12.12.2007 - Uganda

In der Hochrisikozone

Heute hat mich «Doktor Esther», die MSF-Ärztin, auf die «Ebolastation» mitgenommen.
Uganda, 12.12.2007
Wo ist das?
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Geduldig half sie mir, die verschiedenen Schichten der Schutzkleidung überzuziehen. Diese besteht aus einem leichten Synthetikmaterial, das dicht und widerstandsfähig, aber auch zum Ersticken ist.  Sie überprüfte sorgfältig, dass neben der Schutzbrille nicht das kleinste Stückchen Haut hervorschaute. Dann stellte sie sicher, dass das zweite Paar Handschuhe aus Latex die Ärmel der Kombination dicht abschloss, bevor sie mich in die Risikozone liess. 

Für den Besucher ist es seltsam, in diese Arena zu treten. Ein widersprüchliches Gefühl, eine Mischung aus Furcht vor dem unsichtbaren Virus und Vertrauen in den schützenden Kokon. Als ich der Ärztin folge, muss ich daran denken, welche Herausforderung es für das Pflegepersonal bedeutet, unter diesen Bedingungen Stunde um Stunde und Tag um Tag Kranke zu pflegen!  

«Doktor Esther» ist sehr jung und sehr ruhig. Kommt diese Ruhe daher, dass sie vor kurzem bei einer anderen Ebolaepidemie in Kasai im benachbarten Kongo im Einsatz stand? Sie beeindruckt mich, und ich fühle mich in meiner synthetischen Rüstung vollkommen sicher, um mich unter die Patienten zu begeben. Denn zu meiner Überraschung spazieren einige davon in der abgeschlossenen Isolationsstation und schöpfen die frische Luft, die vom Berg in der Nähe herunterweht, während sich unter unseren Nylonpanzern Kondensation absetzt. 

Die 15 Patienten, die sich heute auf der Isolationsstation befinden, sind auf zwei Pavillons verteilt. Im ersten befinden sich Verdachtsfälle. Sie sind erst gerade im Spital angekommen. Einer davon hängt am Tropf. «Es geht ihm schlecht», flüstert Esther mir zu. «Wir hoffen, die Resultate der Laboruntersuchungen möglichst rasch zu erhalten. Positiv? Negativ? Wir wollen es alle für ihn wissen». Sie beugt sich über ihn, um ihm Mut zu machen. 

Im anderen Pavillon, befinden sich etwa 10 Meter weiter die bestätigen Fälle. Es handelt sich um Überlebende. Acht Patienten, die weiterkämpfen. Darunter eine Pflegerin, der es nicht gut geht. Ich lasse Esther ein kleines Fest vorbereiten, die Entlassung von vier Patienten. Sie haben die kritische Phase überstanden und sind heute geheilt», erklärt sie mir. Ihre Augen glitzern hinter ihrer Schutzbrille. 

Auch die Hoffnung gehört zu den Waffen im Krieg gegen Ebola. 

Stichworte
Ebola, Epidemien, Uganda
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