15.12.2006 - Uganda

Wegen Ebola gibt sich niemand die Hand

Uganda, 12.12.2007
Wo ist das?
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Vor ein paar Tagen bin ich von Genf via die ugandische Hauptstadt Kampala in Bundibugyo eingetroffen. Wir sind nur einen Steinwurf von der Demokratischen Republik Kongo entfernt, am Fuss des Mondberges, in einer grossartigen Landschaft. Der Urwald ist nicht weit. Bundibugyo ist eher ein grosses Dorf als eine Stadt: Es gibt keine geteerte Strasse und nur wenige Zementgebäude. Alles ist grün, alles wächst. 

Man hat den Eindruck, dass das Leben hier normalerweise leicht ist. 

Aber zur Zeit ist das Leben in Bundibugyo nicht normal. Vor mehreren Wochen trat hier Ebola in Erscheinung, das Massenmörder-Virus. Es herrscht Angst vor, die mit der steigenden Opferzahl wächst, bis heute sind es genau 29. 

Niemand gibt sich hier die Hand. Man versucht es jedenfalls zu vermeiden, auch wenn es schwer fällt, es ist so unnatürlich. Die Chlordämpfe, welche die Ankunft von MSF-Teammitgliedern ankünden, irritieren die Augen. Rund 20 internationale Freiwillige - Ärzte, Pfleger, Logistiker - kommen und gehen zwischen «Basis» und Spital, wo 16 Patienten zur Zeit streng isoliert sind. 

Das Wochenende war für das Team besonders schwierig: Sechs Todesfälle zwischen Freitagabend und Sonntagmorgen, darunter ein weiterer ugandischer Gesundheitsarbeiter. Er hatte sich angesteckt, als er Kranke pflegte. Der Tribut fürs ugandische Gesundheitspersonal ist hoch: Schon 5 Tote. Die Angst geht um. Wir fühlen sie alle, auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen…
Gestern morgen kam Anna, die deutsche Krankenpflegerin, die wie eine Kosmonautin angezogen im Spital auf der «Ebolastation» arbeitet, mit einem strahlenden Lächeln an. Sie begann sogar im Hof unserer Unterkunft zu tanzen : «Letzte Nacht ist niemand gestorben». Alle haben applaudiert, als ob ihnen eine grosse Last abgenommen worden wäre. Doch dann ergänzte Anna: «Auf der Station befinden sich drei Patienten in einem kritischen Zustand».

Stichworte
Ebola, Epidemien, Uganda
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