08.09.2017 - Myanmar

Bangladesch: Geflohene Rohingya brauchen dringend humanitäre Hilfe

Die nach Bangladesch geflohenen Rohingya brauchen dringend sauberes Wasser, Nahrung und medizinische Hilfe.
Bangladesch, 05.09.2017
Die geflohenen Rohingya sind vollkommen mittellos, schwer traumatisiert und hatten keinerlei medizinische Versorgung.
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Mehr als 146’000 Menschen sind seit dem 25. August auf der Flucht vor Gewalt im Bundesstaat Rakhine aus Myanmar nach Bangladesch geflohen. In einer ersten Flüchtlingswelle ab Oktober 2016 hatten bereits rund 75’000 Rohingya in Bangladesch Schutz gesucht. Schon vor dem aktuellen Flüchtlingszustrom lebten die Rohingya dort unter unsicheren und unhygienischen Bedingungen in überfüllten Ansiedlungen. Zahlreiche weitere Flüchtlinge sind im Niemandsland an der Grenze von Myanmar und Bangladesch gestrandet. Médecins Sans Frontières/Ärzte ohne Grenzen (MSF) stockt die Aktivitäten für die Rohingya in Bangladesch auf und ist besorgt über die Lage derer, die noch in Myanmar sind.

„Unsere Teams sehen Ströme von Menschen, die hier ankommen“, sagt Pavlo Kolovos, Landeskoordinator von MSF in Bangladesch. „Sie sind vollkommen mittellos, schwer traumatisiert und hatten keinerlei medizinische Versorgung. Viele von ihnen müssen dringend medizinisch behandelt werden. Sie haben Gewaltverletzungen oder stark infizierte Wunden, bei einigen Frauen kommt es zu Komplikationen unter der Geburt. Wenn die humanitäre Hilfe hier nicht aufgestockt wird, kann es zu Krankheitsausbrüchen kommen.“

„Mein Sohn wurde angeschossen, als ich mit meiner Familie auf der Flucht war“, erzählt ein 49 Jahre alter Vater. „Ich habe ihn in Bangladesch ins Spital gebracht. Den Rest meiner Familie habe ich in Myanmar im Wald zurückgelassen. Seit Tagen habe ich nichts von ihnen gehört. Ich weiss nicht, was ich tun soll. Ich bin verzweifelt.“

MSF hat zusätzliche Krankenpfleger, Hebammen und Ärzte nach Bangladesch entsandt und in einer der beiden Kliniken der Organisation in der Region Kutupalong eine zweite Bettenstation eingerichtet, um dem Patientenanstieg zu begegnen. Die Mitarbeiter unterstützen zunehmend auch bei Überweisungen an andere Spitäler und stellen rund um die Uhr Krankentransporte zur Verfügung. Zwei neue mobile Teams erheben die medizinischen Bedürfnisse der Geflüchteten und behandeln Verletzte.

„Uns beunruhigt, dass Hundertausende Menschen, die noch in Myanmar sind, keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben“, sagt Kolovos. „Derzeit dürfen dort keine Helfer aktiv werden. Da die Durchimpfungsrate in Northern Rakhine State sehr niedrig ist, sollte eine Impfkampagne gegen Masern und weitere Krankheiten bei den Ankommenden oberste Priorität haben.“ Ausserdem muss mehr gegen die hohen Mangelernährungsraten getan werden, sowohl bei den Menschen, die bereits in Bangladesch sind, als auch bei denen, die noch in Rakhine sind.”

Obwohl es erste Nahrungsmittelverteilungen gab, haben einige Flüchtlinge bislang nur eine Ration trockener Kekse erhalten. Auch der fehlende Zugang zu sauberem Wasser ist alarmierend. „Als ich ankam, habe ich sieben Tütchen mit Keksen für meine Kinder bekommen. Das ist alles was sie gegessen haben“, sagt ein Vater von vier Kindern, der vor drei Tagen angekommen ist. „Wir sind in einer Schule untergekommen, doch das Schulamt sagt, dass wir morgen gehen müssen. Ich habe keine Ahnung, wohin.“

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