27.03.2017 - Schweiz

Hilfsorganisationen fechten Patent auf Hepatitis-C-Medikament an

Am 27. März 2017 legt MSF beim Europäischen Patentamt Einspruch gegen das Patent von Gilead Sciences auf das Hepatitis-C-Medikament Sofosbuvir ein. Die Hilfsorganisation schliesst sich damit Ärzte der Welt sowie weiteren zivilgesellschaftliche Organisationen aus 17 Ländern an, die mit dem Einspruch das Ziel verfolgen, Millionen Menschen weltweit eine bezahlbare Behandlung mit dem lebenswichtigen Medikament zu ermöglichen.
Phnom Penh, Kambodscha, 06.12.2016
Die Verfügbarkeit erschwinglicher Medikamente zur Behandlung von Hepatitis C ist ein weltweites Problem.
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Die Monopolstellung von Gilead in der Herstellung des Medikaments ermöglicht es dem Unternehmen, exorbitant hohe Preise für Sofosbuvir festzusetzen. «Sofosbuvir ist so teuer, dass Millionen Menschen mit Hepatitis C derzeit nicht mit dem Medikament behandelt werden können», sagt Dr. Isaac Chikwanha, Hepatitis-C-Experte der Medikamentenkampagne von Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF). «Weltweit leben rund 80 Millionen Menschen mit Hepatitis C. Doch in vielen Ländern wird die Behandlung rationiert oder ist gar nicht verfügbar, zum Beispiel in Russland, Thailand oder Brasilien. Jeder, der das Medikament braucht, sollte es bekommen können – auch Patienten in Europa. Denn auch ein gutes Medikament ist nutzlos, wenn es für die Patienten nicht verfügbar ist.»

Exorbitante Preise

Sofosbuvir ist der wichtigste Bestandteil der meisten Hepatitis-C-Kombinationsbehandlungen und hat die Heilungsraten erheblich verbessert. In Europa verlangt Gilead für eine zwölf-wöchige Behandlung mit Sofosbuvir bis zu 55’000 Euro. In den USA kostete die Behandlung anfänglich 84’000 US-Dollar, also 1’000 US-Dollar pro Tablette. Studien zufolge belaufen sich die Herstellungskosten jedoch auf einen US-Dollar pro Tablette.

«Gileads Patentmonopol auf Sofosbuvir macht eine bezahlbare Behandlung von Hepatitis C zum Beispiel mit Generika in vielen Ländern unmöglich, darunter auch in Europa», sagt Aliénor Devalière, politische Referentin für EU-Fragen der MSF-Medikamentenkampagne. «Dieses Patent kann und sollte angefochten werden, denn die wissenschaftlichen Verfahren, die der Herstellung von Sofosbuvir zu Grunde liegen, sind nicht neu.»

Einspruch in Europa hat wichtige Signalwirkung

Patentanfechtungen können die Gültigkeit eines Patents aufheben oder dessen Gültigkeitsdauer verkürzen. Ein Wettbewerb mit Generika-Herstellern wird so möglich, wodurch die Preise sinken. Damit hätte ein erfolgreicher Einspruch in Europa auch eine wichtige Signalwirkung für andere Regionen und Länder, in denen die hohen Preise den Zugang zu Sofosbuvir einschränken. In China und der Ukraine wurden Patente auf Sofosbuvir bereits aufgehoben. In weiteren Ländern, darunter Argentinien, Indien, Brasilien, Russland und Thailand, laufen die Verfahren noch.

MSF behandelt Patienten mit Hepatitis C unter anderem in Myanmar, Indien, Pakistan, Russland und Usbekistan.

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Hepatitis, Schweiz
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