alexander Glyadyelov
Eine Frau vor einem zerstörten Haus in Osh.
Eine Frau vor einem zerstörten Haus in Osh.
© Alexander Glyadyelov
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„Jeden Tag behandeln unsere medizinischen Teams in den Spitälern und mobilen Kliniken  Patienten, die geschlagen oder sogar gefoltert wurden. Viele Menschen, vor allem Angehörige der usbekischen Bevölkerungsgruppe in Osh, haben uns erzählt, dass sie keine öffentlichen medizinischen Einrichtungen aufsuchen wollen, weil sie fürchten, verhaftet zu werden“, erklärt Andrei Slavuckij, der Einsatzverantwortliche für Kirgisistan bei MSF Schweiz.

Inmitten einer Atmosphäre aus Angst und Misstrauen zwischen Usbeken und Kirgisen sowie bewaffneten Streitkräften, die um zahlreiche Osher Gesundheitseinrichtungen herum stationiert sind, ist der Zugang zu medizinischer Versorgung immer noch eines der Hauptprobleme. Die Angst, keine unparteiische Behandlung zu erhalten, hält viele Personen, die dringend medizinische Hilfe benötigen, davon ab, eine medizinische Einrichtung aufzusuchen.

„In solch einem angespannten und unbeständigen Kontext rufen wir alle verantwortlichen Behörden dazu auf, die Parteilosigkeit von medizinischen Einrichtungen zu bewahren. Es ist äusserst wichtig, dass jeder Patient, der eine medizinische Behandlung braucht, diese auch bekommt, egal welcher Herkunft er ist“, sagt Bruno Jochum, Direktor der Operationen bei MSF.

Seit Beginn der aktuellen Krise hat MSF mittels vier mobilen Kliniken über 1’400 medizinische Konsultationen in und um Osh und Jalal-Abad herum durchgeführt. Ausserdem unterstützt MSF 25 Gesundheitseinrichtungen mit Lieferungen von Medikamenten und medizinischer Ausrüstung. Nach den extrem gewalttätigen und psychisch belastenden Ausschreitungen im Juni, sitzt der Schock bei Tausenden von Menschen auch heute noch tief. Der Bedarf an psychologischer Betreuung ist immens und MSF konzentriert sich  daher immer mehr auf psychologische Hilfe.

MSF ist seit 2006 in Kirgisistan stationiert und behandelt Tuberkulosepatienten in Strafanstalten, eingeschlossen diejenigen Patienten, die an der resistenteren Form der Krankheit leiden. Gegenwärtig sind 45 Angestellte für MSF im Einsatz, wobei 19 internationale und 26 nationale Mitglieder dem derzeitigen Notfalleinsatz zugeteilt sind.

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