14.12.2007 - Uganda

Der Pastor ist nicht mehr da

Hier in Bundibugyo erhalten wir die lokale Presse erst spät, aber immerhin kommt sie an. Zwei oder drei Tageszeitungen, darunter der «Budekke», ein «Blick»-Äquivalent auf Luganda, der hier im Zentrum Ugandas gesprochenen Sprache. Auf englisch gibt es den «Monitor» oder die «New Vision». Und die Wochenzeitschrift «Observer» - mit ein wenig Organisation oder Glück kriegt man meist ein Exemplar davon in die Hände. Die Zeitungen schreiben täglich über Ebola. Da der Gesundheitsminister vorgestern die Isolationsstation besuchte, berichten sie nun noch mehr darüber.
Uganda, 12.12.2007
Wo ist das?
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Schon am Tag meiner Ankunft war Ebola auf der Titelseite, mit der Foto des Arztes, der in Kampala im Mulango-Spital an Ebola gestorben war. Er war von hier. 

Nimmt man sich die Zeit, über die blutrünstigen Bilder auf der Titelseite hinaus zu blättern, die das gemeinsame Los vieler Zeitungen sind, findet man Artikel, die breit über die Epidemie berichten. Aber nur wenig über die Hilfe von aussen. Ein paar Worte über die amerikanischen Forscher, die, so scheint es, hier einen neuen Virusstamm aufgespürt haben. Kein Wort über MSF. Ebola bleibt eine ugandische Angelegenheit... 

Man findet auch Beiträge, die einen völlig verdutzt zurücklassen. So überläuft es mich kalt, wenn ich Artikel lese, welche die späte offizielle Erklärung der Epidemie dem «Chogm» zuschreiben, dem Gipfel der Staatschefs des Commonwealth. 

Ich bin mir nicht sicher, ob die Menschen ihre Gewohnheiten geändert hätten, wenn die Zeitungen früher über das Killervirus berichtet hätten. Trotzdem muss ich daran denken, ob der Pastor, den wir heute morgen begraben haben, nicht vorsichtiger gewesen wäre, wenn er früher von der Epidemie gewusst hätte, als er sich ans Grab eines plötzlich verstorbenen, guten Freundes begab. 

Hilde, die belgische MSF-Ärztin, die, so jung sie auch ist, trotzdem bereits über Ebola-Erfahrung aus Kasaï verfügt, teilte ihre Zweifel mit mir, als wir uns nach einem Hinweis des Roten Kreuzes zu ihm begaben. Das war am Sonntag, vor wenigen Tagen nur. Bevor sie das Thermometer unter die fiebrige Achsel des Pastors schob, bat sich mich um Rat, offenbar von meinem grauen Bart beeindruckt. «Soll ich die Handschuhe schon vor der Konsultation anziehen oder eher warten, bis ich das Fieber messe, und es vor dem Patienten tun?» 

Ich schätzte ihre Sorge, den alten Mann nicht noch zusätzlich zu schockieren. «Ich fürchte, es versteckt sich etwas hinter diesem Fieber, das seit Tagen dauert», beunruhigte sie sich. «Wir müssen morgen wieder kommen». 

Am nächsten Tag kehrte Hilde nach Belgien zurück. Dem Pastor blieb nicht anderes übrig, als in die Ambulanz zu steigen und sich ins Spital einweisen zu lassen. 

Babu, der clinical officer, der uns begleitete, erzählte uns, dass die Kirchgänger dem Pastor zum Abschied winkten, als die Ambulanz ihn mitnahm. 

Stichworte
Ebola, Epidemien, Uganda
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