16.12.2007 - Uganda

Swaibu hat alle verblüfft

Uganda, 12.12.2007
Uganda, 12.12.2007
Wo ist das?
Dieser Inhalt ist...

Uff! In Bundibugyo scheint das Ebola-Virus angeschlagen zu sein. Dieses Wochenende verlief beinahe ruhig. Rosa, die Verantwortliche, hat sogar beschlossen, am Sonntag eine Pause einzulegen. Es ist ja keine einfache Aufgabe, einen derartigen Einsatz mit 25 internationalen Freiwilligen zu leiten, die alle unterschiedlicher Herkunft sind und den verschiedensten Aufgaben nachgehen. 

Dazu kommt, dass das Mobiltelefonnetz hier ausgezeichnet funktioniert, obwohl die Gegend zwischen dem Albertsee, den Rwenzori-Bergen und der Demokratischen Republik Kongo eingekesselt liegt. Ständig läutet das Telefon mit Gesprächen aus Kampala, aus Genf..., was zusätzlichen Druck bedeutet. Gewiss, dieser Druck ist legitim, aber auch damit muss man umgehen. 

Die Atmosphäre in Bundibugyo wird bestimmt von Warten, vom ständigen Hin- und Her von Allradfahrzeugen mit Radioantennen, die die Jacaranda-Bäume zerzausen, und von mehrmals täglich in weissen, von Unicef zur Verfügung gestellten Zelten stattfindenden Sitzungen. Man hat den Eindruck, an der Front zu sein. Die Bevölkerung beobachtet aufmerksam, stellt Fragen, gibt Kommentare ab. Die Kriegserklärung wurde abgegeben, und man rechnet damit, dass sich das Virus darüber klar wird. 

In der vordersten Linie in der Hochrisikozone im Spital unterstützen Ärztinnen und Pfleger in Kosmonautenanzügen nach wie vor mehrere Patienten in ihrem Kampf gegen den Tod. 

Verlässt man die Stadt ändert sich die Stimmung, sobald man die ersten Hügel erreicht, die bis zum Horizont mit Bananenstauden, Vanillesträuchern und vor allem Kakaobäumen bedeckt sind. Wir befinden uns mitten in der Kakaoernte und pralle Säcke warten am Strassenrand auf die Lastwagen, die ihre Runden unterbrochen hatten. 

Die Menschen, denen ich auf einem kleinen Markt begegne, wissen nicht viel über Ebola. Wie es übertragen wird? Welche Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen sind? Welche Rolle die Affen spielen? Ich bin darüber erstaunt, wie wenig von den Informationsveranstaltungen hängen geblieben ist. Wohl ist das Plakat «Facts about Ebola» vor einem Laden angeschlagen. Trotzdem haben alle Angst. Sie sehen die hin- und herfahrenden Fahrzeuge, Menschen in weissen Stiefeln und blauen Handschuhen. Und hoffen darauf, dass diese nicht ausgerechnet in ihrem Dorf anhalten... 

«Die Ambulanz dient dazu, Gerüchten nachzujagen», erklärt mir Cristina, die weder Stiefel noch Handschuhe trägt, mit ihrem unnachbaren katalanischen Akzent. Gerüchte könnten zu Menschen führen, die erkrankt sind und Kontakte mit Ebolapatienten hatten. «In über einer Woche haben nur fünf von 25 Gerüchten zu einer Spitaleinweisung geführt. Vielleicht wird sich Ebola nicht weiter ausbreiten», fügt sie hinzu. 

Am Anfang der dritten Einsatzwoche scheinen ihr die Fakten Recht zu geben. Seit mehreren Tagen ist niemand mehr an Ebola gestorben und die Zahl der entlassenen Patienten liegt weit über der der Neuaufnahmen. 

Swaibu hat alle verblüfft. Der rund Zwanzigjährige erkrankte Anfang Monat. Laborbescheid: Ebola. Doktor Ester sah ihn rasch abmagern, auch wenn er guten Mutes blieb. Ich habe ihn vor ein paar Tagen auf der Isolationsstation gesehen: Er ging als Sieger aus dem Kampf hervor und telefonierte mit seiner Familie. 

Er war überglücklich, als wir ihn heimbegleiteten. Als Ester ihm vor der versammelten, noch etwas skeptischen Familie die Hände schüttelte, brachen alle erleichtert in Lachen aus. Darauf drückten sie alle die Hand des jungen Lehrers, der vor Freude strahlte. Du hast uns eine Lehre in Mut erteilt, Swaibu! 

Stichworte
Ebola, Epidemien, Uganda
Publizieren
Newsletter
Newsletter abonnieren
Immer informiert bleiben

abonnieren