15.05.2017 - Mexiko

Bericht: Flüchtende aus Mittelamerika sind auch in Mexiko Gewalt ausgeliefert

Menschen auf der Flucht vor extremer Gewalt in Honduras, Guatemala und El Salvador werden auch in Mexiko Opfer von Angriffen, Missbrauch und Drohungen.
Mexiko, 17.03.2017
«Das Leid und die unablässige Gewalt, die viele dieser Menschen durchmachen mussten, ähnelt dem, was wir in Konfliktgebieten beobachten»

Wie ein neuer Bericht von MSF zeigt, haben sie keinen Zugang zu ausreichender medizinischer Versorgung. Die aggressive Abschiebungspolitik verschlimmert ihre Situation.

«Das Leid und die unablässige Gewalt, die viele dieser Menschen in Honduras, Guatemala und El Salvador durchmachen mussten, ähnelt dem, was wir in Konfliktgebieten beobachten», sagt Bertrand Rossier, Landeskoordinator von Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) in Mexiko. «Mord, Entführungen, Drohungen, Anwerbung durch bewaffnete Gruppen, Erpressung, sexuelle Gewalt und Zwangsvertreibung – das kennen wir aus Kriegen oder Konflikten. Das ist aber auch die harte Realität für die Menschen aus dieser Region Mittelamerikas.»

Meistgenannter Fluchtgrund: Angriffe oder Drohungen

Der Bericht «Forced to Flee from the Northern Triangle of Central America – A Neglected Humanitarian Crisis» basiert auf medizinischen Daten aus zwei Jahren, Patientenumfragen und Erfahrungsberichten von direkt Betroffenen, welche die Teams von MSF bei ihrer Arbeit in Mexiko gesammelt haben. Von den 467 Befragten nennen 39 Prozent als Hauptfluchtgründe direkte Angriffe oder Drohungen gegen sie selbst oder ihre Familie sowie Erpressung und erzwungene Anwerbung durch Banden. 68 Prozent berichten, auf ihrem Weg durch Mexiko Opfer von Gewalt geworden zu sein. Insgesamt erlebten 92 Prozent der Patienten der psychologischen Programme von MSF in den Jahren 2015 und 2016 Gewalt in ihrem Heimatland oder auf der Flucht.

Honduras, Guatemala und El Salvador gehören zu den Ländern mit den meisten Gewaltverbrechen, doch Migranten und Flüchtlinge aus dieser Region gelten in Mexiko und den USA meist als Wirtschaftsflüchtlinge – und als solchen wird ihnen nur selten Asyl gewährt. «Es gibt sicher Menschen, die diese Länder aus wirtschaftlichen Gründen verlassen. Unser Bericht zeigt aber, dass die meisten eingeschüchtert und schutzbedürftig sind. Sie fliehen, um ihr Leben und das ihrer Familien zu retten», sagt Rossier. «Menschen durch verstärkte Grenzüberwachung, Inhaftierung und Ausweisung aufzuhalten, wie das in Mexiko und den USA geschieht, heisst, diese humanitäre Krise einfach zu ignorieren. Mit dieser Praxis können die Geschäfte von Schleppern nicht verhindert werden. Die Konsequenzen für das Leben und die Gesundheit der Flüchtenden sind jedoch verheerend.»

Aufruf zu mehr Menschlichkeit

MSF ruft die Regierungen von El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko, den USA und Kanada auf, Alternativen zur Internierung der Schutzsuchenden zu schaffen und den völkerrechtlichen Grundsatz der Nichtzurückweisung («Non-Refoulement») einzuhalten. Die Länder sollten legale Umsiedlung und Familienzusammenführung ermöglichen, damit Menschen aus dem nördlichen Mittelamerika mit Anspruch auf internationalen Schutz und Asyl nicht länger gezwungen sind, ihr Leben und ihre Gesundheit zu riskieren.

MSF arbeitet seit 2012 in Mexiko und leistet dort medizinische und psychologische Hilfe für Migranten und Flüchtende aus Honduras, Guatemala und El Salvador.

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