08.12.2016 - Jordanien

Jordanien: MSF muss Klinik für Kriegsverletzte schliessen

MSF fordert die jordanische Regierung auf, die Grenze für Verletzte aus Syrien wieder zu öffnen, damit sie Zugang zu lebensrettender medizinischer Hilfe haben.
Zaatari, Jordanien, 29.11.2016
«Es ist furchtbar zu wissen, dass nur wenige Kilometer entfernt Patienten sterben, weil sie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben»

Die medizinische Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) muss im Flüchtlingslager Zataari im Norden Jordaniens eine Klinik für Kriegsverletzte aus Syrien schliessen. Die Einrichtung steht heute praktisch leer, nachdem Jordanien die Grenze zu Syrien vor sechs Monaten schloss.

«Wir haben die Information erhalten, dass die Zahl der Kriegsverletzten seit Ende September gestiegen ist, als die Kämpfe und Bombardierungen auch im Süden Syriens wieder intensiver wurden», sagt Luis Eguiluz, MSF-Einsatzleiter in Jordanien. «Unsere Möglichkeiten, Leben zu retten, sind jedoch sehr eingeschränkt, seit die Kriegsverletzten nicht mehr über die Grenze dürfen. Wir können zwar warten, bis die Grenze wieder geöffnet wird – doch die Schwerverletzten haben diese Möglichkeit nicht.»

MSF hatte die 40-Betten-Klinik, in der Patienten postoperativ versorgt werden, im März 2014 eröffnet. Zu jener Zeit war die chirurgische Abteilung im nahegelegenen Spital in Ramtha so überfüllt, dass Behandlungen und Rehabilitation teilweise ausgelagert werden mussten. Insgesamt wurden 531 syrische Kriegsverletzte von Ramtha und anderen medizinischen Einrichtungen nach Zaatari überwiesen. Das MSF-Team führte hier zudem über 2100 ambulante Behandlungen, über 1450 Physiotherapiestunden und mehr als 2500 psychologische Sitzungen durch.

Steigender Hilfebedarf für kriegsverletzte Syrer

Nun muss die Klinik in Zaatari geschlossen werden, und auch die von MSF betriebenen Abteilungen im Spital in Ramtha sind fast leer. Gleichzeitig gehen die Kämpfe und Bombardierungen im Süden Syriens unvermindert weiter; der Bedarf für medizinische Hilfe für kriegsverletzte Syrer steigt entsprechend. Trotzdem bleibt die jordanische Grenze zu. Die Verwundeten müssen eine Alternative finden – oder aber sie sterben. «Es ist furchtbar zu wissen, dass nur wenige Kilometer entfernt Patienten sterben, weil sie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben», sagt Marjan Besuijen, MSF-Projektkoordinatorin in Zataari.

Durch medizinische Partnerorganisationen im Süden Syriens sind MSF mindestens 70 Fälle bekannt, in denen Kriegsverletzte – darunter 16 Kinder – die Überquerung der Grenze nach Jordanien verweigert wurde. Und das, obwohl sie dringend lebensrettende Versorgung gebraucht hätten.

MSF fordert die Regierung Jordaniens dringend auf, die Grenze für Verletzte aus dem Kriegsgebiet in Syrien wieder zu öffnen, um ihnen Zugang zu lebensrettender medizinischer Hilfe zu ermöglichen.

MSF ist seit 2006 in Jordanien tätig und hat in der Hauptstadt Amman ein Programm für wiederherstellende Chirurgie aufgebaut. Seit 2013 betreibt die Organisation die chirurgische Abteilung im Spital von Ramtha sowie eine Mutter-Kind-Klinik. MSF betreibt ausserdem zwei Projekte für nichtübertragbare Krankheiten in Irbid und Ramtha, um syrischen Flüchtlingen und Betroffenen aus Jordanien zu helfen.

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